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Der offizielle Bericht der chinesischen Regierung zeige, dass die Regierung beim heute beginnenden Volkskongress in Peking vor allem Erfolgsmeldungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verkünden wolle, so China-Expertin Kristin Shi-Kupfer in SWR2.

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Interessant sei, dass Staatschef Xi Jinping in diesem Bericht mehrmals erwähnt werde. Demnach habe er selbst alle Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie kontrolliert und umgesetzt. Regierungschef Li Kequiang trete demgegenüber deutlich in den Hintergrund.

Experten warnen vor zweiter Welle der Pandemie

Es gebe dabei auch in China durchaus Experten, die davor warnten, dass das Land womöglich bereits mitten in einer zweiten Welle der Pandemie stecke, so Shi-Kupfer. Nicht von ungefähr seien im Nordosten Chinas gerade wieder mehrere Städte abgeriegelt worden.

Neben den USA fragten zunehmend auch andere Länder, in Südostasien, Afrika und Lateinamerika verstärkt nach der Verantwortlichkeit Chinas für die pandemische Verbreitung des Corona-Virus.

Kristin Shi-Kupfer leitet den Forschungsbereich Politik, Gesellschaft und Medien des Hamburger Merics-Institut. Sie ist Expertin für Chinas Digitalpolitik, Zivilgesellschaft und Menschenrechte. Ab Freitag, 22. Mai, treffen sich die über 3.000 Delegierten des chinesischen Volkskongresses zur jährlichen Plenarsitzung des Parlaments, die eigentlich bereits im März hatte stattfinden sollen, wegen des Ausbruchs der Coronakrise aber verschoben worden war.

Gespräch Geber-Konferenz für Corona-Impfstoff: Große internationale Kooperation erforderlich

Gute internationale Absprachen seien erforderlich, um zu verhindern, dass sich einzelne Länder einen exklusiven Zugriff auf einen Corona-Impfstoff zu sichern versuchten, so Maike Voss von der Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP, in SWR2. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sei dazu als „normwirkende, wissenschaftliche Institution“ in der Lage, die „die Verteilung von Impfstoffen, Therapeutika und Diagnostika“ voranbringen könne. Das gelte auch nach der Kündigung der USA.
Nachdem sich die EU-Staaten mit pharmazeutischen Unternehmen und großen Stiftungen zusammengeschlossen hätten, lasse sich auch Druck auf Staaten wie die USA und China ausüben, die sich bislang an der Initiative nicht beteiligten, so Voss. „Wir brauchen eine große, internationale Kooperation, um den Impfstoff auch wirklich verteilen zu können.“ Um eine Kommerzialisierung des Impfstoffes zu verhindern, müsse die Mittelvergabe an Unternehmen allerdings von vornherein an Bedingungen geknüpft werden. „Schon bei der Forschungsentwicklung müssen wir darüber sprechen, wie am Ende verteilt wird“, so Voss in SWR2.  mehr...

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