Gespräch

Jagoda Marinic: In der vierten Corona-Welle von allen guten Regierenden verlassen

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Schon im September hätte die Politik das sogenannte Boostern vorantreiben müssen, sagt die Publizistin Jagoda Marinic in SWR2. Der richtige Zeitpunkt sei gewesen, als die 12- bis 18-jährigen für die Impfung zugelassen worden seien. Wegen des Wahlkampfs habe sich darum niemand gekümmert.

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Dadurch seien unnötige Konflikte entstanden, so die Publizistin: „Jetzt sagen sie: die Deutschen sind impfmüde, esoterisch. Und plötzlich hat man eine Bevölkerung, die sich wütend angeht. Und das gemeinsame Ziel ist aus den Augen verloren.“

Die Epidemie habe sich zu einer Normalität entwickelt, für die es keine Notlagengesetze mehr brauche. Jagoda Marinic: „Der Staat verordnet, dass Kellner*innen zu Kontrolleur*innen werden. Mit welcher Legitimation? Daten werden massenhaft gesammelt, was geschieht damit?“

Auf solche Weise würden Grundrechte ausgehebelt. Ein Grund für die derzeitige Krise sei die mangelnde Ausstattung der Krankenhäuser. Der Staat dürfe nicht von oben herab verordnen. Er müsse die Bürger mitnehmen, den Kommunen mehr Spielraum geben, auf die Klugheit der regionalen Kompetenzen und der Zivilgesellschaft zurückgreifen. „So hätten wir in zwei Monaten eine Impfquote, die sich andere wünschen würden“, ist Marinic überzeugt.

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