Gespräch

Integrationsexperte: Ferda Ataman an ihrer Arbeit als Antidiskriminierungsbeauftragte messen

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Martin Gramlich

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Um die designierte Antidiskriminierungsbeauftragte des Bundes, Ferda Ataman, werde eine Scheindebatte geführt, sagt der Sozialwissenschaftler Cihan Sinanoglu vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung in SWR2.

Statt sich um den Begriff der Kartoffel und Vorwürfe zu streiten, dass Ataman die „Mehrheitsgesellschaft“ in Deutschland beleidigt habe, müsse man sich um die institutionelle und strukturelle Diskriminierung von Einwanderern, Frauen und LGBTQ-Gruppen kümmern. Probleme gebe es auf dem Arbeitsmarkt und im Bereich der Bildung.

Messen lassen müsse sich Ferda Ataman letztlich daran, wie sie das Amt der Antidiskriminierungsbeauftragten ausüben werde findet Sinanoglu. Er rate in der Debatte zu mehr Gelassenheit.

Am 7.7.2022 stellt sich Ferda Ataman stellt im Bundestag zur Wahl als Antidiskriminierungsbeauftragte.

Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Kartoffel-Streit um Ferda Ataman: Schadet Identitätspolitik der Debattenkultur?

Das Schimpfwort „Kartoffel“ irritiere viele Deutsche, weil sie es als Teil der Mehrheit nicht gewohnt seien, mit gruppenbezogenen Schimpfwörtern bedacht zu werden. Das erklärt der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Anders als ein klassisches Schimpfwort, zum Beispiel „Arschloch“, würdigt „Kartoffel“ eine ganze Gruppe von Menschen herab. Die Debatte ist hochgekocht, im Zuge der Wahl von Ferda Ataman zur Antidiskriminierungsbeauftragten der Bundesregierung. Ataman hatte sich in einem Blogbeitrag mit dem Gebrauch des Schimpfworts auseinandergesetzt, eine Vielzahl an Kritikern hatte ihr das zum Vorwurf gemacht. Eine von vielen Debatten, die identitätspolitisch angeheizt, die eigentliche Sache aus dem Fokus zu verlieren drohen. Andrea Römmelin erklärt im Podcast, warum das nicht nur schlecht ist für die Debattenkultur.

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Host: Max Knieriemen
Redaktion: Max Knieriemen und Daniel Stender  mehr...

Kulturmedienschau Kritik an Ferda Ataman ist Kampagnenjournalismus | 7.7.2022

Die in den Medien erhobenen Vorwürfe gegen Ferda Ataman, seit ihrer Nominierung zur Antidiskriminierungsbeauftragten der Bundesregierung sind seit Wochen fast immer dieselben: Sie habe Deutsche als „Kartoffel“ beleidigt. Sie habe sich in ihrer Arbeit nicht zu Ehrenmorden, Zwangsehen, Rassismus unter Migranten und Antisemitismus unter Muslimen geäußert. Aber stimmt das eigentlich alles, hakt nun heute ein kleiner Teil des Feuilletons doch noch mal selbstkritisch nach.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Tagesgespräch Rassismus-Monitor: 90 Prozent Problem-Bewusstsein in der Bevölkerung

Sie sei schockiert gewesen, hat Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen) gesagt. Es geht um die Studie zum Nationalen Diskriminierungs- und Rassismus-Monitor, die die Ministerin heute vorgestellt hat. Sie belegt durch die Befragung von 5.000 Personen: Rund 90 Prozent der Menschen in Deutschland denken, dass es hier ein Rassismus-Problem gibt. Das zeige ein großes Bewusstsein für diese Missstände – eines, das auch die für die Studie verantwortliche Direktorin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), Naika Foroutan, überrascht hat, wie sie im SWR-Tagesgespräch mit Pascal Fournier bezeugt.  mehr...

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Forum Neue Migrationspolitik – Werden wir ein modernes Einwanderungsland?

Claus Heinrich diskutiert mit
Stefan Aust, Herausgeber WeltN24
Prof. Dr. Petra Bendel, Politikwissenschaftlerin, Sachverständigenrat für Integration und Migration
Prof. Dr. Herbert Brücker, Ökonom, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung  mehr...

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