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INTERVIEW

Noch immer verheimlichen etwa 40 Prozent der Sinti bei der Wohnungssuche ihre Identität, erklärt Daniel Strauß vom Verband Deutscher Sinti und Roma Baden-Württemberg in SWR2. Am 8. April findet der internationale Roma-Tag statt, mit dem auf die Situation der Sinti*zze und Rom*nja weltweit aufmerksam gemacht werden soll.

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50 Jahre internationaler Roma-Kongress

Vor 50 Jahren, am 8. April 1971, diskutierten in London Betroffene beim ersten internationalen Roma-Kongress zum ersten Mal grenzübergreifend über soziale und kulturelle Fragen, die die Minderheit der Sinti*zze und Rom*nja betrafen.

2021 wird dieses Jubiläum entsprechend mit mehreren Veranstaltungen gefeiert unter dem Motto „Amen sam akate“ — „wir sind hier“.

Minderheiten als Sündenböcke

Seit dem ersten Roma-Kongress habe sich viel zum Guten verändert, sagt Daniel Strauß. Manchmal habe man das Gefühl, es komme ins Stocken — in Krisensituationen etwa, wenn die Zuwanderung besonders stark ist oder in der Coronakrise: „Dann müssen Minderheiten auch als Sündenböcke herhalten“, beklagt er.

Sint*zze und Rom*nja lebten seit über 700 Jahren im Gebiet des heutigen Deutschland, insbesondere die europäischen Abkommen zum Schutz von Minderheiten und Sprachen hätten hier große Schritte im Kampf gegen Diskriminierung bedeutet, erklärt Strauß.

Romantisiert und diskriminiert

Bis 1989 sei auch auf Verwaltungsebene in Europa der Begriff „Zigeuner“ die regelmäßige Bezeichnung Sinti*zze und Rom*nja gewesen, so Strauß, erst danach habe es Veränderungen gegeben.

In diesem Zusammenhang wundere es ihn, sagt Daniel Strauß, dass nun politisch versucht werde, die verschiedenen Volksgruppen wie Jenische und Tinker ebenfalls unter den Sammelbegriff „Roma“ zu stecken. Damit werde unterschwellig wieder das Bild des „fahrenden Volkes“ mit seinen Stereotypen gepflegt.

Junges Engagement

Besonders freuten ihn allerdings Initiativen junger Menschen wie „sintiromapride“ , erklärt der Aktivist. Darin berufen sich junge Sinti*zze und Rom*nja in den sozialen Medien und im Alltag ganz selbstverständlich auf ihre Wurzeln und ihre Kultur und fordern ein Ende der Diskriminierung.

„1Live #dummgefragt Sinti und Roma Edition Unser @shimano_petermann & unsere @iamtaisiyaschumacher waren mit weiteren Aktivisten wie z.B. @romayouthmedia bei @1live um mit Vorurteilen aufzuräumen.“

Aktionen zum internationalen Roma-Tag:

It‘s #Romaday! Wir von @romatrial_org laden heute zusammen mit einem der Best Supporter Ever Max Czollek dazu ein, dabei zu sein: Unterstützt und kommt mit auf die Straße! Livestream ab 10 Uhr auf https://t.co/6tqzGkEBON & um 15 Uhr am Sinti-Roma-Denkmal! #RomanistanIsEverywhere https://t.co/RImDRypDAA

#Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlieh heute der Holocaustüberlebenden Zilli Schmidt das #Bundesverdienstkreuz (Bild: Stiftung Denkmal) https://t.co/KhvkMoSM3y

Zum heutigen #RomaDay machen wir mit @GianniJovanovic darauf aufmerksam, dass Sinti:zze und Rom:nja immer noch stigmatisiert und diskriminiert werden. Corona hat das Leiden und die Ausgrenzung verstärkt. Behauptet nicht, Antiziganismus nicht existiere nicht, informiert euch! https://t.co/9n5K5ActeC

Heute ist #ROMADAY! Wir feiern online im Livestream, u.a. mit einem Talk um 18:00 Uhr mit Delaine Le Bas, Ágnes Daróczi, Zeljko Jovanovic und Grattan Puxon, moderiert von @esrakuecuek: https://t.co/KrBKsKRAGw Und ab 19:30 Uhr mit ROMA ARMEE im Stream: https://t.co/m3CDsV9ess https://t.co/DB6tfI9H5l

On 8 April, we celebrate International Roma Day! How to celebrate with us: 📌 Question your own biases 📌 Call out antigypsyism. 📌 Educate yourselves. 📌 Do not speak on our behalf, but give us spaces to speak up. 📌 Celebrate Roma culture & history. https://t.co/uz4mUTNdah https://t.co/ygkf957iyd

Neues Selbstbewusstsein

SWR2 Glauben Roma-Empowerment

Eine Minderheit kämpft um Teilhabe
Von Miriam Staber  mehr...

