Architektur

Der „Quay Quarter Tower“ in Sydney wird mit dem Internationalen Hochhauspreis ausgezeichnet

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AUTOR/IN
Franziska Kiedaisch

Für den Städtebau wird es eng: Immer weniger freie Flächen, insbesondere in Ballungszentren, stellen Architekten und Architektinnen vielerorts vor Herausforderungen. Hochhäuser können da eine sinnvolle und praktikable Lösung sein. In Frankfurt wurde nun ein vorbildlicher Wolkenkratzer mit dem Internationalen Hochhaus Preis ausgezeichnet: Der „Quay Quarter Tower“ in Sydney des dänischen Architekturbüros 3XN.

Bilder des Siegers Internationaler Hochhaus Preis 202223 (Foto: Adam Mork)
Der Sieger des Internationalen Hochhaus Preises 2022/23: Der „Quay Quarter Tower“ in Sydney des Architekturbüros 3XN aus Kopenhagen. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen
Die offen gestaltete Eingangshalle im Sockel empfängt die Besucher des Turms. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen
Die Module der Fassade, die sich um die fünf Blöcke des Turms wickeln, reduzieren die Sonneneinstrahlung im Quay Quarter Tower um bis zu 30 Prozent. Phil Noller Bild in Detailansicht öffnen
Durch die reduzierte Sonneneinstrahlung konnte unter anderem auf interne Jalousien verzichtet und zugleich die unvergleichliche Aussicht auf den Hafen gewährleistet werden. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen
Die Circular Quay Area grenzt unmittelbar an die Sydney Cove, die Bucht hinter dem berühmten Opernhaus. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen
Die Drehung der Module wird von unten durch die immer weiter auskragende Gebäudespitze deutlich. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen
Die Etagen sind zum Hafen hin durch mehrstöckige Atrien miteinander verbunden. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen
Insbesondere aus den Atrien bietet das Hochhaus laut Jury einzigartige Ausblicke auf das Opernhaus, den Hafen sowie den Botanischen Garten. Adam Mork Bild in Detailansicht öffnen

100 Meter oder höher: Nur echte Kolosse kommen in die Auswahl

Alle zwei Jahre blickt ein Teil der Architekturszene gespannt nach Frankfurt am Main. Denn dort wird seit 2004 der Internationale Hochhauspreis gemeinsam von Stadt, Deutschem Architekturmuseum (DAM) und der DekaBank verliehen.

Neu errichtete Gebäude ab einer Höhe von 100 Metern können ausgezeichnet werden. Die Jury legt dabei laut eigenem Bekunden nicht nur Wert auf die äußere und innere Gestaltung des Bauwerks, sondern ebenso auf Nachhaltigkeit, soziale und städtebauliche Aspekte, innovative Bautechnik und Wirtschaftlichkeit.

Der Sieger überzeugt mit einem nachhaltigen Konzept

Mit dem „Quay Quarter Tower“ in Sydney erhält den Internationalen Hochhauspreis 2022/23 nun ein Gebäude, das sich durch eine nachhaltige Bauweise auszeichnet, so die Jury in ihrer Begründung.

An dem Standort des Hochhauses, in dem zentralen Geschäftsviertel Circular Quay Area, befand sich bisher ein klassischer Büroturm, der nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügte. Man entschied sich gegen einen Abriss und integrierte stattdessen große Teile der bestehenden Tragstruktur in ein neues Hochhaus. So habe man laut Jury zwei Drittel der Träger, Stützen und Geschossplatten sowie fast den kompletten Kern aus den 1970er-Jahren erhalten können. Verglichen mit einem vollständigen Abriss und herkömmlichen Neubau habe dieses Vorgehen zu einer Einsparung von fast 7.500 Tonnen Kohlenstoff geführt.

Fünf Gebäude auf der Short List

Die Jury wählte den Sieger aus fünf Finalisten aus, die im September benannt wurden. Neben dem „Quay Quarter Tower“ des Architekturbüros 3XN waren dies das „Vancouver House“ der BIG – Bjarke Ingels Group in Kanada, „The Bryant“ in New York von David Chipperfield Architects, die „State Courts“ in Singapur von Serie Architects und die „TrIIIple Towers“ in Wien von Henke Schreieck Architekten.

