Kirche

„Kritisch-kultureller Podcast“ des Citizen.Kane.Kollektivs zum Katholikentag

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Mit über 1500 Veranstaltungen präsentiert sich die Kirche beim Katholikentag in Stuttgart. Diskutiert werden neben der Krise der katholischen Kirche auch gesellschaftliche und politische Fragen. Fragen mit denen sich auch das Stuttgarter „Citizen.Kane.Kollektiv“ in einem Podcast auseinandersetzt.

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Hinweistafeln laden zum Innehalten ein

Die Domkirche St. Eberhardt in der Stuttgarter Königstraße. Im sonst hektischen Betrieb der Einkaufsmeile findet die Kirche sonst eher wenig Beachtung. Während des Katholikentages lädt eine Hinweistafel hier zum Innehealten ein: die erste Station des Podcasts.

Dort zu hören, wenn man den QR-Code mit dem Handy scannt: ein Interview mit der angehenden Theologin und Autorin Johanna Beck, die, während ihrer Jugend in einer katholisch-fundamentalistischen Gruppierung „geistlichen und sexuellen Missbrauch“ erleben musste.

Johanna Beck vor der Domkirche St. Eberhard in der Stuttgarter Königstraße. © Christian Müller (Foto: Pressestelle, © Christian Müller)
Johanna Beck vor der Domkirche St. Eberhard in der Stuttgarter Königstraße. © Christian Müller Pressestelle © Christian Müller

Der Katholikentag hatte sich ursprünglich ein anderes Projekt gewünscht

Dieser Auftakt des Podcasts ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Kirche. Die Organisatoren des Katholikentages hatten sich ursprünglich ein anderes Projekt vom Citizen Kane-Kollektiv gewünscht. Die Vorstellungen ging zunächst auseinander, doch wer sich auf das Kollektiv einlässt, muss mit dessen kritischer Haltung rechnen.

Schließlich sind die Künstler*innen bekannt dafür, dass sie den Finger auf die Wunde legen. „Es wurde gesagt, dass die Themen, die wir behandeln alle auf den Panels im Katholikentag schon besprochen werden, und dass es gar nicht nötig wäre, dass jetzt noch in einem Podcast auch zu verhandeln. Wir wollten gerne inhaltlich arbeiten und bei uns bedeutet eine Zusammenarbeit mit einer Institution auch immer Institutionskritik.“ sagt Christian Müller vom Kollektiv.

Erinnerungen an die Opernsängerin Anna Sutter

Eine weitere Station des „kritisch-kulturellen Stadtparcours“ ist der sogenannte Schicksalsbrunnen vorm Staatstheater. Der halbrunde Jugendstilbrunnen erinnert an Anna Sutter. Die berühmte Opernsängerin pflegte viele Liebschaften und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem eifersüchtigen Liebhaber ermordet.

Ida Liliom vor dem  Schicksalsbrunnen am Staatstheater Stuttgart. © Christian Müller (Foto: Pressestelle, © Christian Müller)
Ida Liliom vor dem Schicksalsbrunnen am Staatstheater Stuttgart. © Christian Müller Pressestelle © Christian Müller

Das alte Schloss ist eine weitere Station des Rundgangs

Weiter führt der Stadtrundgang zum alten Schloss. Dort im Innenhof, die Schlosskirche aus den 16. Jahrhundert. Der erste evangelische Kirchenneubau im bis dahin katholischen Württemberg.

Stefan Kaufmann im Innenhof der Schlosskirche in Stuttgart. © Christian Müller (Foto: Pressestelle, © Christian Müller)
Stefan Kaufmann im Innenhof der Schlosskirche in Stuttgart.© Christian Müller Pressestelle © Christian Müller

Für Stefan Kaufmann, Jurist und ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter, ein denkwürdiger Ort. Er und sein Mann, beide römisch-katholisch getauft, haben dort geheiratet. Allerdings konnten sie das erst, nachdem Kaufmanns Mann zur Altkatholischen Kirche konvertiert ist, die traute das gleichgeschlechtliche Paar.

Eine interessante Anregung über Religion und die Rolle der Kirche nachzudenken

Insgesamt führt der Stadtrundgang zu 10 ganz unterschiedlichen Orten in der Stuttgarter Innenstadt – auch zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal, bei dem der Kolonialismus und die christliche Mission problematisiert werden.

Nadine Seidu vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Stuttgart. © Christian Müller (Foto: Pressestelle, © Christian Müller)
Nadine Seidu vor dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Stuttgart. © Christian Müller Pressestelle © Christian Müller

Zusammen mit den bemerkenswert persönlichen und offenen Interviews ist der kritisch-kulturelle Podcast des Citizen Kane-Kollektivs sicherlich eine interessante Anregung über Religion und die Rolle der Institution Kirchen nachzudenken – etwas abseits der großen Veranstaltungen des Katholikentages.

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