Gespräch

Ingo Zamperoni und die Generation TikTok: Tagesthemen-Moderator lehrt Journalismus in Stuttgart

STAND
INTERVIEW

Als Honorarprofessor an der Hochschule der Medien in Stuttgart möchte Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni auch selbst etwas von den angehenden Journalistinnen und Journalisten lernen, sagt er in SWR2: „Ich möchte mitbekommen, wie die nächste Generation rangeht an die Sache, was sie sich vorstellt“, sagt der Anchor des Nachrichtenflaggschiffs im Ersten.

Audio herunterladen (7,7 MB | MP3)

Generation Z interessiert sich für Politik

Klischees über den journalistischen Nachwuchs stimmten für ihn nicht, „von wegen Politikverdrossenheit, alle wollen Influencer werden und haben Tiktok am Start“. Ingo Zamperoni: „Ich glaube, dass es da durchaus großes Interesse für Politik gibt, für journalistische Inhalte und dass die gelernt werden wollen.“

Der bekannte Leitsatz von Ex-Tagesthemen Moderator Hans-Joachim Friedrichs, dass man sich auch mit einer guten Sache nicht gemein machen dürfe, werde oft falsch verstanden, meint Zamperoni. „Ich glaube nicht, dass Hans-Joachim Friedrichs damit meinte, dass Journalisten neutrale, komplett emotionslose und distanzierte Wesen sein müssen, die keine Meinung zu etwas haben dürfen.“

Persönliche Meinung nicht zu sehr einfließen lassen

Entscheidend sei, wie sich die eigene Haltung auf die Arbeit auswirke. „Ich glaube, wir tun gut daran als Journalisten, uns zurückzunehmen und nicht unsere persönliche Meinung zu sehr einfließen zu lassen.“

Ingo Zamperoni ist überzeugt: „Man muss eine Haltung haben bezüglich dessen, was jenseits der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ist, bezüglich dessen, was Extremismus betrifft – da haben wir eine Verantwortung als Journalisten, auch der Gesellschaft gegenüber.“

Gespräch 75 Jahre deutsche Mediengeschichte mit dem ,,Spiegel": ,,Sich selbst feiern gehörte schon immer dazu"

Vor 75 Jahren, am 4. Januar 1947, erschien der erste ,,Spiegel“. Seitdem habe das Nachrichtenmagazin nicht nur die Medien-, sondern auch die politische Geschichte der Bundesrepublik mitgeprägt, sagt Volker Lilienthal, der an der Universität Hamburg Journalistik lehrt, in SWR2.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch TikTok goes YouTube: Videos können nun 3 Minuten lang werden

„Ab jetzt wird YouTube angegriffen“, sagt TikTok-Experte Markus Bösch, „und vielleicht ist TikTok nun auch dabei das Fernsehen des 21. Jahrhunderts zu werden“. Auf den ersten Fernsehern können man auch schon Inhalte des sozialen Netzwerks mit mittlerweile über 2 Milliarden Nutzern konsumieren. Regelmäßig schreibt der ausgebildete Journalist in seinem internationalen Newsletter „Understanding-tiktok“ über die Entwicklungen auf der Plattform, das bekannt geworden ist für kurze Tanzvideos mit schnellen Schnitten. „Ich nehme an, die Bildsprache wird sich verändern“ und somit wird es noch mehr Raum geben für Videos mit einer höheren Informationsdichte. Die Tagesschau machte es bereits seit Ende 2019 vor und hat für ihren Kanal vor ein paar Wochen den Online Grimme Award erhalten.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

27.10.1962 „Bedingt abwehrbereit“: Beginn der Spiegel-Affäre

27.10.1962 | Am Abend des 26. Oktober 1962 besetzte die Polizei Redaktionsräume des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ im Hamburger Pressehaus. Vorausgegangen waren Berichte des „Spiegel“, die sehr kritisch gegenüber der Politik von Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU) waren. Insbesondere der Artikel, der am 10. Oktober 1962 unter der Überschrift „Bedingt abwehrbereit“ erschienen war.
Der Artikel kam zu dem Ergebnis, dass die Verteidigungsstrategie der Bundeswehr im Fall eines sowjetischen Angriffs nicht funktionieren würde. Die Bundeswehr sei dafür zu schlecht ausgestattet.
Diesen Artikel und die darin enthaltenen Details betrachteten Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und Verteidigungsminister Strauß als Landesverrat, aber auch Bundesanwalt Albin Kuhn sah das so.
Am 23. Oktober 1962 ergingen Haftbefehle, drei Tage später schlug das Bundeskriminalamt zu und am folgenden Morgen, dem 27. Oktober 1962, informierte der Verlag die Öffentlichkeit über die Vorgänge.
Später, am selben Tag, befragen Journalisten die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe, worüber wiederum der Südwestfunk berichtete. Darin fällt auch das Stichwort „Onkel Aloys“. Unter diesem Titel war im September bereits ein Strauß-kritischer Artikel im Spiegel erschienen – und zwar darüber, dass ein enger Vertrauter der Strauß-Familie, Aloys Brandenstein, durch Rüstungsgeschäfte der Bundesregierung Millionen an Provisionsgeldern kassiert habe.
Minister Strauß verklagt „Spiegel“-Chef Rudolf Augstein. Viele spekulieren, dass die aktuelle Aktion gegen den „Spiegel“ ein Racheakt des Verteidigungsministeriums sei. Auch diese Frage sprechen die Journalisten gegenüber der Bundesanwaltschaft an.  mehr...

STAND
INTERVIEW