Gespräch

Memorial-Gründerin Irina Scherbakowa: „Friedensnobelpreis ist eine Bestätigung“

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Philine Sauvageot

„Das was heute absolut notwendig ist, ist Solidarität gegen diesen schrecklichen Angriffskrieg. Und dieser Preis ist ein Zeichen dieser Solidarität“, sagt Irina Scherbakowa, die Gründerin der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, die am Freitag mit dem Friedensnobelpreis 2022 bedacht wurde.

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Eine Ehre und Bestätigung

Dieser Preis, sagt die Germanistin und Kulturwissenschaftlerin, sei eine große Ehre. Er sei aber auch eine Bestätigung, dass die Arbeit ihrer Organisation, die sich für die Achtung der Menschenrechte und die historische Aufarbeitung politischer Gewaltherrschaft einsetzt, nützlich ist.

„Es hat einen Sinn weiterzumachen“, so Scherbakowa. Gerade der historische Teil ihrer Arbeit sei auch eine Mahnung: „Weil wir längst gewarnt haben, dass die Geschichtspolitik, die betrieben wird, diesen Krieg untermauert, also der Nationalismus und Hass gegen den Westen.“

Am 24. Februar 2022 begann die russische Invasion in der Ukraine. „Es ist unbedingt notwendig, dass die Ukraine diesen Krieg gewinnt“, erklärt Scherbakowa. Und die Friedensbemühungen? „Russland kann ja doch nicht von dem Erdball verschwinden. Man wird sehr viel Arbeit brauchen, um die Gesellschaft aus dieser moralischen gesellschaftlichen und politischen Katastrophe herauszuholen.“

Historikerin und Memorial-Gründungsmitglied Irina Scherbakowa im Jahr 2013 zu Gast bei SWR2 Zeitgenossen:

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Nobelpreis 2022 Friedensnobelpreis 2022 geht an Memorial, Center for Civil Liberties und Ales Bialiatski

Vorkämpfer für die Menschenrechte in Belarus, Russland und der Ukraine erhalten den Friedensnobelpreis 2022. Er geht an die russische Organisation Memorial mit Gründungsmitglied Irina Scherbakowa, die ukrainische Menschenrechtsorganisation Center for Civil Liberties und Ales Bialiatski aus Belarus. Das teilte das norwegische Nobelkomitee in Oslo mit.

Memorial-Deutschland zum Friedensnobelpreis: Es lenkt die Aufmerksamkeit auf unsere Probleme

Die deutsche Sektion der Menschenrechtsorganisation Memorial hat sich erfreut - und auch ein wenig überrascht - über die Verleihung des Friedensnobelpreises gezeigt. Man habe in früheren Jahren eher damit gerechnet, sagte Memorial-Vorstandsmitglied Vera Ammer im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Florian Zelt. Dass man den Preis jetzt zusammen mit dem weißrussischen Anwalt Bjaljazki und dem russischen Center for Civil Liberties bekomme, halte sie für sehr gelungene Kombination. Warum dies genau das richtige Signal sei und was sich Memorial von der Würdigung verspricht, hören Sie ebenfalls im Audio.

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Philine Sauvageot