SWR2 Forum Mykene - Glanz und Untergang einer Hochkultur

Es diskutieren:
Dr. Katarina Horst, Archäologin, Badisches Landesmuseum Karlsruhe
Dr. Reinhard Jung, Archäologe, Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien
Prof. Dr. Joseph Maran, Institut für Ur- und Frühgeschichte, Universität Heidelberg.
Gesprächsleitung: Marie-Dominique Wetzel

Dauer

Die Welt staunte nicht schlecht, als der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann vor bald 150 Jahren in Mykene die ersten Schätze einer Kultur ans Tageslicht brachte, die offenbar lange vor der klassischen Antike existiert hatte.

Mykene war die erste Hochkultur in Griechenland. Vom 15. bis 12. Jahrhundert v.Chr. dominierte sie den Peloponnes, erbaute prachtvolle Paläste und pflegte enge Kontakte zu anderen Zivilisationen. Nach nur vierhundert Jahren verschwand sie auf bis heute rätselhafte Weise.

Größte Ausstellung über das mykenische Griechenland

Goldmaske aus Schachtgrab V (Foto: Pressestelle, © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck)
Und tatsächlich entdeckte Schliemann 1876 fünf Gräber voller wertvoller Grabbeigaben samt einer Goldmaske, die Schliemann - fälschlicherweise, aber sehr werbewirksam - sofort zur Totenmaske Agamemnons deklarierte. Das Original ist jetzt in der Karlsruher Ausstellung zu sehen.Goldmaske aus Schachtgrab V, 16. Jh. v. Chr., Mykene, Grabfund, Archäologisches Nationalmuseum Athen, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Doch schnell war klar, dass sich diese Objekte nicht in bisher bekannte archäologische Fund-Zusammenhänge einordnen ließen. Man hatte es offensichtlich mit einer Kultur zu tun, von deren Existenz niemand etwas geahnt hatte und die ab dem 16. Jahrhundert vor Christus in Mittelgriechenland und auf der Peloponnes wie aus dem Nichts entstanden ist.Kyklopenmauer und Nachpalastzeit, 12. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Die Karlsruher Ausstellungskuratorin Katarina Horst: „Die Sachen, die man aus der Vorzeit kennt, sind einfach Keramiken, einfaches bäuerliches Leben – und auf einmal erscheint dann in sehr kurzer Zeit eine sehr weit ausgereifte Gesellschaft mit wunderbaren Objekten, die uns zeigt, dass die Menschen weit fortgeschritten waren in ihrer kulturellen Entwicklung.“15. Jh. v. Chr., Pylos, Grabfund aus dem Grab des Greifenkriegers, Archäologisches Museums Messeniens, Kalamata, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Wunderbar gearbeitete Ketten und Ringe aus Gold, filigrane Zierkämme aus Elfenbein, feine Keramiken und aufwendig verzierte Waffen bezeugen das. Teilweise stammen sie aus ganz neuen Grabungen und werden zum allerersten Mal öffentlich gezeigt.Goldene Halskette mit Perlen aus Achat und Glaspaste, 15. Jh. v. Chr., Pylos, Grabfund aus dem Grab des Greifenkriegers, Archäologisches Museum Messeniens, Kalamata, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
In der Ausstellung des Badischen Landesmuseums erfährt man außerdem viel über die weitverzweigten Handelsbeziehungen der mykenischen Kultur bis nach Syrien und Ägypten und über die besondere Beziehung zu den großen Vorbildern, den Minoern auf Kreta.Rinderfigur, 14. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Volos, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Nach Mykene entdeckte man weitere, große Palastanlagen, wie Tiryns und Pylos. Die Paläste waren, wenn auch nicht gleich, so doch ähnlich aufgebaut.Nachbau eines mykenischen Thronsaals Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Im Badischen Landesmuseum hat man einen Thronraum 1:1 nachgebildet, mit aufwendigen, farbigen Malereien.Fußbodenfragment aus dem Palast von Tiryns, 13. Jh. v. Chr., Tiryns, Palast, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Originalfragmente aus dem Thronraum von Pylos, die einen Greif und einen Löwen zeigen, werden hier – zum allerersten Mal präsentiert.13. Jh. v. Chr., Pylos, Plast des Nestor, Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Kuratorin Katarina Horst: „Die Ausstellung war jetzt die Gelegenheit, diese Stücke ordentlich zu rekonstruieren und zu konservieren und in einen schönen Rahmen zu setzen, so dass sie für die Zukunft gut aufbewahrt sind.