Alte Bäume

Klimawandel macht historische Gärten und Parks zu „Sorgenkindern“

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Allee mit Zierkirschen im Schlosspark Schwetzingen (Foto: IMAGO, blickwinkel)
Die Allee mit alten Zierkirschen im Schlosspark Schwetzingen: „Wenn man jetzt einen großen Baum verliert, ist das, als ob man aus einem Gemälde einen Teil herausschneidet", erklärte Hörrmann. blickwinkel

Der Klimawandel macht sich nach Angaben eines Experten auch an den historischen Gärten von Schlössern und Burgen bemerkbar. „Die sind unsere Sorgenkinder“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Schlösservereins, Michael Hörrmann, der Deutschen Presse-Agentur in Heidelberg. Es gebe bundesweit etwa 150 historische Gärten. Als mögliche Folgen der Erderwärmung für diese nannte Hörrmann, dass Bäume unter Wassermangel leiden und dadurch anfälliger für Schädlinge werden.
Frühere Blütezeiten bergen ein höheres Risiko von Frostschäden, wie er anlässlich einer Tagung von Vertretern staatlicher, kommunaler und privater Schlösser am 28. September erläuterte.

Künftig Bäume aus anderen Klimazonen

Der Verlust alter Bäume sei besonders tragisch: Die Gartenkünstler vergangener Zeiten haben, so Hörrmann, den Baumbestand nach prägenden Kriterien wie Färbung, Wuchs und Krone komponiert. Um das zu verhindern, werden Nachfolger entweder aus Samen heimischer Bäume oder aus Setzlingen aus Ländern gezüchtet, deren Bäume an Trockenheit und Kälte besser gewöhnt sind. So werden etwa im Schwetzinger Schlosspark Eichen aus Polen und den Pyrenäen aufgezogen.

Historische Gärten sind im Klimawandel Oper und Täter

Die Schlösser selbst tragen nach Hörrmanns Worten mit ihrer großen Anziehungskraft auch zu Klimaveränderungen bei: „Wir sind nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern auch Täter.“ Besucher kämen mit Autos und Bussen und vergrößerten den CO2-Ausstoß. Hörrmann, der auch Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg ist, hofft, dass Internetangebote den Verkehr reduzieren können, allerdings nicht gratis. Denn die Einnahmen durch Besucher tragen wesentlich zur Finanzierung der Kulturdenkmäler bei.

Gespräch Historische Parks und Gärten im Klimawandel - vor allem die alten Bäume leiden

Sinkende Wasserstände und Höchsttemperaturen – die historischen Parks und Gärten leiden unter der Trockenheit des Hitzesommers. Jedoch ist auch plötzlicher Starkregen ein großes Problem, der ausgetrocknete Boden kann die Wassermassen nicht aufnehmen, Wurzeln werden zum Beispiel freigespült. „Es gibt keinen Park, der nicht geschädigt ist“, sagt der Geschäftsleiter der Staatlichen Schlösser und Gärten. Besonders der Altbaumbestand sei stark in Mitleidenschaft gezogen, so Hörrmann, dabei sei er für den kulturgeschichtlichen Hintergrund und den Denkmalwert der Gärten besonders wichtig. Im Schwetzinger Schlosspark wurde sogar der Klimanotstand ausgerufen. Hörrmann ist davon überzeugt „Die Bäume leiden unter extremen Trockenstress, wenn wir jetzt nicht massiv gegensteuern, wird es in zehn bis zwanzig Jahren den Park in seiner jetzigen Form als Parkkunstwerk nicht mehr geben.“  mehr...

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Klimawandelgehölze Diese Bäume und Sträucher trotzen Hitze und Trockenheit

Bur-Eiche, Ulmen aus Sibirien, Scheinzypresse - es gibt Pflanzen für den Garten, die mit dem Klimawandel gut zurechtkommen. Gartenbaumeister Lars Kasper aus Unlingen weiß, worauf es bei den sogenannten Klimawandelgehölzen ankommt.  mehr...

Landesschau Baden-Württemberg SWR Fernsehen BW

Interview mit Gartenkonservator Europäischer Tag der Parke: Wie retten wir die Bäume?

Parks sind essenzielle Bestandteile von Städten: sie regulieren das Klima, bieten Erholung und dienen als Sportstätte. Doch wie viel ein Park für eine Stadt tun kann, hängt maßgeblich von seinen Bäumen ab. Und denen geht es nicht gut: Die immer heißeren und trockeneren Sommer machen ihnen zu schaffen. Das betrifft auch die großen Parkanlagen im Südwesten, zum Beispiel den Schwetzinger Schlosspark, eine Gartenanlage aus dem 18. Jahrhundert. Dort kümmert sich Hartmut Troll um die Bäume - er ist Gartenkonservator für die großen Schlossanlagen in Baden-Württemberg. Was die Bäume dort am meisten gefährdet - und wie man ihnen helfen kann - verrät er im Interview mit SWR Aktuell-Moderator Florian Rudolph.  mehr...

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