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INTERVIEW

„Solange Polen isoliert war, war die Zukunft ungewiss. In dem Moment, wo die Mauer fiel, war alles offen“, erinnert sich der ehemalige Botschafter Polens in Deutschland, Janusz Reiter, an den 9. November 1989. „Das bedeutete nur nicht unbedingt alles, was wir wollten“, so Reiter in SWR2. Die Begeisterung und Zuversicht von damals allerdings vermisse man 30 Jahre nach dem Mauerfall.

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Polen wäre ohne Deutschland nicht EU- und NATO-Mitglied geworden

Für Polen seien nach 1989 zwei Dinge entscheidend gewesen, so Reiter: Die deutsche Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze und die Zugehörigkeit auch eines vereinigten Deutschlands zu EU und NATO. Nur gemeinsam mit Deutschland habe es auch für Polen diese Bündnisoptionen gegeben.

Das Erstarken des Populismus in Osteuropa sieht Reiter als Ergebnis einer Verunsicherung. Während es nach dem Mauerfall nur habe aufwärts gehen können, hätten heute viele Angst vor der Zukunft.

Janusz Reiter: Die Autorität des Westens ist geschwächt

Der Westen habe viele Fehler gemacht, seine Autorität sei deshalb geschwächt. Lange habe man die westliche Welt in Osteuropa als „die Quelle der Lösungen für alle Probleme“ betrachtet. „Uns wurde immer gesagt, wir sollten uns anpassen, sollten das Modell übernehmen – und haben es getan.“ Jetzt hätten die Staaten in Osteuropa ein Bedürfnis, ihren eigenen Weg zu finden. Janusz Reiter: „Diesen Weg muss man finden, ohne den Kern der westlichen Gemeinschaften – im ideellen Sinne – aufs Spiel zu setzen.“

Die Situation der EU sei heute sehr viel komplexer. Die Müdigkeit resultiere aus einer Vielzahl von Herausforderungen, ohne dass sich die Mitgliedsstaaten so leicht gegen einen Gegner zusammenschließen könnten wie früher die Sowjetunion.

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10.11.1989 Sondersendung am Tag nach der Maueröffnung

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