Offenburg Hertha Wiegand: Auch am Ende geht sie ihren eigenen Weg

Stolperstein in der Wasserstr. 8

Als eine der ersten Ärztinnen war sie Pionierin. Ihr Beruf war Berufung. Sie hatte im Ersten Weltkrieg freiwillig in Lazaretten gearbeitet, denn sie wollte Menschenleben retten. Ihr eigenes Leben konnte sie nicht retten – als letzten Ausweg aus der Deportation 1944 schluckte sie Tabletten.

Kurzbiografie:

Hertha Wiegand (*6.7.1890) wurde im Jahr 1914 Ärztin. Sie heiratete einen evangelischen Kollegen und eröffnete mit ihm zusammen eine Praxis in Offenburg. Nach seinem Tod führte sie die Praxis alleine fort – mit kleiner Tochter. Sie kämpfte lange gegen das Berufsverbot. Aber 1938 verlor auch sie die Approbation. Als sie schwerkrank 1944 nach Theresienstadt deportiert werden sollten, nahm sie unterwegs Tabletten. Sie starb am 12. Januar 1944 in Karlsruhe.

Hertha Wiegand geht ihren eigenen Weg

vvv Das letzte traurige Kapitel in der Geschichte der Familie Wiegand

Der Stolperstein für Dr. med. Hertha Wiegand wurde 2012 gestohlen – kurz nach dem Tod ihrer Tochter Dorothea Siegler-Wiegand am 26.2.2012. Der Diebstahl blieb zunächst unentdeckt, weil die Lücke mit einem gewöhnlichen Pflasterstein geschlossen worden war. Im März entdeckte ein Passant, dass der Gedenkstein fehlte. Er war 2004 in der Wasserstraße 8 verlegt worden. Die Stadt Offenburg stellte Strafanzeige gegen Unbekannt. Die frevelhafte Tat wurde nie aufgeklärt.
Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen spendete einen neuen Stein, der am 11.1.2013 eingesetzt wurde.

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