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In seinen ersten Tagen im Amt als Präsident der USA hat Joe Biden bereits mehrere Entscheidungen seines Vorgängers rückgängig gemacht – jetzt hat sein Amt angekündigt, alles dafür zu tun, dass die von Trump gestoppte Reform der 20-Dollar-Note vorangeht. Auf dem populären Geldschein wird dann die Afroamerikanerin und Kämpferin gegen die Sklaverei Harriet Tubman zu sehen sein.

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Wer soll die USA repräsentieren?

Aktuell ist auf den Zwanzig-Dollar-Scheinen ein Porträt von Andrew Jackson, einem Präsidenten aus dem 19. Jahrhundert. Donald Trump bezeichnete sich als großen Fan, die Präsidenten Obama und Biden waren oder sind es eher nicht: Jackson war nicht nur ein Sklavenhalter, sondern auch verantwortlich für die Vertreibung und den Tod vieler amerikanischer Indigener.

Die Zwanzig-Dollar-Note soll umgestaltet werden mit einem Bild der Afroamerikanerin Harriet Tubman. Auf dem jetzigen Geldschein ist der ehemalige Präsident Andrew Jackson abgebildet. Alexander Hamilton soll weiterhin auf der Zehn-Dollar-Note bleiben.  (Foto: Imago, IMAGO / Levine-Roberts)
Die Zwanzig-Dollar-Note soll umgestaltet werden mit einem Bild der Afroamerikanerin Harriet Tubman. Auf dem jetzigen Geldschein ist der ehemalige Präsident Andrew Jackson abgebildet. Alexander Hamilton soll weiterhin auf der Zehn-Dollar-Note bleiben. Imago IMAGO / Levine-Roberts

„Es ist wichtig, dass unsere Banknoten die Vielfalt und die Geschichte unseres Landes widerspiegeln.“

Jen Psakis, Sprecherin von Präsident Biden

Eine „true American hero“

Harriet Tubman, Kampfname Moses, war eine schwarze Freiheitskämpferin. 1822 als Sklavin geboren, floh sie von Maryland ins freie Philadelphia und wurde eine Anführerin der legendären „Underground Railroad“, dem Netzwerk, das versklavte Menschen in die Freiheit brachte. „Ich würde meinen letzten Tropfen Blut geben, um sie zu befreien“, sagt Harriet in dem gleichnamigen Film, der voriges Jahr auch in Deutschland in den Kinos zu sehen war. Nicht sehr groß, aber kräftig und unglaublich zäh, befreite sie 70 Sklaven unter Einsatz ihres eigenen Lebens. Eine Heldin, die jede*r Amerikaner*in kennt.

„Harriet Tubman ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Beispiele für Freiheit und Mut in den USA.“

Erica Armstrong Dunbar, Geschichtsprofessorin und Autorin einer Tubman-Biografie
So ähnlich könnte der neue Zwanzig-Dollar-Schein mit dem Konterfei von Harriet Tubman aussehen. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / AP Photo | Carolyn Thompson)
So ähnlich könnte der neue Zwanzig-Dollar-Schein mit dem Konterfei von Harriet Tubman aussehen. Ein offizielles Design ist noch nicht bestätigt worden. picture alliance / AP Photo | Carolyn Thompson

Entscheidung wurde bereits von Obama getroffen

Schon die Regierung Obama beschloss, Tubman anstelle von Jackson auf den Zwanzig-Dollar-Schein zu setzen. Doch Donald Trump fand im Wahlkampf 2016, Andrew Jackson habe viel für das Land getan. Tubman auf den Schein zu setzen sei „reine politische Korrektheit", sagte er in einem Fernsehinterview.

Seine Regierung verschob die Herausgabe des neuen, fälschungssicheren 20-Dollar-Scheins auf 2028. Und über das Design, sagte Finanzminister Mnuchin, werde dann ein anderer Minister als er endgültig entscheiden.

Harriet Tubman (1820-1913), hier auf einem Porträt von ca. 1885, war eine Abolitionistin (Kämpferin für die Abschaffung der Sklaverei in den USA) und arbeitete während des Sezessionskriegs auch als Spionin für die Nordstaaten. Bekannt wurde sie auch als eine Anführerin der Underground Railroad. (Foto: Imago, IMAGO / ZUMA Wire)
Harriet Tubman (1820-1913), hier auf einem Porträt von ca. 1885, war eine Abolitionistin (Kämpferin für die Abschaffung der Sklaverei in den USA) und arbeitete während des Sezessionskriegs auch als Spionin für die Nordstaaten. Bekannt wurde sie auch als eine Anführerin der Underground Railroad. Imago IMAGO / ZUMA Wire

Tubman-Gelschein nicht unumstritten

Dass die Biden-Regierung sich nun wieder zu Tubman bekennt, wird von Bürgerrechtler*innen begrüßt: „Das Erbe von Tubman und anderen schwarzen Amerikanern, die diese Nation aufgebaut haben, muss anerkannt und gefeiert werden“, hieß es etwa von der NAACP, die seit über 100 Jahren für die Rechte der Afro-Amerikaner*innen kämpft.

Harriet Tubman deserves to be “where the money resides!” https://t.co/cqCwW4PKcK

Biografin Erica Armstrong Dunbar ist sich nicht so sicher: Die USA, meint sie, müssten sich intensiver darüber unterhalten, was es bedeutet, jemanden auf einen Geldschein zu drucken, deren Leben tatsächlich einst in Geld bewertet wurde.

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