Gespräch

Warum die Regierungsarmee in Afghanistan kaum Widerstand gegen die Taliban leistete

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INTERVIEW

Es sei keine Überraschung, dass die afghanischen Sicherheitskräfte den Taliban kaum Widerstand geleistet hätten, so der österreichisch-afghanische Autor Emran Feroz in SWR2. Während der vergangenen Jahre hätten sich viele junge Männer im Kampf für korrupte Eliten und Militärs in Kabul geopfert. Die Masse der Soldaten sei letztlich von der Regierung als "Kanonenfutter" eingesetzt worden und demoralisiert gewesen, so Feroz.

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Der Autor Emran Feroz (2017) (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto:  Frank May)
Der Autor Emran Feroz (2017) Foto: Frank May

Weithin sei unterschätzt worden, dass die Taliban gerade von der ländlichen Bevölkerung auch unterstützt worden seien, nicht zuletzt wegen des Drohnenkrieges gegen Aufständische, der auch zahlreiche zivile Opfer gefordert habe. Kriegsverbrechen von NATO-Soldaten seien vertuscht worden und hätten dazu geführt, Menschen zurück in die Arme der Taliban zu treiben.

Schon jetzt erinnere der Alltag in Provinzen, die bereits länger in der Hand der Taliban seien, an die 1990er Jahre. Dort herrschten strikte Restriktionen und trotz Amnestie-Versprechen sei es auch zu Racheaktionen gegenüber Andersdenkenden gekommen. Bei der Beurteilung der Entwicklung von Frauen- und Menschenrechten müsse man gerade diese ländlichen Regionen im Blick behalten.

Zeitgeschichte 9/11 vor 20 Jahren: Die Anschläge vom 11. September 2001 in New York

Ein Terror-Anschlag, der die Welt verändern sollte: Am 11. September 2001 — also vor genau 20 Jahren — entführten mehrere Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Al-Qaida unter Befehl von Osama bin Laden vier Flugzeuge und steuerten zwei davon in die Türme des World Trade Center in New York City. Auf der ganzen Welt verfolgten die Menschen gebannt die Berichte und Rettungsaktionen.  mehr...

Gespräch Nils Schmid (SPD): Afghanistan „kein taugliches Objekt für den Wahlkampf“

Es ehre Bundesaußenminister Heiko Maas und Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sie die Fehleinschätzung der Sicherheitslage in Afghanistan "offen und ungeschminkt" ausgesprochen hätten, so der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Nils Schmid, in SWR2. Vorwürfe der Opposition, die Bundesregierung habe versagt, weist Schmid zurück. Afghanistan sei "kein taugliches Objekt für den Wahlkampf". ist Schmid überzeugt. "Wir müssen jetzt schauen, dass wir möglichst viele auch der zivilen Ortskräfte herausbekommen", so der Nürtinger Bundestagsabgeordnete.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Kulturmedienschau Die Zukunft der Afghanischen Frauen und Armin Laschet Stolperstein | 17.8.2021

Die Lage in Afghanistan beschäftigt auch die Kulturseiten der Tageszeitungen. Nach 9/11 wurden Frauen in Afghanistan Richterinnen, Gouverneurinnen, IT-Expertinnen. Und jetzt?, fragt sich die Süddeutsche Zeitung. In den sozialen Medien sorgt die Aussage „2015 darf sich nicht wiederholen“ von CDU Kanzlerkandidat Armin Lasche für Aufregung, die taz kommentiert.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch US-Interventionen in Afghanistan und Vietnam: „Die Ähnlichkeit ist auf den ersten Blick frappierend“

Die dramatischen Bilder aus Afghanistan wecken Erinnerungen an den Vietnam-Krieg. Die Flucht der US-Amerikaner aus Saigon 1975 ähnele der heutigen aber nur auf dem ersten Blick, sagt der Journalist und Nahostexperte Michael Lüders im Gespräch mit SWR2: „Trotzdem sind die Verhältnisse in Vietnam 1975 und in Afghanistan 2021 gänzlich unterschiedlich“.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

SWR2 Forum Taliban erobern Afghanistan – Wohin mit den Flüchtlingen?

Claus Heinrich diskutiert mit
Peter Hornung, Korrespondent ARD-Studio Südasien
Gerald Knaus, European Stability Initiative, Berlin
Prof. Dr. Daniel Thym, Universität Konstanz, Mitglied des Sachverständigenrats für Migration (SVR)  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Gespräch Taliban-Einmarsch gefährdet Journalismus in Afghanistan - Überrollt vom Tempo der Mudschaheddin

