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Hohe Haftstrafe für Can Dündar: Wie Erdogan die Pressefreiheit zertrampelt

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Der Deutsche Journalisten-Verband DJV erhebt heftige Kritik wegen der hohen Haftstrafe gegen den türkischen Journalisten Can Dündar. „Das ist ein Zeichen des Staates, der kritische Berichterstattung nicht dulden möchte“, erklärt der DJV-Vorsitzende Frank Überall im Gespräch mit SWR2. Ein Gericht in Istanbul hatte Dündar am Vormittag zu 27 Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte Dündar vorgeworfen, Staatsgeheimnisse verraten und Spionage betrieben zu haben, weil dieser einen Bericht über türkische Waffenlieferungen an Islamisten in Syrien verfasst hatte.

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Die harte Strafe, meint Frank Überall, „soll offensichtlich davon abhalten, dass die türkische Bevölkerung, dass die Welt davon erfahren“. Überall weiter: „Für kritischen Journalismus ist das der Tod“. Sorge bereitet dem Vorsitzenden des DJV auch, dass langjährige Bemühungen für mehr Pressefreiheit in der Türkei wenig Früchte tragen. Unter Erdogan würden diese Ansätze für mehr Offenheit „zertrampelt“, so Überall.

Obwohl Dündar seit 2016 im Exil in Deutschland lebt, sei das Urteil äußerst belastend. Es gehe nicht nur darum, dass er nicht mehr in die Türkei reisen dürfe: „Reisen ist für Can Dündar insgesamt ein Risiko“, urteilt Überall unter Hinweis darauf, dass die Türkei möglicherweise einen Interpol-Haftbefehl erlasse. Dabei habe Dündar nichts anderes gemacht als seinen Job.

Frank Überall ist studierter Politologe, Journalist und Autor. Er ist seit 2015 Vorsitzender des Deutschen Journalisten-Verbands DJV.

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Der türkische Journalist und Autor Can Dündar
Das Gespräch führt Karin Hutzler  mehr...

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