Diversität

Kinderbuch feiert Vielfalt: „Flocke findet seine bunte Familie“

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AUTOR/IN
Mareike Gries

Regenbogenfamilien sind Familien mit zwei Müttern oder zwei Vätern. In Kinderbüchern finden sich diese Familien selten wieder. Bei „Flocke findet seine bunte Familie“ von Autor Benedikt Amara ist das anders. Es ist im Trierer Buchfink Verlag erschienen, die erste Auflage war nach kurzer Zeit ausverkauft.

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Tierisch buntes Leben in der alten Mühle am Waldrand

Es ist eine ziemlich entspannte Wohngemeinschaft, die sich in einer alten Mühle am Waldesrand zusammengefunden hat. Da sind das Ehepaar Manfred Eichhörnchen und Gisela Igel mit Fledermaus-Tochter, die Eule, die eine harmonische Fernbeziehung mit dem Mond führt und da sind Kubaba und Vesta, zwei verliebte Fuchs-Damen, die sich gemeinsam ein Kind wünschen. 

„Am liebsten saß Kubaba auf der Fensterbank im kleinen lauschigen Windmühlenerker. Dort machte sie es sich immer mit vielen bunten Kissen gemütlich und aß einen Pfannkuchen, manchmal auch zwei. Auf jeden Fall gehörte viel Pflaumenkompott dazu. Vestas Lieblingsort in der Windmühle war ebenfalls der kleine Erker, aber Pfannkuchen mochte sie nicht. Aber es müssen ja auch nicht alle Füchsinnen das Gleiche mögen.“

Niemand muss einer Norm entsprechen, Vielfalt ist etwas Schönes, so der unaufdringliche Grundtenor des Buches. Eine Botschaft, die Autor Benedikt Amara in den Büchern seiner Kindheit vermisst hat.

„Flocke findet seine bunte Familie“  - Blick in das Kinderbuch von Benedikt Amara, erschienen im Buchfink Verlag. (Foto: Pressestelle, Buchfink Verlag)
Die beiden Fuchs-Damen Kubaba und Vesta wünschen sich sehnlichst ein Kind. Sie haben Glück: Eines Tages liegt ein kleiner Schneefuchs vor der Tür und sie werden eine Familie. Pressestelle Buchfink Verlag

Das Familienbild in Kinderbüchern hat sich nicht mit der Lebensrealität entwickelt

Als schwuler kleiner Junge habe er keine Identifikationsfiguren in Kinderbüchern gefunden, sagt Autor Benedikt Amara. Zwar gab es Petersson imd Pippi Langstrumpf, die ein bisschen anders waren als die anderen, und die merkten, dass sie anders waren als die anderen. Aber mehr, so Amara, gab es da nicht.

Bis heute hat sich in den Medien für Kinder wenig daran geändert, obwohl die Lebensrealität von Familien inzwischen viel bunter ist als noch vor 20 oder 30 Jahren. Immer mehr Kinder haben Mitschüler*innen oder Kita-Freund*innen, die zum Beispiel bei zwei Müttern aufwachsen. In Büchern und Filmen sucht man Regenbogenfamilien aber meist vergebens. Das mag auch an der Vorsicht vieler Verlage liegen, hat Benedikt Amara festgestellt. 

Die schwierige Suche nach einem geeigneten Verlag für die queer-inklusive Kindergeschichte

Die Suche nach einem Verlag war unheimlich schwer und frustrierend, verrät Buchautor Amara: „Wenn ein Verlag mal interessiert war, dann waren es die Rahmenbedingungen, die mir nicht gefallen haben, weil es dann hieß: Könnten wir dann aber vielleicht dieses lesbische Fuchspaar zu einem heterosexuellen Fuchspaar umschreiben.“

Beim Trierer Buchfink-Verlag war das anders. Sie sei von dem Manuskript gleich begeistert gewesen, sagt Verlegerin Susanne Philippi. Der Verlag betreibt eine kleine Verlags- und Kinderbuchhandlung. Deshalb bekomme man mit, was gerade gefragt sei. Da gehörten Bücher mit diversen Familien definitiv dazu.

„Wir konnten da gar nicht so das Konfliktpotential erkennen, was es natürlich offensichtlich immer noch hat“, erinnert sich die Verlegerin. „Wir haben natürlich auch Rückmeldungen bekommen, wo sich Menschen darüber aufgeregt haben. Das war für uns erstmal gar nicht so ersichtlich, dass man mit dem Thema tatsächlich noch so krass anecken könnte.“

Buchautor Amara will queeres Leben als selbstverständlich zeigen anstatt zu problematisieren

Die Fuchsfrauen in dem Buch haben Glück, denn eines Tages liegt ein kleiner Schneefuchs vor ihrer Tür, die drei werden eine Familie. Das Buch wird für Kinder ab 3 Jahren empfohlen, es geht darin weder um Sexualität noch wird irgendein Lebensentwurf propagiert. Autor Benedikt Amara ist sich sicher, dass sein Buch den jungen Leserinnen und Lesern gerecht wird: „Weil ich immer wieder merke, dass kleine Kinder diese bunte, offene, vielfältige Welt für ganz selbstverständlich nehmen.“

Es seien seiner Erfahrung nach eher die Erwachsenen, die von queeren Themen in der Gesellschaft überfordert seien. „Natürlich gibt es da mal eine Frage, weil sie dann sehen: okay – da hält der Mann im Supermarkt die Hand eines anderen Mannes, das hab ich noch nicht so oft gesehen. Aber wenn man kleinen Kindern dann erklärt: ja, die lieben sich. Dann hinterfragen die das gar nicht.“

Benedikt Amara glaubt deshalb, dass die Geschichte von Flocke nicht nur für Kinder geeignet ist, sondern auch für Eltern oder Großeltern, denen vielfältige Familienformen wenig vertraut sind. Ein Blick auf die Verkaufszahlen zeigt – Flockes bunte Familie hat einen Nerv getroffen, meint auch Verlegerin Susanne Philippi: „Wir haben innerhalb von zweieinhalb Wochen die erste Auflage rausverkauft, ja, restlos weg. Wir haben dem Buch viel zugetraut, aber dass es sich so so gut verkauft, das ist für uns natürlich auch ein Überraschungserfolg.“

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In dieser Folge geht es um Vielfalt und Anderssein. Sandra Niebuhr-Siebert hat das KIMI-Siegel für besonders wertvolle Kinderbücher mitgegründet und erzählt, was ihr zum Thema Diversität in Kinderbüchern wichtig ist. Anja ist begeistert von „Theo liebt es bunt“ (ab 4). Theresa findet Stickerbücher sind eine der besten Erfindungen überhaupt und hat deshalb „Mein Anzieh-Stickerbuch Mutige Berufe“ (ab 3) dabei. Außerdem ist Pascal Peifer zu Gast, der „Vom Blumen Zaubern und Drachen Besiegen“ (ab 6) herausgegeben hat – ein Own Voices Buch, das geflüchtete Kinder geschrieben haben. Zum Schluss lobt Kinderkritikerin Emma (5) „Ich bin anders als du - ich bin wie du“.

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Mariela Nagle lädt in ihrer Buchhandlung Mundo Azul zur Bilderbuch-Weltreise. Sie öffnet Horizonte durch Raritäten an Ästhetik und Poesie. In Vorträgen begeistert sie damit Menschen jeden Alters.

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Mareike Gries