SWR2 Glauben SWR2

Gespräch Raus aus dem Schattendasein – der Rom Radoslav Ganev

Der Rom Radoslav Ganev will seine ethnische Herkunft nicht länger verschweigen. Sein Anliegen: Sinti und Roma sollen sichtbarer werden in unserer Gesellschaft. Er gründet Netzwerke.  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

Mainz

Podcast Der Podcast RYMEcast aus Mainz will jungen Sinti und Roma den Rücken stärken

Rassistische Vorurteile und Diskriminierung an Sinti und Roma sind vielerorts so normal, dass selbst einige Angehörige der Volksgruppe selbst daran glauben. Umso wichtiger ist es jungen Roma den Rücken zu stärken. Eine Aufgabe, die sich der RYMEcast aus Mainz zur Aufgabe gemacht hat. Die Macher Sejnur Memiši und Nino Novakovic liefern News und Empowerment für die Jüngeren in der deutschsprachigen Roma-Community.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Leben Erfolgreiche Sinti und Roma – Was es braucht, um stark zu sein

Drei Geschichten für den eigenen Weg: Sinti Gianni Jovanovic tritt nun offen homosexuell als Comedian auf. Romeo Franz, lange Musiker, ist seit 2018 EU-Abgeordneter. Andren Bejta zeigt Jugendlichen, wie sie die Vorurteile hinter sich lassen.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

Antiziganismus heute

Studie Studienleiter: Deutsche Sinti und Roma bei Bildung benachteiligt

Eine Studie des Verbands deutscher Sinti und Roma zeigt, dass etwa ein Drittel der jungen Erwachsenen keinen Schulabschluss hat. Mehr als die Hälfte hat keinen Berufsabschluss. Der Chef des Verbandes, Daniel Strauß, sieht verschiedene Ursachen. Wie lässt sich das Problem lösen?  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Kulturmedienschau Vier weiße Freunde finden Rassismusdebatte „nervig“ – Shitstorm für Talkshow #DieletzteInstanz | 1.2.2021

Die WDR Talk-Show „Die letzte Instanz“, moderiert von Steffen Hallaschka, sorgte mit der am 29. Januar 2021 ausgestrahlten Sendung für eine große Kontroverse in den sozialen Medien. Die geladenen Gäste aus dem Show-Business — darunter keine von Rassismus Betroffenen, keine People of Color — diskutierten recht einhellig am Beispiel der sogenannten „Zigeunersoße“, wie sehr politische Korrektheit ihrer Ansicht nach überzogen wird. Inzwischen entschuldigten sich sowohl der Sender als auch einige der Beteiligten.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch „Koloniale Mentalität“: Geschichtsbücher auf dem Prüfstand

„Weißsein ist die unsichtbare Norm“, sagt die Historikerin Bärbel Völkel nach der Durchsicht deutscher Geschichtsbücher. Diese offenbarten eine "koloniale Mentalität". Hier werde im Subtext die Idee vermittelt, nur weiße Menschen könnten deutsch sein. Sie wolle den Schulbuchautoren aber „auf gar keinen Fall“ mangelnde Bildung oder Ignoranz unterstellen, sagte Völkel in SWR2.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch Daniel Strauß: „Es gibt offenkundig ein Problem der gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und Roma“

„Es gibt offenkundig ein Problem der gleichberechtigten Teilhabe von Sinti und Roma in der deutschen Gesellschaft“, sagt Daniel Strauß, Vorsitzender des Landesverbandes der Sinti und Roma in Baden-Württemberg. Das sei ein sachliches Problem und man müsse wegkommen von der „Ethnisierung dieses Problems“. Gerade die zugewanderten Sinti und Roma aus Osteuropa und den Balkanstaaten würden häufig anders behandelt als andere Zuwanderer.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Porajmos — Erinnerung als Vermächtnis

Gespräch „Erste Welle des rassepolitischen Programms": 80. Jahrestag der Sinti- und Roma-Deportationen

„Vorbild- und Modellcharakter" hatten die Razzien vom 16. Mai 1940 gegen Sinti und Roma, urteilt der Historiker Frank Reuter. Die Polizeibehörden hätten die Aktion, die zur Verschleppung nach Polen und im Endeffekt zum Tod der Opfer führte, einzig als „logistisches Problem" angesehen, so der wissenschaftliche Geschäftsführer der Forschungsstelle Antiziganismus an der Uni Heidelberg.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Leben Von Trauer und Trotz - Die Holocaust-Überlebende Zilli Reichmann