Diese vier Hochhäuser konkurrierten mit dem „Quay Quarter Tower“ zuletzt um den Sieg:

Finalisten für den Internationalen Hochhauspreis (Foto: Christian Pichlkastner)
Henke Schreieck Architekten (Wien, Österreich): TrIIIple Towers (Wien, Österreich). Im 3. Wiener Gemeindebezirk, direkt am Donaukanal gelegen, befindet sich das Hochhaus-Ensemble aus drei im Dialog miteinander stehenden Wohntürmen. Christian Pichlkastner Bild in Detailansicht öffnen
Henke Schreieck Architekten: TrIIIple Towers. Die Geschossflächen sind sowohl für diverse Büroorganisationssysteme als auch für verschiedene Wohnungskonzepte geeignet. Diese Option der flexiblen Umnutzung stellt laut Jury eine nachhaltige Antwort auf sich verändernde Bedingungen und Lebensentwürfe dar. Ana Barros Bild in Detailansicht öffnen
Serie Architects (London, Großbritannien), Multiply Architects (Singapur) mit CPG Consultants (Singapur): Singapore State Courts (Singapur). Der neue Gerichtskomplex der Singapore State Courts ist dreimal so groß wie das ursprünglich bestehende Gebäude aus den 1970er-Jahren. Der Erhalt des oktogonalen Baus sowie die relativ kleine Grundstücksfläche erforderten eine Stapelung der insgesamt 53 Gerichtssäle und 54 Verhandlungskammern. Khoogj Bild in Detailansicht öffnen
Serie Architects, Multiply Architects mit CPG Consultants: Singapore State Courts. Im Gegensatz zu konventionellen Gerichtsgebäuden, die meist horizontal angeordnet sind und optisch verschlossen wirken, sind die neuen State Courts vertikal angeordnet und machen durch das Weglassen einer äußeren Fassade einen für die Öffentlichkeit zugänglichen Eindruck. Khoogj Bild in Detailansicht öffnen
David Chipperfield Architects (London, Großbritannien): The Bryant (New York, USA). Umgeben von historischen Nachbarn wie der New York Public Library steht das 33-stöckige Hotel- und Wohnhochhaus an der südwestlichen Ecke des Bryant Parks in Midtown Manhattan. Simon Menges Bild in Detailansicht öffnen
David Chipperfield Architects: The Bryant. Die Fassade des Gebäudes folgt einem strikten Raster aus polierten Betonfertigteilplatten und -stützen. So unterscheidet sich das Hochhaus von den New Yorker Neubauten mit Glasfassade und verleiht dem Gebäude gleichzeitig ein klassisches Erscheinungsbild. Simon Menges Bild in Detailansicht öffnen
BIG – Bjarke Ingels Group (Kopenhagen, Dänemark / New York, USA): Vancouver House (Vancouver, Kanada). Das Ensemble aus gemischt genutztem Sockel und schlankem Wohnturm befindet sich am wichtigsten Stadtzugang Vancouvers. Der Entwurf sah vor, an dieser Stelle bestehende Blickachsen durch die Stadt zu erhalten und gleichzeitig die bis dahin wenig attraktive Umgebung zu beleben. Laurian Ghinițoiu / Westbank Corp / BIG – Bjarke Ingels Group Bild in Detailansicht öffnen
BIG – Bjarke Ingels Group: Vancouver House. Aufgrund der Einbettung in die bestehende Architektur war die zu nutzende Grundfläche für das Vancouver House auf ein verhältnismäßig kleines Dreieck beschränkt – und galt als fast nicht bebaubar. Diese Voraussetzung erklärt die ungewöhnliche Form des Wohnturms, der an seiner Basis dreieckig ist und nach oben hin zu einem Rechteck erweitert wird. Die verlorene Fläche wird auf diese Art zurückgewonnen. Laurian Ghinițoiu / Westbank Corp / BIG – Bjarke Ingels Group Bild in Detailansicht öffnen

Die meisten Wolkenkratzer werden nach wie vor in China gebaut

Nach wie vor werden nirgends so viele Hochhäuser wie in China gebaut: rund jeder dritte neue Wolkenkratzer mit einer Höhe von mehr als 100 Metern ist hier zu finden.

Doch auch in anderen Teilen der Welt etabliert sich das Hochhaus, denn in Zeiten zunehmenden Platzmangels und der Kritik an der Versiegelung von Flächen sind Hochhäuser vielerorts oftmals die einzige Möglichkeit, Städte weiter zu verdichten.

