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„Bei Gewalttaten ist es wichtig, dass auch Täter*innen sprachlich abgebildet werden und der Fokus nicht nur auf den Betroffenen liegt“, sagt Journalistin Sibel Schick. Nur so könnten die hinter der Gewalt — insbesondere männlichen Gewalt — liegenden gesellschaftlichen Strukturen und Missstände eingeordnet werden.

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#MeToo betrifft Frauen und Männer

In Deutschland sorgen zwei Fälle für ein Wiederaufflackern der #MeToo-Debatte über sexuelle Gewalt gegen Frauen: ein Interview mit Schauspielerin Senta Berger, die von verschiedenen Übergriffen im Laufe ihrer Karriere berichtete und Vorwürfe gegen Comedian Luke Mockridge, übergriffig gegen seine Ex-Partnerin, Podcasterin Ines Anioli, geworden zu sein.

Es sei ein Teil des Problems, erklärt Sibel Schick, dass diese gesellschaftlichen Missstände zur Zeit „allein von den Betroffenen thematisiert werden“ — auch Männer sollten sich im Idealfall mit Bewegungen wie #MeToo solidarisch erklären.

Betroffene werden in die Verantwortung genommen

Häufig werde nämlich die Verantwortung für die Gewalterfahrung bei den Betroffenen abgeladen, so die Journalistin. „Es ist für Betroffene ohnehin schwierig über Gewalt zu sprechen“, auch mit vertrauten Personen, sagt Schick — wenn aber die erste Reaktion Verharmlosung oder Täterschutz sei, hebe das die Hemmschwelle noch mehr.

Die „erlebte Realität“ der Betroffenen werde infrage gestellt, was soweit gehen könne, dass man ihnen die Zurechnungsfähigkeit abspräche — sogenanntes „Gaslighting“, kritisiert die Journalistin.

Hallo Twitter, #KonsequenzenFuerLuke und Unschuldsvermutung schließen sich NICHT aus. "Konsequenzen" heißt nicht, dass Luke ohne Verfahren zu Guillotine gebracht werden soll, sondern bedeutet: Nehmt die Schilderungen ernst und geht ihnen schnellstmöglich nach. #MeToo

Gesellschaft muss Übergriffe ächten

Bei der Entwicklung von Präventionsmaßnahmen sei es wichtig zu berücksichtigen, dass es in erster Linie um Gewalt gehe, die von Cis-Männern ausgeübt werde, erklärt Schick. Deshalb müsse die Forderung zuerst lauten, dass diese keine Gewalt ausüben sollten.

„Gewalt — unabhängig davon, wer sie ausübt — muss gesellschaftlich geächtet und juristisch angemessen sanktioniert werden“, fordert Sibel Schick.

Buchkritik Spannend wie ein Krimi: „Metoo - von der ersten Enthüllung zur globalen Bewegung“

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Forum | 100 Jahre Weltfrauentag "Frauenversteher" – Können Männer Feminismus?

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Das Buch „Das Deutsche als Männersprache“ gilt als ein Meilenstein der feministischen Linguistik. Heute gilt: „Das Maskulinum ist nicht mehr das, was es einmal war.“  mehr...

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