Koblenz Johann Dötsch: "Das deutsche Volk wird sich noch wundern"

Stolperstein in der Neugasse 22

Ein Sozialdemokrat, der sich trotz Schutzhaft, Konzentrationslager und Todesmarsch nicht mundtot machen ließ. Johann Dötsch gründete nach dem Krieg die SPD in Koblenz neu und erlebte noch die ersten freien Wahlen.

mehrere Männer, darunter einzelne mit Fahnen stehen in 4er bis 5er Reihen bereit für einen Aufmarsch (Foto: privat -)
Aufmarsch des Reichsbanners in Mainz 1930, Johann Dötsch (re.) geht vorneweg privat -

Kurzbiografie:

Johann Dötsch, Jahrgang 1890, war Maurer und Soldat und trat früh in die SPD ein. Er machte Karriere als Parteifunktionär und wurde deshalb von den Nationalsozialisten zu Beginn des Zweiten Weltkriegs verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen bei Berlin verschleppt.

Er überlebte im Frühjahr 1945 den Todesmarsch an die Ostsee und schrieb seine Erlebnisse in einem "Tagebuch gegen das Vergessen" auf.

Wieder zuhause wurde er in der damaligen Provinz Rheinland-/Hessen-Nassau Präsidialdirektor für Arbeit und Soziales. Zu den ersten freien Gemeinderatswahlen im September 1946 musste er sich schon tragen lassen. Durch den langen Aufenthalt im Konzentrationslager war er schwer herzkrank und so geschwächt, dass er am 2. Oktober 1946 starb.

Auszug aus dem "Tagebuch gegen das Vergessen" von Johann Dötsch:

vom 16.5.1945

Nach Original, abgeschrieben von Günter Steinhofer, Dorfchronist von Dümmer, bearbeitet von Joachim Hennig. Das "Tagebuch gegen das Vergessen" wurde zuerst im Bezirksparteiarchiv der SED in Schwerin aufbewahrt. Jetzt befindet es sich im Archiv der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen.

 

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