Gespräch

Instagram-Expertin Clare Devlin über Influencer*innen, lebende Werbetafeln und soziale Vernetzung

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„Influencer*innen bedienen das, was junge Menschen gerade sehen wollen: ganz viel persönliche Nahbarkeit“, sagt die Journalistin und Instagram-Expertin Clare Devlin. Medienhäuser und Unternehmen könnten von diesen Strategien durchaus etwas lernen.

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Das Influencer-Dasein habe aber auch negative Seiten. Influencer*innen seien vielfach „lebende Werbetafel“. Es sei kritisch, wenn junge Menschen nicht verstehen, dass Influencer*innen einen Job machten und hinter sozialen Medien wie Instagram große Unternehmen und ihre Interessen stünden.

Medienkompetenz gefordert, um Bilder einzuordnen

Dort gehe es ums Geldverdienen, so die Medien-Expertin, die unter anderem eine Agentur betreibt, die Unternehmen bei ihrem Instagram-Auftritt berät.

Damit junge Menschen die Auftritte von Influencer*innen einordnen können, müsse ihnen mehr Medienkompetenz vermittelt werden, meint Clare Devlin. Vor allem das Körperbild, das gerade von jungen Influencer*innen über Instagram vermittelt werde, sei oft sehr problematisch.

Körperbilder können unterschiedlich inszeniert werden

Hier entstehe über gefilterte Bilder, Schönheits- und Schlankheitsideale eine großer Perfektionsdruck für junge Menschen. Bei älteren Zielgruppen gebe es aber durchaus auch Gegenbeispiele, wo nicht nur das „geschönte und gefilterte Ich“ einer Person inszeniert werde.

Soziale Medien sollten auch soziale Probleme ansprechen

Es sei schade, dass im Influencer-Bereich nicht thematisiert werde, „was gesellschaftlich wichtig soziale Probleme sind“, meint Clare Devlin, die auch für das Instagram-Format „Mädelsabends“ von funk arbeitet. Dennoch seien auch in den sozialen Netzwerken hohe Reichweiten mit kritischen Themen wie „Gewalt gegen Frauen, Depressionen und Suizid“ zu erreichen.

Es gebe ein großes Bedürfnis, sich über diese Themen auszutauschen. Die Sozialen Medien seien auch eine Chance, sich jenseits der großen Werbemacht der Internetkonzerne zu vernetzen.

Gästin bei den Stuttgarter Medientagen

Diese Frage greift Clare Devlin auch bei den 43. Stuttgarter Tagen der Medienpädagogik auf, in einem Vortrag mit dem Thema „Warum wir alle ein bisschen Influencer sein müssen. Die Notwendigkeit Influencer-Mechanismen zu nutzen, um junge Menschen zu erreichen“.

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