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Mehr als ein Jahr muss der prominente Hongkonger Demokratie-Aktivist Joshua Wong in Haft – weil er eine nicht genehmigte Versammlung vor dem Polizeipräsidium von Hongkong angeführt hatte. Für den chinesischen Staat sei das keine Lapalie, erklärt der Publizist Alexander Görlach im Gespräch mit SWR2.

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Hohe symbolische Bedeutung für Peking

Das harte Vorgehen gegen die Demokratiebewegung habe für die Führung in Peking auch eine hohe symbolische Bedeutung: „Hongkong war – aus der Sicht Pekings – der letzte Stachel im Fleische“ aus der Zeit des Kolonialismus. Die westliche Idee, dass ein demokratisches Hongkong auch als Beispiel für China wirken könne, habe sich in ihr Gegenteil verkehrt, so Görlach.

Joshua Wong hatte eine Ausreise in den Westen zuvor abgelehnt, obwohl ihm diverse Länder Zuflucht angeboten hatten. Außer ihm wurden auch zwei weitere Demokratie-Aktivist*innen verurteilt: die Aktivistin Agnes Chow wurde zu zehn Monaten Haft verurteilt, der Aktivist Ivan Lam erhielt eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten. Die Demokratie-Bewegung in Hongkong fordert das Einhalten der Sonderregelungen, die 1997 mit China vereinbart wurden als Großbritannien die Kronkolonie aufgab.

Alexander Görlach ist Senior Fellow am Carnegie Council for Ethics in International Affairs und Honorarprofessor an der Leuphana Universität Lüneburg. Von ihm erschien in diesem Jahr „Brennpunkt Hongkong. Weshalb sich in China die Zukunft der freien Welt entscheidet“ (Verlag Hoffmann & Campe).

Buchkritik Joshua Wong - Unfree Speech

Aus Hongkonger Bibliotheken verschwanden kürzlich die Bücher einiger Demokratie-Aktivisten. Auf der Basis des neuen Nationalen Sicherheitsgesetzes wurden die Bücher offenbar aus dem Verkehr gezogen. Eines davon ist „Unfree Speech“ von dem 23-jährigen Joshua Wong. Jetzt liegt es auf Deutsch vor.
Kurzkritik von Katharina Borchardt.


Aus dem Englischen von Irmengard Gabler
Verlag S. Fischer
ISBN: 978-3-10-491265-3
16 Euro  mehr...

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