Der Zeitungsverlegerverband, große deutsche Medienhäuser und die Journalistenorganisation ,,Reporter ohne Grenzen" fordern Not-Visa für ihre afghanischen Mitarbeiter und deren Familien. Im Gespräch mit SWR2 berichtet die Vorstandsprecherin von Reporter ohne Grenzen, Katja Gloger, von einer ,,Gefahr, die fast minütlich größer geworden ist."
Die erfahrene Journalistin sieht insbesondere Frauen in Lebensgefahr und erklärt die Bedeutung einheimischen Mitarbeiter für westliche Medien so: ,,Unsere Arbeit westlicher Korrespondentinnen und Korrespondenten ist kaum denkbar ohne die Unterstützung mutiger Kollegen vor Ort."
Ihre Organisation erstelle zurzeit eine Liste von gut zwei Dutzend afghanischen Mitarbeitern und deren Familien, die mithilfe von Not-Visa außer Landes gebracht werden müssten, so Gloger im Interview. Wie die Regierungen im Westen sei man auch von der Schnelligkeit der Machtübernahme der Taliban überrascht worden. ,,Unsere Gespräche hatten ergeben, dass man gedacht hat, man hätte vielleicht noch ein paar Wochen Zeit", gesteht Gloger die Fehleinschätzung ein.
Zu den Bildern von der Machtübernahme, die in diesen Tagen in aller Welt gezeigt werden, äußert sich Gloger nur vorsichtig, weil man deren Herkunft nicht verifizieren könne. Es könne sein, dass die Fotos und Filmsequenzen gezielt von den Taliban gestreut würden, um bestimmte politische Stimmungen zu erreichen. Unabhängigen Journalismus in Afghnanistan erwartet Gloger auf absehbare Zeit nicht mehr. Man versuche, in Nachbarländern wie Usbekistan Ausweichmöglichkeiten für afghanische Journalistinnen und Journalisten aufzubauen. ,,Das ist im Moment das einzig Vorstellbare", so Gloger  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch „Jetzt evakuieren“: Vormarsch der Taliban gefährdet Frauenrechte und Aktivistinnen

In den letzten 20 Jahren wurde für die Frauen in Afghanistan viel erreicht, sagt Monika Hauser von der Frauenrechtsorganisation Medica Mondiale. Mit Therapiezentren und kostenfreier Rechtsberatung oder Vertretung vor Gericht konnte vielen Frauen geholfen werden. Inzwischen sind die Kolleginnen von Medica Afghanistan nach Kabul geflohen. Unter den Taliban wird es keine Frauenhäuer mehr geben oder die Rechtsvertretung durch Anwältinnen vor Gericht. Denn das ist mit der Scharia nicht vereinbar. ,,Wir fordern sofort Visa für die bedrohten Frauenrechtlerinnen im Land, ein sofortiges Notaufnahmeprogramm", betont Monika Hauser. ,,Die Bundesregierung muss jetzt Einfluss nehmen darauf, dass die afghanische Regierung und die Taliban Bedingungen für die Frauenrechte aushandeln:" .Erst dann solle weiter westliches Geld nach Afghanistan fließen.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Gespräch Sieg der Taliban – Afghanistan-Experte Marc Thörner über den Preis der Arroganz

Auch wir Deutsche sind mit einer unglaublichen „Arroganz und Selbstverblendung“ nach Afghanistan gegangen, meinte der Journalist, Auslandsreporter und Afghanistan-Experte Marc Thörner. Es habe bei uns das Bild vorgeherrscht, dass Afghanistan vor 2001 nur ein Wüste gewesen sei, in die man alles von außen mitbringen müssen. Die kulturelle Tradition, die Geschichte der Bildungseliten oder auch der Medien in Afghanistan habe man beiseitegeschoben zugunsten der amerikanischen Militärstrategie für das Land. Diese habe ganz auf die Kooperation mit einigen Warlords gesetzt, die man einfach zu Politikern erklärt habe. Mit solchen Partnern habe man das Land nicht aufbauen können, sagt Marc Thörner.
Diese Militärpolitik sei nicht neu, sondern im Grunde eine Fortsetzung der neokolonialen Militärpolitik der 50er und 60er Jahre. Auch das deutsche Bild von einer eigenen Strategie, von Soldaten als Aufbauhelfern, sei eine Illusion gewesen. Auch das deutsche Konzept sei im Kern ein militärisches Konzept gewesen, dass der Tradition der späten Kolonialkriege gefolgt sei.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Mittlerer Osten Afghanistan von der NATO allein gelassen – Angst vor Taliban und Bürgerkrieg

ARD-Korrespondentin Silke Diettrich war als einzige Journalistin dabei, als der letzte deutsche Flieger ausgeflogen ist. Jetzt nehmen die Taliban immer mehr Bezirke ein. Viele im Land machen sich große Sorgen – vor allem die Frauen. Von Silke Diettrich | Manuskript, Bildergalerie und mehr: http://swr.li/afghanistan | Bei Fragen und Anregungen schreibt uns: wissen@swr2.de | Folgt uns auf Twitter: @swr2wissen  mehr...

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Gespräch Jan van Aken über Afghanistan: Militäreinsätze sind keine Lösung

Die Gefahr ist real, dass Afghanistan wieder in die Hände der Taliban fällt, nach dem Abzug der internationalen Truppen aus dem Land. Afghanistan könnte sogar insgesamt zu einer Zäsur werden für die westliche Interventionspolitik. „Ich drücke alle Daumen, dass das hier im Westen zu einem Nachdenken führt“, sagt der Linken-Politiker Jan van Aken.
Mit Militär von außen in einem Land einzugreifen, führe nicht zu Demokratie und einer Verbesserung der Verhältnisse, sondern meist in den Bürgerkrieg. Die Ursprungsbegründung des Krieges in Afghanistan war „Rache für den Terror des 11. Septembers 2001“ und das sei in der internationalen Politik schon etwas Neues gewesen.
Menschenrechte hätten bei dem Einsatz in Afghanistan im Grunde keine Rolle gespielt, so Jan van Aken. Nur ein langsamer „Wandel durch Annäherung“ und nicht militärische Einsätze könne die Menschenrechtsverhältnisse in anderen Ländern langfristig gesehen verbessern, meint der Linken-Politiker.  mehr...

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