Kulturförderung

DLF-Recherche: Privater Kunstmarkt profitiert von ungerechter Verteilung von Corona-Hilfsgeldern für Kultur

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Kunstmesse Art Cologne (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Oliver Berg)
Die Art Cologne bekam siebenstellige Hilfszahlungen. Damit wurden die Standmieten für die Galerien um ein Drittel gesenkt, obwohl diese kaum coronabedingte wirtschafltiche Probleme haben. Foto: Oliver Berg

Aktuelle Recherchen des Deutschlandfunks (DLF) Kultur weisen auf eine ungleiche Verteilung der staatlichen Corona-Finanzhilfen für Kultureinrichtungen hin. So hätten verschiedene Galerien und Kunstmessen mehrfach Gelder aus dem Hilfsprogramm „Neustart Kultur“ bezogen, obwohl sie im ersten Pandemie-Jahr kaum wirtschaftliche Einbußen gehabt hätten, heißt es in einem am 15. November veröffentlichten Bericht des Senders.

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Großteil der Hilfsgelder floss indirekt

Für das Hilfspaket „Neustart Kultur“ hatte die Bundesregierung im Februar vergangenes Jahr rund zwei Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Damit sollten der Kulturbetrieb und die kulturelle Infrastruktur erhalten werden, die im Zuge der Corona-Pandemie stark gefährdet waren.

Das Geld von „Neustart Kultur“ wurde größtenteils nicht direkt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien an die Empfänger ausgezahlt, sondern über Branchenverbände, Stiftungen, Vereine und Unternehmen.

Kunstmarkt profitierte von Archäologietopf

Laut DLF Kultur gingen mehr als 100 Millionen Euro des Hilfspakets in den Bereich der Bildenden Kunst. Davon seien rund 30 Prozent von Unternehmen des kommerziellen Kunstmarkts beantragt worden, also etwa von Messen und Galerien. Zusätzlich hätten einige Kunstmessen ihren Ausstellern einen pauschalen Rabatt auf die Standmieten gewährt.

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Dieser wurde nach Angaben von DLF Kultur vom Staat erstattet und beläuft sich auf über 12 Millionen Euro. Unternehmen des Kunstmarkts hätten außerdem Gelder aus einem Förderprogramm des Deutschen Verbandes für Archäologie bezogen, das eigentlich für private Museen, Ausstellungshäuser und Gedenkstätten aufgelegt wurde.

Künstlerstipendien wurden nicht nach Bedürftigkeit vergeben

Auch bei der Künstlerförderung habe es Schwachstellen gegeben, hieß es weiter. Demnach erhielten einzelne Künstlerinnen und Künstler mehrfach Stipendien, während gleichzeitig tausende Antragstellende leer ausgingen. Grund dafür sei, dass die Stipendien nach künstlerischer Exzellenz vergeben wurden und nicht nach Bedürftigkeit oder anderen sozialen Kriterien. Bei den Galerien hingegen erhielten vier von fünf der Antragsteller eine Zusage der Jury.

DLF Kultur kritisierte, dass die Gelder des Hilfsprogrammes nicht gerecht verteilt worden seien. Der tatsächliche Bedarf bei den Kultureinrichtungen sei nicht überprüft worden. Für die Recherche hat das Team von DLF Kultur eigenen Angaben zufolge mehr als 20 Förderprogramme und Programmmodule aus dem Bereich Bildende Kunst durchleuchtet.

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