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„Im Westen nichts Neues“ bei Netflix – Wie aktuell ist Remarques Roman?

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Gregor Papsch diskutiert mit
Prof. Dr. Sabina Becker, Literaturwissenschaftlerin, Universität Freiburg
Claudia Junk, Erich Maria Remarque-Friedenszentrum, Universität Osnabrück
Prof. Dr. Jörn Leonhard, Historiker, Universität Freiburg

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Was bewirkt ein Krieg seelisch bei denen, die ihn kämpfen? In seinem berühmten Antikriegsroman schilderte Erich Maria Remarque 1929 das Schicksal einer verlorenen Generation, die von der Schulbank weg in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs geschickt wurde.

„‘Im Westen nichts Neues‘ ist ein Roman über den Ersten Weltkrieg, aber er beschreibt den Krieg an sich, insofern ist er gerade jetzt eine sehr aktuelle Lektüre zum Krieg in Europa.“

Jetzt zeigt eine Netflix-Neuverfilmung das Grauen an der Front – und erinnert mit Wucht an den Krieg in der Ukraine. Was macht ein Krieg mit Menschen, die ihm ausgeliefert sind, und die mit dem Erlebten weiterleben müssen? Wie zeitlos, wie aktuell ist Remarques Roman?

„Der Film legt nahe, dass es am Ende des Krieges noch deutsche militärisch sinnlose Angriffe gegeben habe. Das trifft für die Westfront einfach nicht zu. Wenn man sagt, das ist eine deutsche Perspektive, dann steckt da schon eine gewisse Verzerrung der Geschichte drin.“

Edward Bergers Neuverfilmung von „Im Westen nichts Neues“ ist Deutschlands Oscar-Kandidat 2023:

Filmstill (Foto: Netflix)
Der 17-jährige Gymnasiast Paul Bäumer (FELIX KAMMERER) und seine Freunde können es nicht erwarten, in den Krieg zu ziehen, den Franzosen die Hammelbeine lang zu ziehen, auf Paris zu marschieren, den Sieg davonzutragen. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Jubelnd und singend marschiert sie los, die „eiserne Jugend“, für Kaiser, Gott und Vaterland. Die Begeisterung hält nicht lange. Kurz hinter Malmaison, 25 Kilometer vor der Westfront, werden die jungen Soldaten erstmals angegriffen, Granaten schlagen ein. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Paul lernt Katczinsky (ALBRECHT SCHUCH) kennen. „Der Mensch ist ein Biest“, sagt der. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Nachts muss Paul mit seinem besten Freund, Albert Kropp (AARON HILMER), Wache halten. Sie hören Geräusche, schießen aufs Geratewohl. Auf das Mündungsfeuer wird sofort geantwortet. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Die Franzosen nehmen den Schützengraben unter Beschuss. Paul und seine Freunde gehen in Deckung, stehen Todesängste aus. „Feuerwalze“, sagt Tjaden (EDIN HASANOVIC). Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Im November 1918 ist der Krieg so gut wie verloren. Der liberale Abgeordnete Erzberger (DANIEL BRÜHL) will die Oberste Heeresleitung überzeugen, dass es an der Zeit ist, die Niederlage einzugestehen und einen Waffenstillstand auszuhandeln. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Am 8. November 1918 fährt Erzberger im Zug zu einem vereinbarten Ort in Compiègne, um dort die Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Ganz zum Missfallen des Generals Friedrich (DEVID STRIESOW), der das als Verrat am Vaterland empfindet. Er will lieber bis zum letzten Mann weiterkämpfen, wie es sich für deutsche Soldaten gehört. Netflix Bild in Detailansicht öffnen
Erzberger kann sich durchsetzen, den Waffenstillstand zu unterschreiben. Für Deutschland ist der Krieg zu Ende. Die Männer können nach Hause. Oder besser: könnten nach Hause, wenn General Friedrich sich mit der Niederlage anfreunden könnte. Er will diese Schande indes nicht akzeptieren. Und trifft eine Entscheidung. Netflix Bild in Detailansicht öffnen

Der Film startete am 29.9. im Kino. Ab dem 28.10. ist er auf Netflix verfügbar:

Gespräch „Im Westen nichts Neues“ aus deutscher Perspektive: Edward Berger über seine Netflix-Verfilmung

„Im Westen nichts Neues“ erzählt die ergreifende Geschichte eines jungen deutschen Soldaten an der Westfront im Ersten Weltkrieg. Paul und seine Kameraden erleben am eigenen Leib, wie sich die anfängliche Kriegseuphorie in Schrecken, Leid und Angst umkehrt, während sie in den Schützengräben verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Der Film von Regisseur Edward Berger basiert auf der berühmten, gleichnamigen Buchvorlage von Erich Maria Remarque.  mehr...

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