Innenminister Horst Seehofer auch für Heimat zuständig Heimatgefühle sind keine Politik

Meinung am 8.2.2018 von Max Bauer

Der Bundesinnenminister ist zuständig für innere Sicherheit. Otto Schily griff auch gern mal fotogen zum Gummiknüppel. Was aber bedeutet im künftigen Ressort von Horst Seehofer die Zuständigkeit für "Heimat"? Nichts Gutes, meint Max Bauer in seiner SWR2 Meinung. Heimatgefühle sind kein politisches Programm.

AfD schwadroniert von deutscher Identität

Der Innenminister als Heimatminister? Ist die Heimat etwa in Gefahr? Ja natürlich, sagen zumindest Gauland, Höcke und Co. Wobei die AfD eigentlich lieber von deutscher Identität schwadroniert.

Gefährdet durch zu viele Zuwanderer aus islamischen Ländern. Durch die jungen zornigen Männer, die bei uns entweder kriminell oder gleich islamistische Terroristen werden. Jedenfalls hat man sie dann auf jeden Fall, die Klammer zwischen innerer Sicherheit und Heimatschutz.

Hat "Heimat" einen rechtsradikalen Einschlag?

Doch halt. Hat der Begriff Heimat immer diesen rechtsradikalen Einschlag? Ist der neue Heimatminister nicht einfach ein Zugeständnis an die CSU, damit sie, wie geplant, im bayerischen Landtagswahlkampf bei den AfD-Wählern punkten kann?

Und ist das Heimat-Label über dem Innenministerium in Berlin nicht wesentlich harmloser als etwa die anderen Verhandlungserfolge der CSU? Wie zum Beispiel die restriktive Flüchtlingspolitik, bei der der Schatten der AfD tatsächlich handfeste Politik geworden ist.

Heimat ist vor allem ein Gefühl

Ich finde, die Sache ist noch bedenklicher. Heimat ist in erster Linie ein Gefühl, und sie bedeutet nicht für jeden das Gleiche. Sie steht für ein bestimmtes Weltgefühl an einem vertrauten Ort, für eine Landschaft, für die Art, wie Menschen sich verhalten, vor allem wie sie reden.

Heimat kann auch ein altbekannter Geruch oder Geschmack sein, das heißt, Heimat hat vor allem mit Kindheit zu tun.

Heimatbegriff greift Wurzel des liberalen Staates an

Wenn so ein Gefühlsbegriff wie Heimat nicht individuell bleibt, sondern zum Spielball der Politik wird, ist das allerdings gefährlich. Politisch gewendet greift der Heimatbegriff die Wurzel des liberalen Staates an. Und das zeigt nicht nur die urdeutsche Heimatseligkeit der Nazi-Zeit.

Das kann man schon bei Sigmund Freud lernen. Denn nach Freud beruht auch der Staat auf einer emotionalen Verbindung. Die Bürger sind untereinander verbunden, wegen der Liebe zu einem Führer oder einer Idee.

Demokratie will individuelles Nachdenken und Kritik

Jedes politische Handeln ist deshalb emotional beeinflusst, was die Bereitschaft des einzelnen allerdings einschränkt, bei politischen Fragen selbständig und kritisch zu bleiben. Dagegen ist es der Clue bei der Demokratie, dass sie die Fähigkeit zum individuellen Nachdenken und zur Kritik aufrechterhält.

Heimatgefühle knüpfen keine politische Verbindung

Das Mittel dazu: Wir fühlen uns deshalb als Bürger eines Staates, weil wir uns gegenseitig vor allem als einzelne sehen, frei und selbstbestimmt. Heimatgefühle, auch wenn man sie mit anderen teilt, sind nichts, was uns politisch verbindet. Politisch können wir auch mit Menschen eine Gemeinschaft bilden, die uns fremd sind.

"Heimat" gefährdet modernen Fortschritt

Heimat als Politik-Begriff gefährdet diesen Fortschritt, den uns Aufklärung und Moderne gebracht haben. Heimat als politischer Begriff ist immer eine emotionale Aufladung bestehender Zustände, als solche nicht demokratisch verhandelbar und deshalb nichts anderes als reaktionär.

Mit dem neuen Innen- und Heimatminister machen CSU und GroKo eine ideologische Rolle rückwärts. Mit dem unangenehmen Beigeschmack eines deutschen Heimatfilms der Fünfziger Jahre.

STAND