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Homeoffice, Homeschooling, Haushalt: Gerade in Krisenzeiten schultern Frauen die Hauptlast der unbezahlten Fürsorgearbeit. Dass sich die Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen im Haushalt weiter zuspitze, liege an tief verankerten Rollenbildern, in denen sich die Frau unterordne, sagt die Soziologin Carolin Wiedemann in SWR2.

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Zum Muttertag werden viele Frauen mit Blumen, Gedichten und Frühstück am Bett bedacht, an allen anderen Tagen versuchen sie verzweifelt, Homeoffice, Homeschooling, Kinderbetreuung und den Rest des Haushalts unter einen Hut zu bekommen. Auch im Jahr 2020 bleibt ein Großteil der Hausarbeit an den Frauen hängen.

Das sei ein Zustand, der sich in der aktuellen Krisensituation noch weiter verschärfe, sagt die Soziologin und Publizistin Carolin Wiedeman. Der „Gender Care Gap“, also der Unterschied im Zeitaufwand, den Männer und Frauen in Fürsorgearbeit und haushälterische Tätigkeiten investieren, läge in normalen Zeiten schon bei 87 Minuten. Ein Wert, der sich seit den 90er Jahren kaum verändert habe.

Ein Versäumnis des Feminismus

Die Ursache dafür seien in der gesellschaftlichen Rollenverteilung zu finden. Bei allen juristischen Erfolgen im Bezug auf Gleichberechtigung habe der Feminismus es versäumt, das vorherrschende Frauenbild in der Gesellschaft zu verändern.

Noch immer werde der Frau die gesellschaftliche Aufgabe zugewiesen, den Bedürfnissen des Mannes zur Verfügung zu stehen – etwa in Bezug auf Fürsorge und Hausarbeit. „Es überschneidet sich auch mit dem Bild der Frau, die sexy und süß zu sein hat, die dem Mann zu gefallen hat.“

„Prinzessin Lilifee zeigt, wie Mädchen sozialisiert werden“

Wie tief verankert diese Geschlechterbilder in der Gesellschaft sind, zeige sich zum Beispiel beim Kinderspielzeug. „Prinzessin Lilifee zeigt, wie Mädchen sozialisiert werden. Prinzessin Lilifee backt am liebsten Kuchen, hat eine Wespentaille und einen roten Kussmund.“

Es gebe zwar eine neu erstarkende Frauenbewegung, doch gerade in Krisenzeiten liege die Hauptlast der Fürsorgearbeit auf den Schultern der Frauen. So sei es umso unrealistischer, die nötigen Ressourcen aufzuwenden, um gegen die ungerechten Rollenbilder zu rebellieren.

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