Faschismusforschung

Kritische „Mein Kampf“-Ausgabe jetzt frei im Internet verfügbar

STAND
Drei Ausgaben von Adolf Hitlers "Mein Kampf", eine Jubiläumsausgabe zu Hitlers Geburtstag aus dem Jahr 1939 (l-r), die Erstausgabe von 1925 und eine Taschenbuchausgabe von 1933 sind am 03.12.2015 in den Räumen vom Institut für Zeitgeschichte in München (Bayern) zu sehen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, SWR, Matthias Balk)
Mit der kommentierten Ausgabe will das IfZ „der ungefilterten Verbreitung von Hitlers Propaganda entgegenwirken und den über die Jahre entstandenen Mythos um „Mein Kampf“ nachhaltig dekonstruieren." Matthias Balk

Die kritische „Mein Kampf“-Ausgabe des Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) ist ab sofort auch kostenlos im Internet verfügbar. Die nach jahrelanger Arbeit im Jahr 2016 veröffentlichte, kommentierte Edition von Adolf Hitlers Hetzschrift könne nun online komplett gelesen werden, teilte das Institut mit Sitz in München am 28. Juli mit. Nach deren Erscheinen sei „vielfach der Wunsch geäußert" worden, sie auch im Internet zugänglich zu machen.

 „Über den kostenfreien Zugang im Internet stellen wir unsere Edition für alle zur Verfügung. Damit setzen wir gerade den seit langem im Netz kursierenden ‚Mein Kampf'-Versionen aus häufig sehr zweifelhaften Quellen einen seriösen, wissenschaftlich fundierten Referenzpunkt entgegen und leisten damit politisch-historische Aufklärung im besten Sinne.“

Gegen das Projekt der kritischen Ausgabe hatte es vor Veröffentlichung der gedruckten Version Widerstand unter anderem von Charlotte Knobloch gegeben, der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Der Lehrerverband und die damalige Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hatten dagegen vorgeschlagen, Auszüge aus der Edition im Unterricht zu lesen. Nach der Veröffentlichung schaffte es das Buch auf Platz eins der „Spiegel"-Bestsellerliste.

SWR2 Zeitgenossen Christian Hartmann, Historiker und Leiter des kritischen "Mein Kampf"-Editionsteams

Bis Ende 2015 leitete Christian Hartmann das Team, das Hitlers Pamphlet "Mein Kampf" wissenschaftlich untersuchte. Im Gespräch erzählt Hartmann unter anderem, wie er versucht, bei seiner wissenschaftlichen Beschäftigung das innere Gleichgewicht zu wahren.  mehr...

Radioreport Recht Das NS-Erbe des Bundesverfassungsgerichts

Als Verfassungsrichterin setzte sie sich stark für die Rechte der Frauen ein. Sie hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung vom Gesetzgeber auch umgesetzt wurde: Die Rede ist von Wiltraut Rupp-von Brünneck, nach Erna Scheffler die zweite Frau am Bundesverfassungsgericht. Nun kam heraus: Während der NS-Zeit hatte sie als Studentin und Beamtin im Reichsjustizministerium weite Teile der nationalsozialistischen Ideologie verinnerlicht und vertreten. Herausgefunden hat das Fabian Michl, Rechtsprofessor an der Universität Leipzig, der ein Buch über sie geschrieben hat. Mit ihm sprechen wir über seine Forschungsergebnisse. Mit dabei ist auch die Historikerin Eva Balz vom Institut für Zeitgeschichte München. Das Institut wurde Anfang 2020 vom Bundesverfassungsgericht damit beauftragt, die Biografien der ersten Richtergeneration zu untersuchen, mit besonderem Fokus auf die Zeit des Nationalsozialismus. Die Zwischenergebnisse zeigen: Es gab mehr Verflechtungen mit der NS-Zeit als bislang bekannt.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
SWR