Modest Fashion Für weniger nackte Haut auf den Laufstegen

Von Ruth Jakoby

Mehr Eleganz durch weniger nackte Haut auf dem Laufsteg: „Modest Fashion“ ist ein Megatrend, von Dubai bis New York. Ursprünglich sollte sich die „bescheidene Mode“ religiös-orthodoxen Bekleidungsregeln anpassen. Inzwischen aber findet das neue Credo gerade auch bei jungen Musliminnen Anklang. Auf Instagram setzen sie mit Modest Fashion selbstbewusste Statements, die so gar nicht den gängigen Kopftuchklischees entsprechen.

Modest Fashion - bescheidene Mode „Weniger ist mehr“ lautet das neue Modecredo

Junge Frauen in schönen Kleidern (Foto: dpa / picture alliance - dpa / picture alliance)
Modest Fashion ist ein Megatrend, von London über Berlin und New York bis Dubai. Ursprünglich entworfen von einer Israelin, die sich den orthodoxen Kleidervorschriften anpassen wollte, fand Modest Fashion schnell Anklang auch bei Muslima, die ebenso die religiösen Bekleidungsregeln respektieren wollten.Im Bild: Models präsentieren die Kollektion des Designers Rasid Bagzibagli während einer Modenschau in Istanbul 2018. dpa / picture alliance - dpa / picture alliance Bild in Detailansicht öffnen
Beifall kommt auch aus Europa und den USA. Von Frauen, die vom extrem freizügigen Chic der letzten Jahre die Nase voll haben. Modest Fashion wird mittlerweile von vielen bekannten Labels angeboten - von Gucci über H&M bis Nike. Die zielen nach wie vor in erster Linie auf die große und kaufkräftige Kundschaft des Nahen und Mittleren Osten.Im Bild: Besucherinnen der Helsinki Fashion Show 2018 posieren für die Kamera. imago / Runway Manhattan - Bild in Detailansicht öffnen
Eine bekannte Modest Fashion-Designerin aus Deutschland ist Meriem Lebdiri. Mit Ende 20 verwirklichte sie ihren Jugendtraum vom eigenen Modelabel: „Mizaan“. „Am Anfang war es total schwierig, denn niemand wollte etwas mit Modest Fashion zu tun haben“, erinnert sie sich.Im Bild: Während der International Modest Fashion Week in Istanbul 2017 werden Models im Backstage auf ihren Lauf vorbereitet. dpa / picture alliance - dpa / picture alliance Bild in Detailansicht öffnen
Die Startschwierigkeiten hat die Designerin Meriem Lebdiri überwunden. Seit einiger Zeit ist sie Lehrbeauftragte für Modest Fashion an der Hochschule Mannheim. Lange Röcke, hochgeschlossene Kleider, weite Hosen – Meriem Lebdiris Kollektionen sind voluminös und elegant. Applaus bekommt sie dafür unter anderem an der Fashion Week in Dubai, wo sie im letzten Winter ihre Mode präsentierte.Models präsentieren eine Kollektion während der Arab Fashion Week in Dubai 2018. imago / Xinhua - imago / Xinhua Bild in Detailansicht öffnen
Hierzulande wird Modest Fashion durchaus zwiespältig betrachtet. Ein häufiges Accessoire der Modest Fashion sind Kopftuch oder Hijab. Der Kurzschleier, der in der deutschen Mehrheitsgesellschaft oft als Symbol der Unterdrückung muslimischer Frauen gesehen wird.Im Bild: Die Modebloggerin Sanah Rashid während der New York Fashion Week 2017. imago / Runway Manhattan - imago / Runway Manhattan Bild in Detailansicht öffnen
Doch Mode ist auch ein Ventil für kulturellen Wandel. An der Uni Freiburg forscht die Kulturanthropologin Fatma Sagir zur Popkultur junger Muslime. Insbesondere interessiert sich Fatma Sagir für die Modest Fashion-Modebloggerinnen und wie diese sich in den sozialen Medien wie Instagram inszenieren.Im Bild: Frauen im Publikum erwarten die Eröffnung der London Modest Fashion Week 2017. imago / ZUMA Press - imago / ZUMA Press Bild in Detailansicht öffnen
„Da wird eine gewisse Coolness dargestellt und das sehr häufig gar nicht „modest“ - also zurückhaltend oder züchtig - sondern der Körper und das weibliche Selbst werden stark in Szene gesetzt“, sagt Fatma Sagir.Im Bild: Model Halima Aden posiert während der Fashion Week in Mailand 2018. imago / Runway Manhattan - imago / Runway Manhattan Bild in Detailansicht öffnen
Statt mit der Familie oder dem sozialen Umfeld über Kleidungsvorschriften zu streiten, legen die jungen Modebloggerinnen einfach los. Mit Hilfe von Modest Fashion zeigen sie sich so, wie sie sein wollen.Im Bild: Die Modebloggerin Meme Biltagi während der New York Fashion Week 2018. dpa / picture alliance - imago / Runway Manhattan Bild in Detailansicht öffnen
„Alle gängigen Vorstellungen, die es zur muslimischen Frau gibt - dass sie zurückhaltend sei, keine kräftigen Farben oder eng anliegende Kleidung trage, sich den Blicken fremder Männer entziehe - diese Frauen tun genau das Gegenteil, obwohl sie, auf den ersten Blick betrachtet, eine islamische Bekleidung tragen", sagt Kulturanthropologin Fatma Sagir.Im Bild: Model präsentiert ein Outfit während der London Modest Fashion Week 2017. dpa / picture alliance - dpa / picture alliance Bild in Detailansicht öffnen
Fakten schaffen durch Körperpraxis, nennt das die Forscherin Fatma Sagir. Mode als Emanzipationsvehikel - es wäre nicht das erste Mal.Im Bild: Model präsentiert ein Outfit während der Fashion Week in Mailand 2018. imago / ZUMA Press - imago / ZUMA Press Bild in Detailansicht öffnen

