STAND
INTERVIEW
ONLINEFASSUNG

Luther werde heute vor allem als Vorbild für Zivilcourage gesehen, so die Mainzer Kirchenhistorikerin Irene Dingel in SWR2. So werde auch der angebliche berühmte Ausspruch Luthers vor dem Wormser Reichstag vor genau 500 Jahren verstanden: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“. Es sei heute ein berühmtes Diktum für Aufrichtigkeit und Mut, so Dingel: „Da steht jemand inmitten seiner Feinde, und er bleibt bei seiner Meinung.“

Audio herunterladen (7,6 MB | MP3)

Das berühmte Zitat wurde erst nach Luthers Tod verwendet

Das berühmte Zitat sei dabei erst nach dem Tod von Luther aufgekommen, nach 1546, so die Leiterin des Leibniz Instituts für Europäische Geschichte Mainz.

Es finde sich erst im zweiten Band der lateinischen Ausgabe von Luthers Werken, in einer vorgeschalteten Biographie von Philipp Melanchthon, und sei so auch weiterverbreitet worden, beispielsweise über den Straßburger Theologen Ludwig Rabus.

Jedes Zeitalter versucht, sich auf eine neue Art in Luther zu spiegeln

Trotz solcher erst nachträglich kolportierten Aussprüche sei Luther aber keineswegs eine Projektionsfläche für beliebige Äußerungen. Nur weil der Wittenberger Mönch eine singuläre geschichtliche Figur gewesen, früh heroisiert worden und ungeheuer populär gewesen sei, versuche sich letztlich jedes Zeitalter auf neue Art in seiner Figur zu spiegeln.

Das Apfelbäumchen-Zitat stammt wohl erst aus dem 18. Jahrhundert

So sei das berühmte Wort vom Weltuntergang, der ihn nicht hindern werde, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, vermutlich erst im 18. Jahrhundert, womöglich sogar erst während des Zweiten Weltkriegs, entstanden.

Aber, so Irene Dingel: „Jemandem so etwas zuzuschreiben hat ja auch einen wahren Kern: Tatsächlich war Luther jemand, der eine große Stärke aus der Hoffnung auf die Zukunft selbst erfahren hat, der andererseits aber auch um die Ängste der Menschen wusste.“

Mehr zu Martin Luther

Was ist Fiktion, was Wahrheit? Die berühmten Aussprüche von Martin Luther

Die Stadt Worms feiert im Frühjahr 2021 den legendären Auftritt Martin Luthers auf dem Reichstag vor exakt 500 Jahren. Ein Ereignis, bei dem der Wittenberger Reformator Weltgeschichte geschrieben hat. Unter anderem mit dem Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Aber hat er den Satz wirklich gesagt? Möglicherweise, aber aus einem anderen Grund, als viele vermuten, sagt der Theologe und Journalist Andreas Malessa.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Gespräch „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders“: Vor 500 Jahren stand Martin Luther vor dem Reichstag in Worms

Luther werde heute vor als Vorbild für Zivilcourage gesehen, so die Mainzer Kirchenhistorikerin Irene Dingel in SWR2. So werde heute auch der angebliche berühmte Ausspruch Luthers vor dem Wormser Reichstag vor genau 500 Jahren verstanden: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Gott helfe mir. Amen“. Es sei heute ein berühmtes Diktum für Aufrichtigkeit und Mut, so Dingel: „Da steht jemand inmitten seiner Feinde, und er bleibt bei seiner Meinung.“
Das berühmte Zitat sei dabei erst nach dem Tod von Luther aufgekommen, nach 1546, so die Leiterin des Leibniz Instituts für Europäische Geschichte Mainz. Es finde sich erst im zweiten Band der lateinischen Ausgabe von Luthers Werken, in einer vorgeschalteten Biographie von Philipp Melanchthon, und sei so auch weiterverbreitet worden, beispielsweise über den Straßburger Theologen Ludwig Rabus.
Trotz solcher erst nachträglich kolportierten Aussprüche sei Luther aber keineswegs eine Projektionsfläche für beliebige Äußerungen. Nur weil der Wittenberger Mönch eine singuläre geschichtliche Figur gewesen, früh heroisiert worden und ungeheuer populär gewesen sei, versuche sich letztlich jedes Zeitalter auf neue Art in seiner Figur zu spiegeln.
So sei das berühmte Wort vom Weltuntergang, der ihn nicht hindern werde, ein Apfelbäumchen zu pflanzen, vermutlich erst im 18. Jahrhundert, womöglich sogar erst während des Zweiten Weltkriegs, entstanden. Aber, so Irene Dingel: „Jemandem so etwas zuzuschreiben hat ja auch einen wahren Kern: Tatsächlich war Luther jemand, der eine große Stärke aus der Hoffnung auf die Zukunft selbst erfahren hat, der andererseits aber auch um die Ängste der Menschen wusste.“  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Worms

