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INTERVIEW

Seit dem Militärputsch vor vier Jahren ist es dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan gelungen, seine Macht weiter auszubauen, sagt Hürcan Aslı Aksoy, stellvertretende Leiterin des Centrums für Angewandte Türkeistudien, in SWR2.

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„Erdoğan ist der mächtigste Staatspräsident seit Atatürk in der modernen Geschichte der Türkei", so Aksoy. Er habe seine Macht „festgenagelt“. Allerdings funktioniere das neue politische System nicht in allen Bereichen so, wie Erdoğan sich das vorgestellt habe. Als Beispiel nannte Aksoy die Kommunalwahlen im Jahr 2019.

Viele Menschen in der Türkei klagten, der neue türkische Staat arbeite dysfunktional, chaotisch und unorganisiert. Auch sei noch längst nicht alles geklärt, was in der Putsch-Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 geschah. „Die Regierung scheint nicht den Ehrgeiz zu haben, alle offenen Fragen zu klären“, so Aksoy..

Gespräch Urteil gegen Deniz Yücel: „Die Justiz in der Türkei agiert nicht unabhängig“

In Abwesenheit wurde der Journalist Deniz Yücel zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Tatsache, dass die türkische Justiz immer noch an dem absurden Vorwurf der Terror-Propaganda festhalte, zeige, wie politisiert und willkürlich die Justiz in der Türkei sei, sagt Anne Renzenbrink von Reporter ohne Grenzen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Musikthema Corona macht Kulturschaffende in der Türkei erfinderisch

Maskenpflicht in der ganzen Stadt, abgesagte Konzerte, geschlossene Bühnen - die Corona-Pandemie hat auch die Musikszene in der türkischen Metropole Istanbul kräftig aus dem Takt gebracht. Aber die Situation macht auch erfinderisch. Cem Mansur, der berühmteste Dirigent der Türkei, probt mit seinem Orchester per Online-Konferenz. Der Straßenmusiker Metin Önderoglu hat mit Kollegen ein Solidaritätsalbum für Corona-Erkrankte aufgenommen und das staatliche Sinfonieorchester Istanbul gab sogar wieder ein erstens Konzert. Christian Buttkereit mit Eindrücken aus Istanbul.  mehr...

SWR2 Treffpunkt Klassik SWR2

Kulturmedienschau Kritik an Entscheidung, Hagia Sophia wieder zur Moschee zu machen | 14.7.2020

Die symbolträchtige Hagia Sophia in Istanbul ist seit 1934 ein Museum. Am Freitag hat die türkische Justiz diesen Status aufgehoben und Staatschef Erdogan hat angekündigt, dass der Sakralbau, der sowohl für das Christentum als auch den Islam von großer religiöser und kulturhistorischer Bedeutung ist, schon ab Ende Juli wieder als Moschee genutzt werden soll. Das sorgt für Kritik.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Gerichtsprozess um Khashoggi: Verstrickung muss bewiesen werden

„Die Verwicklung des Kronprinzen unter Beweis zu stellen, das ist das Ziel im Prozess in Istanbul, der jetzt eröffnet wird“, sagt der Chefredakteur der Nahostzeitschrift „Zenith“, Daniel Gerlach, in SWR2.

Wegen des Mordes an dem saudischen Regimekritiker und Journalisten Jamal Khashoggi vor mehr als anderthalb Jahren stehen insgesamt 20 Verdächtige in Istanbul vor Gericht. Hauptangeklagte sind zwei ehemalige Berater des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Ein Sonderkommando aus Riad hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul brutal getötet, als er Papiere für seine geplante Hochzeit abholen wollte. Sein Leichnam wurde zerstückelt. Die saudische Regierung hat den Mord eingeräumt. Kronprinz bin Salman, der faktische Herrscher in Saudi-Arabien, bestritt aber, die Tötung selbst angeordnet zu haben.

Das offensichtliche Scheitern einer Entführung von Khashoggi hat Saudi-Arabien vor der Weltöffentlichkeit lächerlich gemacht, sagt Gerlach, habe aber auch das hässliche Gesicht des Landes gezeigt. Der Mord und das weltweite Entsetzen hätten zwar dazu geführt, dass sich Saudi-Arabien politisch insgesamt leiser verhalte. Doch nun müsse das Gericht beweisen, dass es ein echtes Interesse daran habe, neue Fakten und Beweise ans Licht zu bringen. Denn auch die Türkei habe sich in den letzten Jahren in abstrusen Verfahren gegen vermeintliche Staatsgegner „nicht gerade mit Ruhm bekleckert“, so der Journalist.  mehr...

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