Gespräch

Immunologe Radbruch: Kein Grund zu übereilter Einführung neuer Corona-Impfstoffe

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Wilm Hüffer

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Sind die neuen Impfstoffe wirklich besser als die bisherigen?

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wäre gut beraten, klinische Daten zur Wirksamkeit neuer Corona-Impfstoffe abzuwarten, sagt der Immunologe Prof. Andreas Radbruch in SWR2. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA steht kurz vor der Zulassung weiterer Impfstoffe von Biontech und Moderna, die auf die Omikron-Variante BA.1 abgestimmt sind.

Die europäische Zulassung schließe ein, dass die neuen Impfstoffe auf Sicherheit geprüft seien und eine Immunantwort auslösen würden, sagt Radbruch. Unklar sei bisher dagegen, ob sie wirklich besser seien als die bereits vorhandenen Impfstoffe.

Allgemein minderten die sogenannten Messenger-RNA-Impfstoffe sehr deutlich das Risiko schwerer Erkrankungen und von Todesfällen, erklärt der Immunologe, sie böten aber keinen langfristigen Schutz vor Ansteckung.

„Der Schutz vor Ansteckungen wird mit den Messenger-RNA-Impfstoffen immer mickrig und kurzfristig bleiben“

Im Gegenteil, sagt Radbruch: „Der Schutz vor Ansteckungen wird mit den Messenger-RNA-Impfstoffen immer mickrig und kurzfristig bleiben. Und zu häufiges Boostern macht ihn noch mickriger“, so der Immunologe. „Denn unser Immunsystem wird dann gesättigt und reagiert immer schlechter“, erklärt Radbruch. Er sehe deshalb „kein wissenschaftliches Argument für regelmäßige Auffrischungsimpfungen.“

Andreas Radbruch ist wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums, einem Leibniz-Institut an der Berliner Charité.

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