Netzkultur

Hassrede gegen Frauen in Computerspielen

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AUTOR/IN
Tobias Nowak

Videospiele sollen eigentlich Spaß machen. Aber leider sind die Umgangsformen in vielen Spielen eine Zumutung – vor allem für Frauen. Zwar werden Games immer inklusiver, häufig mit starken, nicht sexualisierten Frauenfiguren, aber der Ton gegenüber den Spielerinnen ist oft sehr „toxisch“, d.h. giftig, beleidigend und übergriffig. Tobias Nowak hat sich mit Spielerinnen und Expertinnen über Hassrede in Games unterhalten.

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Lange Zeit nur muskelbepackte Helden und nerdige Gamer statt Spielerinnen

„Digitale Spiele wurden ganz lange und traditionell als Medium für heterosexuelle junge Männer produziert und galten dadurch eben auch in der öffentlichen Wahrnehmung als eher männlich kodiertes Hobby“, sagt die Medienwissenschaftlerin Finja Walsdorff, die an der Universität Siegen zum Thema „Women and Games“ promoviert.

Lange Zeit gab es zum Beispiel in der Werbung keine spielenden Frauen. Auch in den Spielen selbst traten keine Protagonistinnen oder Heldinnen in Erscheinung. Stattdessen gab es bis vor einigen Jahren in und um Spiele viele weiße Männer: Hinter dem Bildschirm muskelbepackte Helden, davor nerdige Gamer. Die zu rettenden Frauenfiguren waren währenddessen oft unnatürlich kurvig und sehr knapp bekleidet.

Entwickler*innen brüsten sich heute mit diverseren und inklusiveren Spielen

Inzwischen hat sich einiges geändert: Starke, nicht sexualisierte Frauenfiguren treten heute in vielen Spielen auf, wenn sie nicht sogar den Ton angeben. Und die Entwickler*innen brüsten sich auch gerne damit, ihre Spiele diverser und inklusiver zu gestalten. So lockt es mittlerweile immer mehr Spielerinnen in die virtuellen Welten, die bisher fast exklusiv von Männern bewohnt wurden.

Teile der männlichen Spielerschaft hätten damit aber immer noch ein Problem, sagt Finja Walsdorff. Für sie sei das „Gamer-Sein“ eine Identität und die Spielkultur eine Art Männerdomäne, die sie zum Beispiel durch feministische Diskurse rund um das digitale Spiel bedroht sehen. Und aus dieser Angst oder dieser Bedrohung werde dann oft mit Ablehnung und einer Abwertung von Weiblichkeit reagiert, zum Teil auch mit Aggression.

Männer fühlen sich durch die Frauen angegriffen — vor allem wenn diese besser sind

Die Streamerin „Sawlties“, die ihre Spielesessions aufnimmt und die Videos auf Youtube oder andere Portale hochlädt, hat dies in verschiedenen Spiele-Communities schon öfters mitbekommen: negative Kommentare oder auch Beleidigungen gegen sie und andere Frauen, die nichts mit ihren Spieler-Skills zu tun hatten, sondern nur gegen sie wegen ihres Geschlechts gerichtet waren.

„Es kann gut sein, dass einige Männer sich angegriffen fühlen“, sagt sie, „zum Beispiel, wenn Frauen besser sind als sie in Spielen und das dann als Beleidigung 'rauslassen', weil das dann der einzige Ausweg für sie ist, die Frau runterzumachen.“ Viele Frauen gäben sich in den Spielecommunities daher nicht als Frau zu erkennen.

Kommunikative Räume von Online-Spielen sind nicht durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz geschützt

Inzwischen regt sich immer mehr Protest gegen die rauen Umgangsformen in manchen Online-Spielen, deren kommunikative Räume übrigens nicht durch das Netzwerkdurchsetzungsgesetz geschützt sind. Laut Jörg Adami, Geschäftsführer der eSport Player Foundation, ändert sich allerdings langsam die Haltung der Spielverlage und -betreiber: „Das Thema ist bei den Publishern angekommen. Die Jungs haben verstanden, dass es ihrem Geschäft schadet. Und das ist in der Regel  das, was sie am ehesten auch wahrscheinlich schnell zum Einschreiten bringt.“

Ob und wie sich das Verhalten gegenüber Frauen in Games künftig verändert, hängt von vielen Faktoren ab, von gesellschaftlichem Sexismus, von Kommunikationsstrukturen in Spielen, vom Engagement der Community und vor allem davon, ob die Ankündigungen der Games-Industrie, die sozialen Räume ihrer Spiele inklusiver zu gestalten, aufrichtig sind oder nur Lippenbekenntnisse.

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