Gespräch

„Junge im Bundestag kommunizieren mit größerer Transparenz“ – Autorin Livia Gerster über Junge Bundestagsabgeordnete

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INTERVIEW
Marie Gediehn

In ihrem Buch „Die Neuen“ nimmt die Autorin Livia Gerster neue Bundestagsabgeordnete in den Blick. Von denen gibt es so viele wie nie zuvor – 125 Abgeordnete zählen zur Generation der Millennials. „Wir befinden uns zum ersten Mal in der Situation, dass diese Generation aktiv etwas an der Politik ändern will“, sagt Gerster.

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Nach einem Jahr merken die Jungen, dass die Mühlen im Bundestag langsam mahlen

Nach dem ersten Jahr spricht Gerster von einer Art „Zähmungserscheinung“: „Da haben viele der Jungen gemerkt, die Mühlen im Bundestag mahlen langsam. Dazu kommen der Krieg in der Ukraine, die ein pragmatisches Handeln nötig machen und viele Ziele der jungen Politikergeneration wieder in die Ferne rücken lassen.“

Flexibler seien die Jungpolitiker*innen bei der Umstellung der Sicherheitspolitik gewesen. „Während alte, pazifistisch eingestellte Kolleg*innen sich schwer getan haben mit einer besseren Ausrüstung für die Bundeswehr, haben die jungen Politiker*innen sich schneller auf diese Wende eingelassen.“

Ein ganz eigener Ansatz Politik zu erklären

Dennoch komme man zum Teil auch schwer mit, wenn ehemals rebellisch eingestellte Nachwuchspolitiker wie Kevin Kühnert nun voll auf der Parteilinie von Olaf Scholz zu verorten seien und diese auch in Talkshows verteidigen.

Der Vorwurf, die Jungen seien eben Karrierist*innen, sei aber unfair, sagt Gerster. „Man muss sehen dass Nachwuchspolitiker*innen erstmal jahrelang ihre Freizeit geopfert haben um in der Politik ehrenamtlich für die Gesellschaft etwas zu bewegen.“

Gleichzeitig brächten die Jungen in der Kommunikation mit den Medien eine Transparenz mit, die es so bei der alten Generation nicht gebe. „Sie haben einen ganz anderen Ansatz Politik zu erklären und zu machen – nahbar und unterhaltsam, so dass es junge Leute auch interessiert. Und dann gibt es auch diesen Antrieb, dass man nicht nur vom Seitenrand meckern will, sondern aktiv mitgestalten.“

Buchkritik Anna Sauerbrey - Machtwechsel. Wie eine neue Politikergeneration das Land verändert

„Machtwechsel“, lautet das Buch der Journalistin Anna Sauerbrey, in dem sie die jüngere politische Generation nach der Amtszeit von Angela Merkel beleuchtet. Beobachtet und recherchiert um die Bundestagswahl vom vergangenen Jahr herum. Ein Rückblick mit Einsichten in den Berliner Politikbetrieb und Annäherungen an ausgewählte Politikerinnen und Politiker.
Rezension von Stefan Berkholz.
Rowohlt Berlin Verlag, 320 Seiten, 22 Euro
ISBN 978-3-7371-0144-8

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