Fünf Jahre lang hat Historikerin Jana Mechelhoff nach einer Sintezza gesucht, die als junge Frau das sogenannte „Zigeunerlager“ in Auschwitz überlebte: Zilli Reichmann.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

Karlsruhe

Kunst Beklemmender Fund: Romy Rüeggers Kunstprojekt über die Verfolgung von Fahrenden

Vor Jahren stieß Romy Rüegger durch die Recherchen ihrer Schwester auf alte Fotos von fahrenden, oft jenischen Familien, die im 19. Jahrhundert hier im Dreiländereck gelebt hatten. Die Künstlerin fand heraus, dass es sich um Fahndungsbilder handelte, die systematisch angefertigt und auf alle Polizeistationen verteilt worden waren.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Literatur Zilli Schmidt, „Gott hat mit mir etwas vorgehabt!“

Mit 96 Jahren hat sich die Auschwitz-Überlebende Zilli Schmidt ein Herz gefasst und von ihren Erfahrungen erzählt: von einer glücklichen Zeit, als die Sinti-Familie mit einem Wanderkino von Dorf zu Dorf zog. Mit der Machtübernahme der Nazis werden sie als „Zigeuner“ schikaniert, verfolgt und schließlich ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort muss Zilli Schmidt die Ermordung von Eltern, Geschwistern und ihrer eigenen Tochter erleben. Sie selbst überlebt. „Gott hat mit mir etwas vorgehabt!“ heißt denn auch der Titel ihrer Biographie.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

Stuttgart Geschwister Kurz: Studienobjekte für Doktorarbeit in Rassenkunde

Am 9.5.1944 wurden zahlreiche Kinder aus Sinti und Roma - Familien aus württembergischen Heimen nach Auschwitz deportiert. Unter ihnen waren auch die Geschwister Kurz.  mehr...

Stuttgart Maria Reinhardt: "Das hätte sie nicht machen sollen."

Ab 17. Oktober 1939 durften Sinti und Roma ihren Wohnort ohne Genehmigung nicht mehr verlassen. Ein Verbot, das fatale Folgen für Maria Reinhardt hatte: sie hatte ihren Verlobten besuchen wollen....  mehr...

Reiche Musikalische Tradition

Sinti-Jazz Gismo Graf Trio: Zum 10jährigen Jubiläum mitreißender und moderner Gypsy-Swing

Das Gismo Graf Trio bringt die Zuhörer*innen zum Swingen. Ausflüge in die Klassik, Pop und Folk-Musik finden sich auf ihrem neuen, abwechlungsreichen Album „10 Years – A Trio's Decade“. Der Gypsy-Swing des Stuttgarter Trios klingt frisch und modern – damit zeigen die Musiker einmal mehr, dass sie zur Spitze der europäischen Sinti-Jazzer gehören.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Sinti Jazz Ein Ausnahmetalent - Der Sinti-Musiker Franz Schnuckenack Reinhardt wäre heute 100 Jahre alt geworden

Der Geiger Franz Schnuckenack Reinhardt war einer der bekanntesten Sinti-Musiker Deutschlands. Ein Ausnahmetalent, das alles spielen konnte zwischen Czardas und Jazz und das ab den 60er Jahren mit seinem Quintett regelmäßig zu Gast auf den Fernsehbühnen war.
Er lieferte den Nachkriegsdeutschen die fröhlich-folkloristische Musik, die sie so gerne mochten, obwohl er den Nazis mehrmals nur knapp entkommen ist. Schnuckenack Reinhardt, der im pfälzischen Weinsheim geboren wurde und zuletzt in Sankt Leon Rot bei Heidelberg lebte, wäre am 17. Februar 100 Jahre alt geworden.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Jazz Extraklasse: „Live from Porgy & Bess“ das Diknu Schneeberger Trio

Im Jahr 2000 hat der Jazz-Club „Porgy & Bess“ neue Räumlichkeiten in die Wiener Innenstadt bezogen. Im Keller befindet sich ein hochmodernes Tonstudio, das mit der Bühne verkabelt ist. Während der Corona-Zwangspause realisierte der Gitarrist Diknu Schneeberger dort mit seinem Trio eine neue CD, wenn auch ohne Publikum.
Der 1990 in einer Sinti-Familie geborene Schneeberger gehört zu den überragenden Musiktalenten aus der Musikmetropole Wien.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

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