Gespräch

Was hat die Anthroposophie mit der großen Impfskepsis in Baden-Württemberg zu tun?

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INTERVIEW
Wilm Hüffer

Der Journalist Dietrich Krauß sieht einen Zusammenhang zwischen überdurchschnittlicher Impfskepsis und der starken Verwurzelung der Anthroposophie in Baden-Württemberg. „Die Anthroposophie ist eine okkulte Lehre aus der Jahrhundertwende. Krankheiten haben in dieser Weltsicht eine höhere Bedeutung und einen Sinn“, so Dietrich Krauß im SWR2 Gespräch. Solche Gedanken würden dabei eine Rolle spielen, dass Baden-Württemberg unter der Impfquote liege.

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Sechs von neun anthroposophischen Kliniken sind in Baden-Württemberg beheimatet, in Stuttgart gab es die ersten anthroposophischen und homöopathischen Krankenhäuser, die Anthroposophie ist in Baden-Württemberg besonders stark vertreten, stellt Krauß fest.

Krankheiten haben nach Rudolf Steiner eine höhere Bedeutung

Rudolf Steiner, der sich selbst als Hellseher betrachtet habe, behauptete, die Gesetzmäßigkeiten der Welt durchschaut zu haben, und das beträfe auch Krankheiten. Der Mensch sei ein wiedergeborenes Wesen, das sich immer weiterentwickele in jeder Reinkarnation, und Krankheiten hätten in dieser Weltsicht im Grunde einen Sinn, eine höhere Bedeutung, seien zum Beispiel ein Ausgleich für Fehlverhalten im letzten Leben. Da gäbe es richtige Listen, wo gesagt würde, wer im vorigen Leben zu selten musiziert habe, leide jetzt unter Asthma, wer zu wenig Interesse an Sternen gehabt habe, der bekomme Bindegewebsschwäche — solche absurden Zusammenhänge würden dort gestiftet, so Krauß.

Impfung könne „taub machen“ für „karmische Botschaft“

Und dieser okkulte Blick auf die Wirklichkeit wirke sich eben auch auf den Blick auf die Infektionskrankheit aus. Die hätten nach der Lehre im Grunde eine Botschaft aus der geistigen Welt, und eine Impfung könnte dazu führen, dass man taub würde für die karmische Botschaft, habe zum Beispiel Steiner geschrieben.

Impfquote auch bei Masern in Waldorfschulen geringer

Auch die Impfquote bei Masern sei in Waldorfschulen deutlich geringer als in normalen staatlichen Schulen, weil eben die Anthroposoph*innen davon ausgingen, die Kinder bräuchten das Maß an Fieber, um sich quasi in ihrem neuen Körper, wo sie dann inkarniert würden, richtig einzurichten.

Dietrich Krauß ist Autor des Artikels „Impfgegner und Waldorf. Wir können alles außer impfen“ in dem Sammelband „Fehlender Mindestabstand. Die Coronakrise und die Netzwerke der Demokratiefeinde“ aus dem Herder-Verlag den er zur Zeit auf einer Leserreise mit Herausgeber Matthias Meisner vorstellt. Außerdem hat er bereits im Juli 2020 in der Wochenzeitung Kontext den Artikel „Wir können alles außer impfen“ zu dem Thema verfasst.

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