Anfangs wollte niemand mit „Modest Fashion“ zu tun haben

Modedesignerin Meriem Lebdiri aus dem rheinland-pfälzischen Germersheim betreibt das erfolgreiche Modest Fashion-Label „Mizaan“. Lange Röcke, hochgeschlossene Kleider und weite Schnitte prägen ihre Kollektionen.

„Am Anfang war es total schwierig“, erinnert sich Lebdiri. „Niemand wollte etwas mit Modest Fashion zu tun haben. Das kannte man in Deutschland nicht.“

Der Hijab - kein Zeichen der Unterdrückung

Hierzulande wird Modest Fashion noch immer mit Argwohn betrachtet. Beliebtes Accessoire bei Modest Fashion ist der Kurzschleier, Hijab. Er wird oft als Symbol der Unterdrückung muslimischer Frauen gesehen.

Modest Fashion als globaler Trend

asdfModest-Fashion verbreitet sich über Instagram

Dabei sei Mode immer auch ein Ausdruck für kulturellen Wandel, findet die Kulturanthropologin Fatma Sagir. Sie forscht an der Uni Freiburg zur Popkultur junger Muslime. Muslimische Influencerinnen, die Modest Fashion auf Instagram bewerben, träten nicht züchtig oder bescheiden auf, sondern cool und selbstbestimmt.

„Die gängigen Vorstellungen zur muslimischen Frau - dass sie zurückhaltend sei, keine kräftigen Farben oder eng anliegende Kleidung trage, sich den Blicken fremder Männer entziehe - werden von ihnen widerlegt“, ist Fatma Sagir überzeugt. „Und das, obwohl sie, auf den ersten Blick betrachtet, eine islamische Bekleidung tragen.“

Neuer Modetrend als Zeichen der Emanzipation

Statt mit der Familie oder dem sozialen Umfeld über Kleidungsvorschriften zu streiten, legten die jungen Modebloggerinnen einfach los. Mit Hilfe von Modest Fashion zeigten sie sich so, wie sie sein wollten. Mode als Emanzipationsvehikel - es wäre nicht das erste Mal.

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