Gespräch

Nach dem Ende der Luftbrücke nach Afghanistan: 6.500 ehemalige Ortskräfte hoffen weiter auf Hilfe

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Hinweise auf Ermordung und Entführung von ehemaligen Ortskräften

Unverändert gefährlich sei die Lage für ehemalige Ortskräfte der Bundeswehr in Afghanistan, sagt Bundeswehr-Reservist Lukas Wehner in SWR2. Er gehört zum Patenschaftsnetzwerk Afghanische Ortskräfte e.V., das sich für die Ausreise bedrohter Menschen aus dem Land einsetzt. Neben Hinweisen auf die Ermordung solcher Hilfskräfte durch die Taliban gebe es inzwischen auch erste unbestätigte Hinweise, dass ehemalige afghanische Mitarbeiter von Bundesbehörden entführt würden.

Viele ehemalige Ortskräfte sind nicht visumsberechtigt

Mit Hilfe dreier Sozialarbeiter unterhalte das Patenschaftsnetzwerk Kontakt zu über 1.000 Personen in Afghanistan, die unverändert auf ihre Ausreise hofften, sagt Wehner. Auch Angehörige betroffener Familien würden sich direkt bei den deutschen Helfern melden. Man müsse davon ausgehen, so Wehner, dass sich insgesamt noch immer etwa 6.500 ehemalige Ortskräfte und ihre Familienangehörigen in Afghanistan aufhielten. Davon seien 4.000 nicht visumsberechtigt.

Würdigung der an der Evakuierung beteiligten Bundeswehrkräfte

Mehr als 5.000 Menschen hat die Bundeswehr aus Afghanistan bislang in andere Länder gebracht. Die beteiligten Bundeswehrkräfte werden am 22.9.2021 mit einem Appell gewürdigt, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer teilnehmen werden.

Gespräch Die UNO nach dem Afghanistan-Debakel: Geschwächt und dennoch unverzichtbar

Auch in der Schwäche der UNO erlebten wird, dass wir nicht auf sie verzichten können, sagt der Menschenrechtsexperte Heiner Bielefeldt von der Universität Erlangen-Nürnberg in SWR2 mit Blick auf die am 21. September 2021 beginnende Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Das gelte gerade für Situationen wie in der derzeitigen Krise um Afghanistan, in denen es darum gehe, ein Minimum an humanitärer Hilfe zu gewährleisten, Flüchtlingslager zu organisieren, in der Pandemie und beim Thema Klimaschutz auf gemeinsame Lösungen hinzuwirken. Multilateralismus habe zwar viele Gremien und Gesprächsebenen, aber die UNO bleibe als Prüfstein für die internationale Zusammenarbeit unverzichtbar, so Bielefeldt.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Afghanistan unter den Taliban: Social Media hilft bei der Unterdrückung

Anhand von Facebook-Profilen und anderen Social Media-Spuren könnten die Taliban in Afghanistan Menschen verfolgen, erklärt der Medienjournalist Christian Schiffer. Mittlerweile seien die Taliban durchaus „Internet-affin“, in Zusammenarbeit mit dem pakistanischen Geheimdienst könnte der Zugriff auf digitale Daten für Gegner des Regimes oder auch für die sogenannten Ortskräfte der westlichen Streitkräfte gefährlich werden.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Tagesgespräch Grünen-Politiker Nouripour: „Wir haben das erste Mal in der Geschichte eine Terror-Organisation mit einer Luftwaffe“

Die Berichte über brutales Vorgehen der Taliban gegen ihre Kritiker häufen sich. Mindestens vier Demonstrierende seien dabei getötet worden, sagt das UNO-Menschenrechtsbüro in Genf. Unterdessen wird im Westen diskutiert, wie mit der Taliban-Regierung umgegangen werden soll. Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour sagte im Gespräch mit SWR2 Aktuell-Moderatorin Constance Schirra, das Regime in Kabul dürfe auf keinen Fall Geld aus dem Ausland bekommen. "Die Taliban haben in der Schlacht um das Pandschir-Tal bewaffnete Drohnen eingesetzt. Die haben Flugzeuge am Boden – wenn sie Geld haben für Leute, die die warten und tanken, dann werden sie auch fliegen. Wir haben das erste Mal in der Geschichte eine Terror-Organisation mit einer Luftwaffe. Wollen wir denen wirklich Geld geben? Ich glaube, das ist keine gute Idee", argumentierte Nouripour. Aktuell müsse man mit den Taliban sprechen und mit ihnen zusammenarbeiten wie mit Geiselnehmern, sagte er weiter, um noch mehr Leute aus Afghanistan herauszuholen. "Die Taliban wollen das Land wieder in die 1990er Jahre zurückversetzen, als die Frauenrechte nicht gegolten haben und die Menschenrechte mit Füßen getreten wurden". Was Omid Nouripour vorschlägt, um eigentlich eingeplante Hilfsgelder doch noch zum Wohle der Afghaninnen und Afghanen zu verwenden, hören Sie im Interview.  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Gespräch Thorsten Frei (CDU): Deutschland lässt afghanische Ortskräfte nicht im Stich

Es könne keine Rede davon sein, dass Deutschland die afghanischen Ortskräfte der Bundeswehr im Stich lasse, sagt der CDU-Politiker und stellvertretende Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei aus Donaueschingen in SWR2. Seit der Verringerung der deutschen Präsenz in Afghanistan nach 2013 seien etwa 3.400 gefährdete Ortskräfte in Deutschland aufgenommen worden. „Aktuell werden mit Hochdruck weitere Sicherheitsüberprüfungen vorgenommen“, so der CDU-Politiker, „so dass alle diejenigen, die gefährdet sind, weil sie für die Bundesrepublik Deutschland gearbeitet haben, auch tatsächlich aufgenommen werden können.“ Die Gefährdungslage im Land sei allerdings ein Problem, räumt Thorsten Frei ein. Er hoffe, dass die in Kabul selbst noch immer als relativ stabil geltende Situation erlauben werde, alle Anträge auch so bald wie möglich zu bearbeiten.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Zeitwort 2.4.2010: In Afghanistan kommen drei Bundeswehrsoldaten ums Leben

Seit Gründung der Bundeswehr sind 114 SoldatInnen ums Leben gekommen. Das Karfreitagsgefecht 2010 in Afghanistan war ein besonders einschneidendes Ereignis.  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

Forum Mission misslungen – Wie sinnvoll sind Auslandseinsätze?

Martin Durm diskutiert mit
Wolfgang Bauer, Reporter der Wochenzeitung „DIE ZEIT"
Prof. Dr. Herfried Münkler, Historiker
Prof. Dr. Markus Kaim, Stiftung Wissenschaft und Politik  mehr...

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