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Die Sterbe- und Bestattungskultur habe sich in den letzten Jahrzehnten viel stärker individualisiert und von den klassischen Ritualen abgelöst, sagt der Kulturhistoriker Thomas Macho in SWR2: „Und nun bemerken wir, dass es auch notwendig wird, die Trauer auf neue, andere Weise zu praktizieren.“

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Da sei die Initiative von Frank-Walter Steinmeier zum Corona-Gedenken vielleicht ein möglicher Anfang — der anschließe an neue, säkulare, auch politische Trauerrituale, die es so vor einem halben Jahrhundert noch nicht gegeben habe.

Dazu gehöre auch, was gegenwärtig zum Abschied von Prinz Philipp in London geschehe: Menschen legten Blumen vor Windsor Castle ab, um ihre Trauer zu bekunden. Begonnen habe dies mit dem Tod von Prinzessin Diana Ende der 1990er Jahre, so Macho.

Inzwischen erfolge dieses kollektive Ritual völlig jenseits der klassischen Formen, die die Religionen dafür vorgesehen hätten, mit großer Selbstverständlichkeit.

Trauer verlange auch Kreativität „um das, was geschieht bewusster zu machen und in Affekte und Emotionen jenseits von Routine und Alltäglichkeit zu übertragen“, so Macho.


Forum Trauer in der Pandemie - Wie sollen wir der Opfer gedenken?

Mehr als 70 000 Menschen sind bislang in Deutschland an Corona gestorben. Am 18. April soll mit einem Gedenktag an sie erinnert werden. Ist das angemessen? Doris Maull diskutiert mit der Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann, der Palliativmedizinerin Claudia Bausewein und dem Historiker Malte Thießen.  mehr...

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Trauerarbeit Bestatter: Ein würdiger Abschied ist auch bei Covid-19-Toten möglich

Viele Menschen trauern derzeit um Angehörige, die an Covid-19 gestorben sind. Einige Bestatter sehen sich an der Belastungsgrenze. Ein würdiger Abschied sei trotz Covid-19 möglich, sagt David Roth aus Bergisch-Gladbach. Er fordert von Kollegen: „Hört bitte auf zu jammern und macht euren Job.“  mehr...

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Deutschland

Gespräch Corona-Toten ein Gesicht geben: Kunst-Aktion gegen Abstumpfung in der Pandemie

In Berlin und in vielen anderen Städten gibt es jetzt jeden Sonntag Mahnwachen mit Kerzen, um den Corona-Toten zu gedenken. Einer der Initiatoren ist der Journalist und Autor Christian Y. Schmidt. Im Gespräch mit SWR2 erklärt er die Aktion: „Uns ist aufgefallen, dass die Toten in den Medien kaum noch vorkommen.“ Wenn dann kämen die Corona-Toten nur noch als dürre Zahl in der Öffentlichkeit auf, dem müsse man entgegentreten.  mehr...

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Gespräch Aleida Assmann: Warum „Gemeinsinn“ in der Corona-Krise entscheidend ist

Oft werde in den Zeiten der Krise, gerade von Politiker*innen, der „Zusammenhalt“ der Gemeinschaft beschworen, so die Konstanzer Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann in SWR2. Dabei sei dieser Begriff moralischer Natur und beziehe sich von vornherein auf Probleme, die man gemeinsam bewältigen müsse. Sinnvoller sei in dieser Hinsicht der „Gemeinsinn“, weil er die Grundausrichtung der Einzelnen zur Gemeinschaft ausdrücke.  mehr...

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