Gespräch

Iran-Expertin zu Kopftuch-Protesten: Alle solidarisieren sich gegen die Mullahs

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INTERVIEW
Martin Gramlich

„Das hat nochmal eine andere Qualität als frühere Proteste, weil sich hier alle Menschen solidarisieren können“, sagt die Kölner Islamwissenschaftlerin Katajun Amirpur in SWR2 zu den Protesten im Iran.

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Expertin: Mullah-Regime steht mit dem Rücken zur Wand

Die Größe der so genannten „Kopftuch-Proteste“ sei schwer einzuschätzen, sagt Katajun Amirpur. Das Mullah-Regime habe das Internet stark gedrosselt. Kontakte im Iran seien nur noch schwierig zu erreichen.

Das Kopftuch („Shador“) sei ein Symbol der islamischen Republik. Deshalb gebe es ein Potenzial, dass die Proteste eine kritische Masse erreichen. Prognosen seien allerdings schwierig. Das Regime stehe mit dem Rücken zur Wand: „Und mit dem Rücken zur Wand verteidigt man sich bis zum letzten Blutstropfen.“

Prof. Katajun Amirpur ist Deutsch-Iranerin. Sie hat in Bonn und Teheran Politikwissenschaft und schiitische Theologie studiert. Seit 2018 lehrt Amirpur Islamwissenschaft an der Uni Köln.

Aktuell Proteste im Iran nach Tod einer Frau in Polizeigewahrsam

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Gespräch Frauen im Iran – Die Journalistin Golineh Atai

Die Journalistin Golineh Atai portraitiert in ihrem Buch „Iran – die Freiheit ist weiblich“ Iranerinnen, die sich für Menschenrechte und eine demokratische Gesellschaft einsetzen  mehr...

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Die Musik der Proteste im Iran

Iran-Proteste Songs der iranischen Freiheits- und Protestbewegung

Bereits seit dem 16. September 2022 finden im Iran landesweit Proteste gegen die autoritäre Regierung des Staates statt. Bei der Freiheits- und Protestbewegung spielt Musik eine wichtige Rolle. In diesem Kontext sind auf dieser Seite Songs der Bewegung mit Erläuterung und Übersetzung zu finden.  mehr...

Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Musik und Protest: Welche Lieder braucht es für eine Revolution?

Im Iran gehen seit Mitte September jede Woche zehntausende Menschen auf die Straße - gegen die Unterdrückung von Frauen, gegen das Regime als Ganzes. Davon, und von der brutalen Niederschlagung der Proteste, bekommen wir hier nur Bruchstücke zu sehen, weil das Regime das Internet drosselt und fast keine unabhängigen Journalist*innen mehr vor Ort sind. Was bei uns ankommt: Die Musik der Revolution, so wie die Hymne „Baraye“ von Shervin Hajipour. Welche Bedeutung hat diese Musik für die Prostest - und wie hängen Musik und Protest überhaupt zusammen?

„Zu Marschmusik protestiert man nicht“, sagt der Musikjournalist Keno Mescher, denn Protest drückt sich nicht nur in den Lyrics, sondern auch in der Musik selbst aus. Und für die Politikwissenschaftlerin Naika Foroutan zeigt sich in „Baraye“ verdichtet etwas, dass sie „pan-progressive Proteste“ nennt. Aber was als subversive Musik beginnt, muss diesen widerständigen Charakter nicht behalten: Ob für Werbung, bei Corona-Protesten oder sogar als Genre beim Rechtsrock: Musik ist für vieles anschlussfähig.

Wenn ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid und noch mehr Protestsongs hören wollt: Die folgenden Lieder stehen auf der Playlist Iran von Naika Foroutan oder haben uns bei der Vorbereitung des Podcasts begleitet:
Shervin Hajipour: „Baraye“
Toomaj Salehi: „Soorakh Moosh“
Gola Ardestani „Hagham-e“
Ali Azimi / Golshifte Farahani: „Marze Por Gohar“
Yashgin Kyäni: „Bella Ciao“
James Brown: “Say it loud (I’m Black and I’m Proud)”
Victor Jara: “Derecho de vivir en paz“
Joan Baez: Bread and Roses”
N.W.A. “Fuk da Police”

Habt ihr noch mehr Themen, die wir uns dringend anschauen sollten? Schreibt uns an kulturpodcast@swr.de

Host: Pia Masurczak
Redaktion: Pia Masurczak und Giordana Marsilio  mehr...

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Martin Gramlich