Gespräch

Intensivstationen vor dem Kollaps – „Es wird von Tag zu Tag schwieriger“

STAND
INTERVIEW

„In der vierten Welle haben wir jetzt das neue Phänomen, dass unsere Mitarbeiter*innen erschöpft sind“, sagt Prof. Dr. med. Mark-Dominik Alscher, medizinischer Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart.

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Mitarbeitende empfinden ein Gefühl der Enttäuschung

Viele hätten das Gefühl, es gebe kein richtiges Ende der Pandemie. Die Folge dieser Erschöpfung sei, dass wir nicht mehr so viele Betten anbieten können, wie in der zweiten und dritten Welle, sagt Mark-Dominik Alscher.

Es gebe bei den Mitarbeitern ein großes Gefühl der Enttäuschung, man fühle sich allein gelassen. „Die Menschen haben sich nicht impfen lassen und wir müssen das jetzt ausbaden“, so könne man dieses Gefühl beschreiben.

Jedes Intensivbett im Stuttgarter Bosch-Krankenhaus ist belegt

Hinzu komme, dass die finanzielle Ausstattung der Stellen nicht als Wertschätzung wahrgenommen werde. Viele würden nun ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Beruf zu wechseln.

Am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart sei die Lage inzwischen so, dass jedes betreibbare Intensiv-Bett belegt ist. Das gehe auch jetzt schon auf Kosten der Nicht-Covid-Patienten. Herz-Patienten*innen beispielsweise könnten nicht mehr optimal versorgt werden.

Bei großen Herz-Eingriffen gebe es bereits eine Warteliste, die über 200 Patienten umfasst. Das seien schwerkranke Patienten, sagt Mark-Dominik Alscher. „Und da passiert es auch immer einmal wieder, dass der eine oder andere das Warten auf der Liste nicht überlebt.“

Tagesgespräch Kanzleramtsminister Helge Braun: "Eine allgemeine Impfpflicht kommt in Deutschland nicht in Frage"

Der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) hat eine allgemeine Corona-Impfpflicht in Deutschland erneut ausgeschlossen. "Ich bin dafür, dass wir jetzt in Einrichtungen, wo besonders vulnerable Gruppen sind, zum Beispiel in Pflegereinrichtungen so etwas erwägen und gesetzlich auf den Weg bringen aber eine allgemeine Impfpflicht, das haben wir bisher nur dann gemacht, wenn die WHO die Ausrottung einer infektiösen Krankheit ausgerufen hat", sagte Braun im SWR Tagesgespräch. Das werde aber bei Corona nicht gelingen, weil das Virus sowohl beim Menschen als auch bei Tieren vorkomme und deshalb dauerhaft bleiben werde.
Auf die Frage wie einig die Unionsparteien mit Blick auf eine Verlängerung der epidemischen Lage seien sagte Braun, der auch für den CDU-Vorsitz kandidiert: "Noch vor einigen Wochen hatten auch bei uns viele die Hoffnung, dass wir mit einer solchen Impfquote in den Winter gehen, dass es vermeidbar ist. Aber jetzt gibt es keine Diskussion mehr", so Braun. Die Impfquote sei einfach noch zu niedrig.
In der Debatte um eine mögliche Deckelung des Biontech-Impfstoffs stellte Braun klar, dass für die Zeit bis Weihnachten insgesamt 24 Millionen Biontech-Impfdosen verfügbar seien. Damit sei genügend Impfstoff vorhanden, um Jugendliche erstmals zu impfen und Erwachsenen die Auffrischung zu ermöglichen. „Alles, was der Bund erhält, wird ausgeliefert“, so Braun.  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Gespräch ZDF-Drama „Die Welt steht still“: Die Corona-Pandemie ist im Spielfilm angekommen

„Es ist ein Stück Geschichte inzwischen und wir müssen uns damit auseinandersetzen“, erzählt Anno Saul, Regisseur von „Die Welt steht still“. Die ZDF-Produktion erzählt die fiktive Geschichte einer Oberärztin in Konstanz, gespielt von Natalia Wörner, die im Krankenhaus den Ausbruch der Pandemie miterlebt und selbst an Covid erkrankt.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Philosophin Sabine Döring: In der vierten Corona-Welle nicht mit „Spaltung der Gesellschaft“ drohen

Die befürchtete „Spaltung der Gesellschaft“ während der vierten Welle der Corona-Pandemie sei zunächst nur eine Metapher, so die Tübinger Philosophin Sabine Döring in SWR2. Spalten könne man Holzscheite oder Atomkerne. Zwar passe die Metapher auf den Streit zwischen Geimpften und Ungeimpften, da es für deren Status kein „Dazwischen“ gebe. Sie werde aber nun als „Drohkulisse“ gegen Corona-Maßnahmen in Anschlag gebracht, „so nach dem Motto: Wenn wir die Ungeimpften noch weiter aufbringen, vertiefen wir den Spalt in der Gesellschaft.“
Oft werde dabei vorgespiegelt, dass eine solche Spaltung unbedingt verhindert werden müsse, im Zweifelsfall auch um den Preis von Menschenleben. Solchen Auffassungen sei energisch zu widersprechen, so Döring.
Impfgegner seien letztlich „Trittbrettfahrer“, da sie gesellschaftliche Leistungen des Gesundheitssystems für sich in Anspruch nähmen, ohne sich selbst solidarisch zu verhalten. Es sei dabei nicht entscheidend, ob solches Verhalten nur durch Unwissenheit oder durch das bewusste Leugnen von Fakten ausgelöst werde.
Ähnliches gelte für die Beschwörung gesellschaftlicher Freiheiten, die Entscheidung über eine Impfung also ganz in das Ermessen des einzelnen zu stellen. De facto bedeute das, die gesundheitlichen Folgen dem Krankenhauspersonal zu überlassen.
Sie selbst, so Döring, plädiere für eine Impfpflicht zumindest für bestimmte Berufsgruppen. In anderen Ländern würden dazu bereits personalisierte Impfaufforderungen verschickt. Solche Mittel seien in Deutschland noch nicht ausgeschöpft.
Sabine Döring ist Professorin für Praktische Philosophie und Ethik an der Universität Tübingen.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

