Gespräch

Migrationsforscher Wolfgang Kaschuba – „Migration ist die Mutter der Gesellschaft“

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Bei Fragen von Migration und Einwanderung betreibt die deutsche Politik immer noch Realitätsverweigerung, sagt Wolfgang Kaschuba, lange Jahre Leiter des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung.

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Dabei spiele es immer noch eine Rolle, dass die deutsche Gesellschaft lange nicht akzeptieren wollte, dass sie seit Jahrhunderten ein Einwanderungsland ist. Der Satz von Innenminister Seehofer – Migration sei die Mutter aller unserer Probleme – sei vollkommen falsch, so Wolfgang Kaschuba. „Migration ist die Mutter von Gesellschaft“.

Das zeige auch die moderne Geschichte der deutschen Städte, die alle nur durch Migration entstanden seien und von Migration leben. Deshalb sei es auch kein Zufall, dass sehr viele deutsche Kommunen jetzt im Moment anbieten, Flüchtlinge aus Afghanistan aufzunehmen. Nicht nur aus humanitären Gründen, sondern weil sie wüssten, dass die Städte jünger werden müssen.

Im Fall von Afghanistan habe die Politik eine große Chance vertan, Tausende von Flüchtlingen, „die ihr Leben Schützen müssen, auf humanitärer Ebene zu retten und gleichzeitig unter diesen Tausenden so viele, die Deutsch oder Englisch können und hochqualifiziert sind, als Zuwanderer zu bekommen.“ Das wäre eine humanitäre Geste gewesen und gleichzeitig eine, die gut ist für den Arbeitsmarkt in Deutschland, sagt Wolfgang Kaschuba.

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