In diesem Jahr wurden 34 Projekte aus 13 Ländern für die Auszeichnung mit dem Preis nominiert. Darunter waren auch zwei Gebäude in Frankfurt am Main: das „One“ von Meurer Architekten im Europaviertel und das „Senckenberg Quartier“ von Cyrus Moser Architekten. Die ebenfalls nominierte Große Moschee von Algier wurde vom Frankfurter Architekturbüro KSP ENGEL umgesetzt.

Eine Auswahl nominierter Gebäude sehen Sie hier:

Nominierte für den Hochhauspreis (Foto: Wicona / Mediashots)
Cyrus Moser Architekten (Frankfurt am Main): Senckenberg Quartier (Frankfurt am Main) Wicona / Mediashots Bild in Detailansicht öffnen
KSP ENGEL (Frankfurt am Main): Great Mosque of Algiers Tower (Algier, Algerien) KSP ENGEL / Wassil Ahmed Badaou Bild in Detailansicht öffnen
Safdie Architects (Somerville, USA): Altair (Colombo, Sri Lanka) Space 80 Architectural Photography Bild in Detailansicht öffnen
Nikken Sekkei (Tokio, Japan): Museum Tower Kyobashi (Tokio) Harunori Noda Bild in Detailansicht öffnen
WilkinsonEyre Architects (London, Großbritannien): One Barangaroo (Sydney, Australien) Tom Roe Bild in Detailansicht öffnen
gmp Architekten von Gerkan, Marg und Partner (Hamburg): Shandong Port Tower (Qingdao, China) CreatAR Images Bild in Detailansicht öffnen
Meurer Architekten (Frankfurt am Main): One (Frankfurt am Main) CA Immo / Klaus Helbig Bild in Detailansicht öffnen
Foster + Partners (London, Großbritannien): DJI Headquarters (Shenzhen, China) Zhang Chao Bild in Detailansicht öffnen
Studio Gang (Chicago, USA): One Hundred (St. Louis, USA) Tom Harris Bild in Detailansicht öffnen
WOHA (Singapur): Hills and Valleys (Shenzhen, China) Tim Griffith Bild in Detailansicht öffnen
SHoP Architects (New York, USA): 111 West 57th Street (New York) David Sundberg / ESTO Bild in Detailansicht öffnen
Kohn Pedersen Fox Associates (New York, USA): One Crown Place (London, Großbritannien) TMNikonian Bild in Detailansicht öffnen
Kohn Pedersen Fox Associates (New York, USA): Bundang Doosan Tower (Seoul, Südkorea) Time of Blue Bild in Detailansicht öffnen
Studio Gang (Chicago, USA): The St. Regis Chicago (Chicago) Angie McMonigal Bild in Detailansicht öffnen

Gespräch Internationaler Hochhauspreis für Recycling-Tower in Sidney: „Abreißen ist Unsinn und klimaschädlich“

Nicht so sehr die Ästhetik, sondern die Bauweise sei das spannende an dem ausgezeichneten Hochhaus in Sydney, sagt der Architekturkritiker Nikolaus Bernau in SWR2. Das australische Hochhaus bestehe zu etwa 75 Prozent aus einem anderen, älteren Hochhaus. Es sei „bautechnisch hochinteressant und wirklich nachhaltig gebaut“, erklärt Bernau.

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Peter Cachola Schmal: Hochhaus-Architektur

Deutschland ist nicht gerade das Land der Wolkenkratzer. Vor allem als Wohngebäude sind Hochhäuser hier eher unbeliebt. Dennoch sind sie die Wohnarchitektur der Zukunft, denkt Peter Cachola Schmal vom Deutschen Architekturmuseum. Interview: Nicole Dantrimont.

SWR2 Matinee SWR2

Film „High Rise Cinema“ – Wolkenkratzer-Kino in Frankfurt

Im Sommer locken Open-Air-Veranstaltungen zu Freilichtbühnen und Terrassen-Konzerten: In Burgen, an Flussauen oder auf Schiffen gibt es sommerlichen Kulturgenuss. Der Frankfurter Filmkulturverein „Lichter“ hat sich nun etwas einfallen lassen, was in dieser Form – zumindest deutschlandweit - nur in der Banken-Metropole möglich ist: ein Hochhaus-Kinofestival.

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Architektur Häuser für die Wüste – Klimagerechtes Bauen im Sand

Wolkenkratzer in Wüstenregionen? Nicht gerade ökologisch. Es gibt bessere, klimaangepasste Baukonzepte. Zum Beispiel Häuser zum Zusammenstecken mit Bausteinen aus Wüstensand.

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Franziska Kiedaisch