SWR Wissen Labore am Limit - Hat das Auswirkungen auf Corona-Inzidenz?

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz ist nach wie vor hoch. Irgendwann stellt sich die Frage: Kommen die Testlabore noch hinterher?  mehr...

SWR Wissen Was weiß man über die neue Cornoavirus-Variante aus Südafrika?

In Südafrika wurde eine neue Variante des Coronavirus namens Omikron entdeckt, die möglicherweise noch ansteckender sein könnte als die aktuelle Delta-Variante.  mehr...

Baden-Württemberg

SWR Aktuell Baden-Württemberg will Freizeit- und Kulturveranstaltungen deutlich einschränken

Damit Weihnachten nicht zur Katastrophe wird, schreitet BW mit harten Corona-Regeln voran. Öffentliche Veranstaltungen sollen untersagt oder reduziert werden - auch für Geimpfte.  mehr...

Gespräch „Die jetzige Situation war erwartbar“: WHO-Mitglieder beraten über Pandemievorsorge

Die Situation, die man jetzt habe, sei vollkommen erwartbar gewesen, sagt der Virologe und Epidemiologe Klaus Stöhr im Gespräch mit SWR2. Die Impfung sei natürlich der Ausweg aus der Pandemie, aber insgesamt sei eine ausgewogene Vorgehensweise bei der Bekämpfung einer Pandemie notwendig. Damit dürfe man aber neben Impfungen nicht die konventionellen Maßnahmen wie Masken tragen, Abstand halten und Kontaktreduzierung aus den Augen verlieren. „Das sehen wir ja jetzt besonders dort in Deutschland, wo auch die Impfdecke nicht so gut ist, nämlich in Bayern, Thüringen und Sachsen," so Stöhr. Und dass Europa insgesamt momentan laut WHO das Epizentrum der Pandemie sei, habe mit der Jahreszeit zu tun und zudem damit, dass auch in vielen osteuropäischen Ländern die Impfdecke viel geringer sei.
Die Ausbreitung von Varianten könne man nicht verhindern, aber man hätte von Anfang an ein besseres Verteilungssystem etablieren können. Wie also kann man Impfstoff gerecht verteilen? Wie informiert man über neue Varianten? Wie kann man sich auf die nächste Pandemie besser vorbereiten? All das, so der Virologe, müsse heute bei dem Sondertreffen der WHO-Mitgliedsstaaten besprochen werden.
Die 194 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation WHO treffen sich heute in Genf zu einer Sondersitzung und beraten über internationale Maßnahmen zur verbesserten Eindämmung der Pandemie  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

SWR Wissen EMA empfiehlt Zulassung des Biontech-Impfstoffs für Kinder

Die Europäische Arzneitmittelagentur EMA empfiehlt die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech für Kinder zwischen fünf und elf Jahren.  mehr...

Gespräch Intensivstationen vor dem Kollaps – „Es wird von Tag zu Tag schwieriger“

„In der vierten Welle haben wir jetzt das neue Phänomen, dass unsere Mitarbeiter erschöpft sind“, sagt Prof. Dr. med. Mark-Dominik Alscher, medizinischer Geschäftsführer des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart. Viele hätten das Gefühl, es gebe kein richtiges Ende der Pandemie. Die Folge dieser Erschöpfung sei, dass wir nicht mehr so viele Betten anbieten können, wie in der zweiten und dritten Welle, sagt Mark-Dominik Alscher.
Es gebe bei den Mitarbeitern ein großes Gefühl der Enttäuschung, man fühle sich allein gelassen. „Die Menschen haben sich nicht impfen lassen und wir müssen das jetzt ausbaden“, so könne man dieses Gefühl beschreiben. Hinzu komme, dass die finanzielle Ausstattung der Stellen nicht als Wertschätzung wahrgenommen werde. Viele würden nun ihre Arbeitszeit reduzieren oder den Beruf zu wechseln.
Am Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart sei die Lage inzwischen so, dass jedes betreibbare Intensiv-Bett belegt ist. Das gehe auch jetzt schon auf Kosten der Nicht-Covid-Patienten. Herz-Patienten:innen beispielsweise könnten nicht mehr optimal versorgt werden. Bei großen Herz-Eingriffen gebe es bereits eine Warteliste, die über 200 Patienten umfasst. Das seien schwerkranke Patienten, sagt Mark-Dominik Alscher. „Und da passiert es auch immer einmal wieder, dass der eine oder andere das Warten auf der Liste nicht überlebt.“  mehr...

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