Presselandschaft

Papierpreise und Digitalisierung: Presseverleger sehen Verlage in existentieller Gefahr

STAND
Zeitschriften liegen in Regalen in einer Lotto-Annahmestelle. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto:  Rolf Vennenbernd)
Bedrohte Vielfalt: dramatisch steigende Energie- und Papierpreise verteuern die Produktion der gedruckten Medien. Foto: Rolf Vennenbernd

Jeder dritte Pressetitel am deutschen Markt ist gefährdet, so Philipp Welte, der Vizepräsident des Medienverbandes der freien Presse (vormals VDZ). „Viele Verlage wissen bis heute nicht, auf welchem Papier sie im dritten oder vierten Quartal ihre Zeitschriften drucken sollen“, so der Medienmanager beim European Publishing Congress am 20. Juni in Wien. Doch nicht alleine die Produktion ihre Zeitschriften macht den Verlegern derzeit Sorgen. Der Rückgang der Werbeeinnahmen als Folge der Digitalisierung führe ebenfalls zu der aktuellen Unsicherheit.

Werbeerlöse landen zunehmend bei Onlineplattformen

Deutsche Medien leiden demnach massiv unter der Marktmacht US-amerikanischer Technologieplattformen wie Google, Amazon und Facebook. Nach Branchenangaben werden sie in diesem Jahr auf dem deutschen Markt über 8,8 Milliarden Euro Werbeeinnahmen erzielen, was einem Marktanteil von 35,9 Prozent entspricht.

„Wir haben es zu tun mit einer bisher nie dagewesenen Kombination von strukturellen Veränderungen und massiven aktuellen Bedrohungen. Und im Ergebnis mit einer erschreckenden Erkenntnis: Die einzigartige Vielfalt der freien, journalistischen Medien, die die Verlage in Europa geschaffen haben, ist ökonomisch substanziell bedroht.

Gegen den Trend: Verlagsgruppe der "Zeit" wächst

Beim European Publishing Congress gab es aber auch positive Beispiele, die zeigten, wie digitale Angebote neue Leser*innen erreichen. Unter anderem präsentierte in Wien die "Zeit"-Gruppe die Ergebnisse ihrer Digital-Strategie. Demnach konnte die Verlagsgruppe bei den Digitalabos im Jahresvergleich um 43 Prozent zulegen.

Buchmarkt Mangelware Papier: Den Verlagen geht der Rohstoff für Bücher aus

Die weltweite Knappheit von Holz und andere Folgen der Corona-Krise wirken sich auch auf den Buchmarkt aus: Papier für Drucksachen aller Art wird immer teurer und immer knapper. Noch können die Verlage die Krise meistern - aber niemand weiß, wie lange noch.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Zeitwort 17.12.1892: In New York erscheint die erste Ausgabe der Vogue

Fashion ist Vogue: Seit 127 Jahren setzt die Königin der Mode-Zeitschriften Trends. Inzwischen gibt es die Vogue in mehr als 20 Ländern.  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

Gespräch Reporter ohne Grenzen listet Viktor Orbán als ,,Feind der Pressefreiheit"

Die Journalistenorganisation ,,Reporter ohne Grenzen" hat Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orbán als ersten EU-Regierungschef auf die Liste der ,,Feinde und Feindinnen der Pressefreiheit" gesetzt. Im Gespräch mit SWR2 bezeichnet Christian Mihr, Geschäftsführer von ,,Reporter ohne Grenzen", dies als Reaktion auf unwirksame Sanktionen gegen Orbán: ,,Da ist leider viel zu wenig passiert - und das soll ein Warnschuss sein."
Zwar sei Ungarn in punkto Pressefreiheit noch nicht am Ende. Es gebe weiterhin mutige Journalistinnen und Journalisten, die sich dem Abbau entgegen stemmen. Diese wollen man unterstützen, denn - so Mihr wörtlich: ,,Das sind oft nicht Massenmedien; die Massenmedien stehen unter der Kontrolle der Regierung."
Die Unentschlossenheit habe den ungarischen Premier in seinem Kurs nur bestärkt, kritisiert Mihr die EU und ihre Mitgliedsstaaten. Andere Regierungen in Osteuropa, zum Beispiel in Bulgarien und in Slowenien ,,inspiriere" das inzwischen, sich ähnlich zu verhalten. Allerdings sei die Entwicklung in Ungarn besonders krass. Mihr: ,,Man kann schon sagen, dass die Entwicklung in Ungarn bezüglich des Tempos und der Systematik besonders stark ist."
Das Rezept von Orbán sei es gewesen, als erstes die Regeln für die Medienkonzentration zu lockern, dann alle öffentlichrechtlichen Medien unter einer Holding zu konzentrieren. Als drittes habe man dann alle regionalen Medien in Privateigentum in einer Holding zusammengefasst - und schließlich Gesetze erlassen, die die Berichterstattung einschränken.
Auf die Frage, was man mit dem Schritt, Orbán auf die weltweite Liste der Pressefeinde zu setzen, bewirken will, sagt Mihr: ,,Reporter ohne Grenzen ist natürlich eine Organisation, die Druck aufbauen will." Es sei klar, dass der Rechtsstaatsmechanismus in der EU, mit dem Staaten bestraft werden können, nicht stark genug sei. Deshalb müsse sich die EU andere Mechanismen überlegen. Mihr schlägt vor: ,,Wir müssen schauen, wie wir Subventionen für Ungarn z.B. stärker an die Rechtsstaatlichkeit koppeln." Schließlich profitiere Ungarn sehr stark von den Subventionen der EU - für Unternehmer, die neben den Medien auch in anderen Wirtschaftsbereichen investieren, sei das schmerzhaft. Mihr gibt zu bedenken: ,,Das ein schwieriger Weg, aber es ist nicht, dass es dazu keine Vorschläge gäbe."
Christian Mihr leitet seit 2012 als Geschäftsführer "Reporter ohne Grenzen" in Deutschland. Er ist Journalist, Menschenrechtsaktivist und Experte für internationale Medienpolitik.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Medien Journalist Martin Kaul zur Einflussnahme von Verlegern im Fall Julian Reichelt: „Die Pressefreiheit muss verteidigt werden“

„Nicht die Rückendeckung vom Verleger zu haben, ist das Schlimmste, was passieren kann“, sagt WDR- Investigativ-Journalist Martin Kaul im Interview mit SWR2. „Bei Lokalredaktionen wissen wir, dass die Pressfreiheit in ganz kleinen Fällen oft viel schwieriger für Journalistinnen und Journalisten zu verteidigen ist, wenn es z.B. um den Bürgermeister oder den lokalen Bau-Matador geht“, mahnt er weiter. Pressefreiheit müsse verteidigt werden, auch oft im Inneren eines Medienunternehmen, so Kaul, der auch Vorstandsmitglied bei Reporter ohne Grenzen ist.
Die Debatte wurde losgetreten durch einen Artikel in der New York Times vom 17. Oktober über den mutmaßlichen Machtmissbrauch von Bild-Chef Julian Reichelt. Im Zuge dessen war bekannt geworden, dass Verleger Dirk Ippen, dem in Deutschland unter anderem das ehemalige Buzzfeed-Team (jetzt: Ippen Investigativ) gehört, der Redaktion untersagt hatte, eine Recherche zu diesem Thema zu veröffentlichen. Die beteiligten Journalist*innen hatten sich über diesen Eingriff beschwert. Teile der Recherche wurden nun beim „Spiegel“ veröffentlicht.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

STAND
AUTOR/IN