“Funde aus königlichen Tholosgräbern 16.-15. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Die griechischen Partner freuten sich, mangels eigener Gelder, über diese Aufarbeitung, so die Kuratorin. Überhaupt ist die Ausstellung in enger Zusammenarbeit mit den griechischen Museen und Denkmalämtern entstanden.Männerkopf aus Elfenbein, 13. Jh. v. Chr., Mykene, Kultzentrum, Archäologisches Museum Mykene, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Die Schau endet mit der Frage, warum die so hochentwickelte mykenische Kultur nach nur etwa 400 Jahren plötzlich unterging. Ausstellungskuratorin Katarina Horst: „Die Paläste sind praktisch gleichzeitig abgebrannt, um 1200 v. Chr. – wir wissen aber nicht genau, wie es zu diesem Untergang gekommen ist.“Freskofragment mit Darstellung der sogenannten Weißen Göttin aus dem Palast von Pylos, 13. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Waren es interne Machtkämpfe, Aufstände der ausgebeuteten Bevölkerung, Überfälle von Piraten – oder doch ein Erdbeben? Auf Tablets können sich die Besucher die verschiedenen Szenarien erläutern lassen.Originalgetreuer Gipsabguss des Löwentors, Amsterstam, Allard Pierson Universität Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Im letzten Ausstellungsraum können sich Besucher schließlich mit der Frage beschäftigen, was wohl von unserer Kultur überliefert werden wird, falls jemand sie - wie damals Schliemann Mykene - nach etwa 3.000 Jahren ausgraben sollte.Prunkkrone, 16.–15. Jh. v. Chr., Myrsinochori, Routsi, Grabfund, Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Askos-Gefäß in Form eines Vogels, Spätes 12. Jh. v. Chr., Agia Triada, Grabfund, Archäologisches Museum Pyrgos, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Eberzahnhelm aus einem Grab der Kladeos-Nekropole bei Olympia, 14. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Pyrgos Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Objekte der Schachtgräberzeit um 16. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Figur einer Schlange aus Ton, 13. Jh. v. Chr., Mykene, Kultzentrum, Archäologisches Museum Mykene, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Ritualgefäß, 15. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Chora, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Fleischgrill aus Ton, 13. Jh. v. Chr., Mykene, Umkreis des Kultzentrums, Archäologisches Museum Mykene, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Kanne aus einem Kriegergrab, 15. Jh. v. Chr., Archäologisches Museum Volos, Hellenic Ministry of Culture and Sports Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Vitrine mit Geschirr und Ernährung, 13. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Jagdfresko aus Pylos und Geschirr aus Mykene, 13. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Keramiken der Nachpalastzeit, 12. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Mykenische Grabsitten, 13.-12. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen
Idole aus der Palastzeit, 14.-13. Jh. v. Chr. Pressestelle © Badisches Landesmuseum - Foto: Uli Deck Bild in Detailansicht öffnen

Jetzt zeigt das Badische Landesmuseum in Karlsruhe die weltweit größte kulturhistorische Ausstellung über das mykenische Griechenland. Was weiß man heute über die Welt jener mythischen Helden, die Homer in seinen Epen besungen hat? Und warum ging das Reich vor mehr als 3000 Jahren dem Anschein nach urplötzlich unter?

Ausstellung zur Sendung:
"Mykene. Die sagenhafte Welt des Agamemnon", Badisches Landesmuseum Karlsruhe, ab 1.12.2018.

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