Spektakel Luther für jede*n — Martin Luther in Worms als große Multimediaproduktion

Der deutsch-iranische Komponist und Sounddesigner Parviz Mir-Ali ist ein Spezialist für Crossover-Produktionen, die ein breites Publikum anziehen. Er hat schon Soundtracks für die André Heller-Show und das Burgtheater komponiert, aber auch für ein Multimedia-Spektakel auf den Fassaden der Frankfurter Skyline. In Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche projiziert der Frankfurter Komponist ein Multimedia-Spektakel auf die Fassade der Wormser Dreifaltigkeitskirche. Die „Zeitmaschine" für dieses Event zum 500. Jahrestag von Luthers Gewissensentscheidung hat Parviz Mir-Ali selbst gebaut. Der „Luthermoment" ist ein Brückenschlag von 1521 bis heute.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Worms

Gespräch 500 Jahre Wormser Edikt: Als Martin Luther sich weigerte, dem Kaiser zu gehorchen

„Ohne den Reichstag in Worms 1521, auf dem Martin Luther das Widerrufen seiner Thesen verweigerte, wäre die Reformation nicht fortgesetzt worden“, sagt der Theologe Ulrich Oelschläger in SWR2. In seinem Buch „Luther in Worms“ geht er den Hintergründen des sogenannten Wormser Edikts nach.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Porträt Sprachgenie Martin Luther

Luthers geflügelte Worte bereichern unsere Sprache bis heute. Der geniale Bibelübersetzer nannte missliebige Menschen auch mal „Arschhummeln“ oder „Esel“. Was denken Schriftsteller heute über Luthers Sprache?  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

SWR1 Sonntagmorgen 500 Jahre Widerrufsverweigerung - Luther in Worms

Die Stadt Worms feiert am Wochenende mit viel Prominenz den legendären Auftritt Martin Luthers auf dem Reichstag von 1521. Ein Ereignis, bei dem der Wittenberger Reformator Weltgeschichte geschrieben hat. Als Folge seiner Widerrufsverweigerung spaltete sich die Kirche.  mehr...

Sonntagmorgen SWR1

Bühne Das ewige Streben des Menschen: Ildikó Gáspár inszeniert Martin Luther in Worms

Bei den Nibelungenfestspielen 2021 in Worms dreht sich alles um Martin Luther: Vor 500 Jahren stand der Reformator vor dem Wormser Reichstag und verteidigte seine Sicht des christlichen Glaubens. Das Theaterstück dazu schreibt der Schweizer Autor und Büchner-Preisträger Lukas Bärfuss, die Inszenierung kommt von der ungarischen Regisseurin Ildikó Gáspár.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Zeitwort 26.10.1870: Ein Orkan beschädigt den Lutherbaum bei Worms

Die Ulme, in deren Schatten Martin Luther gepredigt haben soll, ist wahrscheinlich im 16. Jahrhundert gepflanzt worden. Die Reste des Baumes stehen heute unter Denkmalschutz.  mehr...

SWR2 Zeitwort SWR2

STAND
INTERVIEW
ONLINEFASSUNG