STAND
INTERVIEW

Es habe keinen Sinn mehr, den Anfängen wehren zu wollen, sagt die Publizistin Marina Weisband in SWR2, mit Blick auf ihre Rede im Deutschen Bundestag zum Holocaust-Gedenktag. Man sei in Deutschland nicht mehr „in den Anfängen, sondern in einem stetigen Prozess“. 20 bis 25 Prozent in der Gesellschaft hätten latent antisemitische Einstellungen. Wenn Menschen Komplexität nicht aushielten und sich unbedingt Feinde suchen müssten, so Weisband, „warum finden sie sie so oft bei uns Juden?“

Audio herunterladen (6,5 MB | MP3)

Es gebe in Deutschland zwei verschiedene Gedenkkulturen: eine deutsche und eine jüdisch-deutsche. Entscheidend dabei sei, so Weisband: „Sind die anwesenden Jüd*innen nur Dekoration, sind sie ,Props‘, oder hört man ihnen zu, gibt man ihnen eine Stimme, auch das zu sagen, was vielleicht nicht ins normale Protokoll passt“.

Die deutsche Gedenkkultur sei wichtig, müsse aber dazu dienen, Jüdinnen und Juden in Deutschland, Opfern der nationalsozialistischen Verbrechen und Minderheiten wirklich Raum zu geben. Sie selbst habe ihre Rede für den Deutschen Bundestag völlig frei gestalten können. Solange den Opfern des Holocaust zugehört werde, so Weisband, sei dies ein „gutes und sehr wichtiges Gedenken“.

Geschichte Holocaust-Gedenktag 2021: Erstarken des Antisemitismus verhindern

Holocaust, Schoah, Porajmos: Der grausamen Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten fielen vor allem Juden und Jüdinnen, Sinti*ze und Rom*nja, Menschen mit Behinderungen und psychisch Kranke zum Opfer. Andere Bevölkerungsgruppen wie Homosexuelle, Zeugen Jehovahs und sogenannte Asoziale und Berufsverbrecher wurden ebenfalls systematisch verfolgt, gequält und ermordet. Ihrer und aller anderen Opfer der Nationalsozialisten – darunter auch politische Gefangene, Zwangsarbeiter*innen und Widerstandskämpfer*innen – wird seit 1996 am 27. Januar in Deutschland gedacht. Der Tag markiert die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee 1945 und ist seit 2005 auch weltweit Gedenktag der Opfer des Holocaust. 2021 steht er in Deutschland außerdem im Kontext des Festjahres „1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.  mehr...

Forum Im Bann der Tweets - Wer reguliert die Macht sozialer Medien?

Michael Risel diskutiert mit
Prof. Dr. Bernhard Pörksen, Medienwissenschaftler
Marina Weisband, D64 - Zentrum für Digitalen Fortschritt
Dr. Hendrik Wieduwilt, Digitalexperte  mehr...

SWR2 Forum SWR2

STAND
INTERVIEW