Deutscher Adel

Keine weiteren Gespräche mehr: Aus für außergerichtliche Einigung im Hohenzollern-Streit

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Georg Friedrich von Preußen auf seiner ehemalingen Burg Rheinfels (Foto: IMAGO, Fotograf: Thomas Frey)
Hier hat Georg Friedrich von Preußen, Chef des Hauses Hohenzollern, seine Besitzansprüche nach einem Vergleich aufgegeben: die Burg Rheinfels bei St. Goar. Zur Besiegelung des Vergleichs besuchte der Ur-Ur-Enkel von Kaiser-Wilhelm II 2020 nochmals die Burg. Fotograf: Thomas Frey

Nach dem Scheitern einer Verhandlungslösung im Streit zwischen der öffentlichen Hand und den Nachfahren des letzten deutschen Kaisers ist nun das Verwaltungsgericht Potsdam wieder am Zug. „Das Verfahren wird jetzt aufgenommen werden“, sagte der Sprecher des Verwaltungsgerichts am 5. Mai der Deutschen Presse-Agentur. Das weitere Vorgehen in dem Rechtsstreit um Entschädigungsforderungen ist allerdings noch unklar - ebenso der Zeitplan.

Haus Preußen: „bedauerliche Entscheidung“

Von Seiten der Verwaltung von Georg Friedrich Prinz von Preußen, die in Potsdam als „Generalverwaltung des vormals regierenden Preußischen Königshauses“ firmiert, gab es noch keine Stellungnahme. Die „bedauerliche Entscheidung“ sei zur Kenntnis genommen worden, hieß es am Donnerstag, 5. Mai, lediglich.

Bund lehnt weitere Gespräche klar ab

Der Bund sowie die beteiligten Länder Berlin und Brandenburg lehnen eine Vereinbarung jenseits des Gerichts ab. Das geht aus einem Schreiben des brandenburgischen Finanzministeriums an das zuständige Verwaltungsgericht in Potsdam hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Nach der jüngsten Fristverlängerung des Gerichts für Stellungnahmen der Beteiligten gab es bei der öffentlichen Hand erneut Abstimmungen. Im Ergebnis lehnen die Beteiligten „weitere Gespräche mit dem Haus Hohenzollern mit dem Ziel einer möglichen außergerichtlichen Gesamtlösung klar ab“, heißt es im Brief an das Gericht.

Streitwert 1,2 Millionen Euro

Mit den Hohenzollern wird seit 2014 über die Rückgabe von zahlreichen Kunstobjekten und über Entschädigungen verhandelt. Die Gespräche ruhen, nachdem Brandenburg einen seit 2015 laufenden Prozess um enteignete Immobilien wieder aufgenommen hat. Das Land hatte eine Entschädigung auf Basis des Einigungsvertrages abgelehnt. Dagegen klagen die Hohenzollern. Es geht um 1,2 Millionen Euro. Laut Gesetz bekommt keinen Ausgleich, wer dem NS-System „erheblichen Vorschub geleistet hat.“

Zeitgeschichte Blamage für ein Adelshaus: Stephan Malinowskis Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“

Das neuerschienene Buch „Die Hohenzollern und die Nazis“ von Stephan Malinowski könnte entscheidende Bedeutung erlangen im Streit um die Rückgabe von Kunstwerken, die das Haus Hohenzollern von der Bundesrepublik zurückverlangt. Malinowski ist als Historiker einer der Gutachter in dieser Auseinandersetzung. Es ist bezeichnend, dass er in seinem Buch zuallererst einem befreundeten Juristen dankt, der ihn seit Jahren gegen einstweilige Verfügungen und Unterlassungs-Klagen der Hohenzollern in Schutz nimmt. Ein Streit, der auf das alte Fürstenhaus ein schlechtes Licht wirft – gleichgültig wie die Gerichte am Ende entscheiden.  mehr...

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Diskussion Hitlers adlige Helfer – Die Hohenzollern und die Nazis

Über viele Jahre hat die Dynastie der Hohenzollern mit den Nationalsozialisten kollaboriert und zu ihrem Aufstieg beigetragen. Das schreibt der Historiker Stephan Malinowski in seinem neuen Buch über „Die Hohenzollern und die Nazis. Geschichte einer Kollaboration“. In welchem Maße ist die Adelsfamilie also mitverantwortlich für die dunkelsten Jahre in der deutschen Geschichte? Und kommt jetzt Bewegung in den Streit um Entschädigung, die die Nachfahren des letzten deutschen Kaisers gerichtlich einfordern? Gregor Papsch diskutiert mit Prof. Dr. Jörn Leonhard – Historiker, Universität Freiburg, Dr. Stephan Malinowski – Historiker, Universität Edinburgh, Prof. Dr. Stefanie Middendorf – Historikerin, Universität Jena  mehr...

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