Kampagnen gegen Annalena Baerbock und Carolin Emcke: Antisemitismus und Antifeminismus Hand in Hand

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Eine „anstößige Debatte“ nennt der Politikwissenschaftler Michael Koß die Kampagnen-Aktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gegen Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Die Kampagne gegen Baerbock spiele mit dem antisemitischen Klischee des sich „auserwählt fühlen“, „sich besser fühlen“.

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Ausgrenzen vom politischen Dialog

Es würden zwei Gruppen aufgemacht: „Jemanden so bewusst — und das ist bewusst —, abzukanzeln und zu bestreiten, dass er sich überhaupt einbringen darf“, erklärt Koß, das sei zuviel und da werde eine Grenze überschritten. Er verstehe politischen Wettbewerb als eine Diskussion mit Argumenten.

Koß über die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Carolin Emcke

Die Rede von Carolin Emcke auf der Grünen-Delegiertenkonferenz, die ihr den Antisemitismus-Vorwurf unter anderem von CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak einbrachte, hält der Politikwissenschaftler Koß zwar grundsätzlich nicht für geschickt — bei Emcke ginge es allerdings darum, Stigmatisierung darzustellen, anhand von Beispielen wie „den Juden“. Eine Ausgrenzung würde dadurch nicht stattfinden.

Es leuchte ihm jedoch nicht ein, warum man überhaupt als Intellektuelle auf einem Wahlparteitag jemanden mit Juden gleichsetze.

CDU-Politiker Ziemiak hat seinen Vorwurf gegen Emcke am 15.6.2021 wieder zurückgenommen.

Heute habe ich längeres + gutes Telefonat mit @C_Emcke geführt. Miteinander reden ist besser als übereinander. Bin immer besonders sensibel, wenn ich Vergleiche mit Juden höre. Im Kontext ganzer Rede wird deutlich, dass sie Hass & Lügen gg. Juden nicht vergleicht od. verharmlost.

Verbindende Ideologien von rechten Bewegungen

„Antifeminismus und Antisemitismus dienen beide als Klammer von rechtem Gedankengut“, stellt Michael Koß fest. Sie richteten sich gegen Emanzipationsbewegungen — zwar sei man in rechten Bewegungen gerne mal sektiererisch, aber „klar ist, gegen wen es geht und Frauen und Juden sind da ganz oben auf der Liste.“

Es würden in beiden Fällen wieder einmal Grenzen überschritten werden, die aus seiner Sicht im Wahlkampf und in einer Demokratie nicht überschritten gehörten, kritisiert Koß.

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