Sommerserie: On the Road

Fotograf und Regisseur Martin Häusler: Von den Backstreet Boys zu Corporate Designs

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AUTOR/IN
Julian Burmeister

Eigentlich wollte Martin Häusler aus Heidelberg ja Rockstar werden, damals Anfang der 90er. Dafür hatte er alles in die Waagschale geworfen, selbst die Layouts für die Platten entworfen, eigene Bandfotos geschossen und Musikvideos gedreht. Bis er gemerkt hat, dass Fotografieren eigentlich auch Spaß macht. Ein Mann, der in Kalifornien sein Glück gefunden und es wieder aufgegeben hat.

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Aus einem Video für die eigene Band wurde eine Karriere

Martin Häusler sitzt entspannt vor einem doppelten Espresso im Garten des Café Lindbergh neben dem Mannheimer Flughafen. Später wird hier der Bundeskanzler mit dem Helikopter eintreffen, um in einer Arena um die Ecke das 50jährige Jubiläum eines Softwarekonzerns zu feiern, wie auch der Ministerpräsident und viele andere Promis.

Ein normaler Arbeitstag für Häusler, er hat mit seinem Team die visuellen Effekte der Stadionshow entworfen. Dabei hatte er ganz früher nur mal einen Clip für seine Band Overdose Kids drehen wollen: „Komplett dilettantisch damals, ich hab mir eine uralte 16mm Filmkamera gekauft und damit ging das ganze los.“ 

Anfang der 2000er wagte Häusler den Sprung nach Kalifornien

Der Film lief und schon bald meldete sich eine andere Band bei ihm. Und noch eine. Und noch eine: „Professionell wurde das Ganze Mitte der 90er, ich hatte über einen Freund aus München einen Manager kennengelernt und der wollte, das ich seine neue Boyband filme. Und eigentlich wollte ich das gar nicht machen, aber mein Freund hat gesagt, doch mach das mal und das wurden dann die Backstreet Boys.“ 

Und so machte sich Martin Häusler bei den großen Agenturen und Labels einen Namen und wagte dann Anfang der 2000er den Sprung nach Kalifornien. Um dort dann viele seiner Helden von früher zu treffen, wie Meat Loaf, Tito & Tarantula und viele andere.

Warum Britney Spears das Equipment für Lemmy Kilmister bezahlte

Bis dann sogar Britney Spears Fotos wollte:

„Wir hatten ein Fotoset gebaut für eine Werbekampagne, ich fands super, wir waren eine Woche lang gebucht und haben eigentlich nur auf Britney gewartet. Und direkt danach hatte ich ein Fotoshoot mit Lemmy von Motörhead.“ 

Nicht nur ein musikalisches Kontrastprogramm, denn Lemmy nahm Martin und sein Team erstmal mit in seine Lieblingsbar, um ordentlich einen zu heben: „Und ich glaub abends um sechs haben wir mal den Van ausgeladen und das Equipment geholt und haben dann wirklich bis nachts um eins fotografiert. Das wurden mit die schönsten Fotos die ich von Lemmy hatte. Aber das Beste war: Das Equipment hat Britney bezahlt, weil der Van und die Ausrüstung noch auf ihre Produktion liefen.“ 

2015 geht Häusler den Schritt ins Showdesign

Nach Jahren mit internationalen Stars klopfte dann 2015 plötzlich Rufus Beck bei ihm an. Der war nämlich gerade dabei, Peter Maffays Tournee zu planen und wollte Martin Häusler für das Design und die Einspielfilme nach Deutschland zurückholen. 

„Ich hab mich dann mit Rufus Beck lange hingesetzt und mich mit ihm unterhalten, der kreative Draht hat gestimmt und deswegen haben wir das gemacht. Und heute bin ich sehr froh darum, weil das war die erste Show wo ich im Showdesign tätig war und kurze Zeit später kam schon die nächste Anfrage: Hallo – hier: Scorpions – Welttournee!“ 

Die Corona-Pandemie lässt Häusler die Firma komplett neu ausrichten

Viele Gründe sprachen für Martin Häusler danach für eine Rückkehr nach Deutschland. Hier wiederholte sich für ihn dann mit der Corona-Pandemie das Trauma, dass er schon am elften September 2001 erlebt hatte. Auch damals ging es seiner Firma gut und er war auf lange Zeit ausgebucht, bis auf plötzlich ein Ereignis von außen – in diesem Fall ein Anschlag, die Geschäftswelt erschütterte.   

„Und auf einmal war alles weg. Und damals hab ich gedacht, das sitze ich aus, hab ein Jahr lang gewartet und alle Leute weiterbezahlt aber es kam nicht wieder, das Geschäft. Daran hab ich mich erinnert.“ Also beschließt Martin Häusler seine Firma komplett neu auszurichten – auf Firmenevents und Corporate Designs. 

„Und dann haben wir komplett den Schalter umgelegt innerhalb von 3-4 Monaten, ende 2020 ging das Ganze los und hatten dann 2021 schon so viele Anfragen, das wir nur die Hälfte davon machen konnten und zum Glück ging es jetzt auch so weiter!“ 

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