Drei Frauen mit Regenschirm gehen bei Regen in der Stadt spazieren. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)

SWR2 Wissen Lob des Flanierens

Von Ulrich Rüdenauer

Dauer

Geschwindigkeit ist das Gebot der Stunde. Möglichst schnell wollen wir uns von Ort zu Ort bewegen. Dem entgegen steht das Konzept des Flanierens: Es bedeutet Verlangsamung und Beobachtung; zweckfreies Gehen, umspült von der Eile der anderen - und eine besondere Lektüre der Stadt.

Im Paris des 19. Jahrhunderts, schrieb Walter Benjamin, gehörte es "zum guten Ton, Schildkröten in den Passagen spazieren zu führen. Der Flaneur ließ sich gern sein Tempo von ihnen vorschreiben."

Einst gehörte das Flanieren zum urbanen Leben. Heute hetzen Menschen mit Smartphone und Kopfhörern durch die Stadt, erkunden selbst als Touristen fremde Orte im Sauseschritt. Ist das Flanieren ein altmodisches Projekt - oder sollten wir es wieder kultivieren, als stillen Protest gegen eine hypernervöse Gegenwart?

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