STAND
INTERVIEW

Direkt vor dem Hauptsitz des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB, der berüchtigten „Ljubljanka“ in Moskau und in über 100 russischen Städten fanden am Sonntag Demonstrationen der Anhänger von Alexej Nawalny statt. „Das System Putin hat Panik“, stellt der Russland-Experte Manfred Sapper zu den Bildern, die um die Welt gingen, fest. Die Gewaltszenen und in Tausenden Festnahmen richteten sich nicht gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten, analysiert Sapper, der in Berlin als Chefredakteur der Fachzeitschrift „Osteuropa“ arbeitet: „Sie sind ein Signal: Wir müssen jetzt die Reihen schließen.“

Audio herunterladen (7,1 MB | MP3)

Die Menschen in Russland hätten genug von der Korruption und Selbstbereicherung der Eliten des Landes. „Das ist ein Schlag gegen Putin, der sich am Anfang als Kämpfer gegen die Milliardäre profiliert hat", analysiert Sapper das Video Nawalnys, das eine prunkvolle Putin-Residenz zeigt. Dass Nawalny beim nächsten Gerichtstermin ein weiteres Mal zu einer Haftstrafe verurteilt werde, hält Sapper für ausgemachte Sache: „Weil das Regime bisher alles falsch gemacht hat, was man falsch machen kann.“ Nawalny werde so allmählich zu einer Art „russischem Mandela“.

Die politischen Zustände in Moskau seien kafkaesk, meint Sapper: „Wir müssen Kafkas `Der Prozess` lesen, um das zu verstehen“. Dass die europäische Politik bisher mit Appellen auf die Eskalation reagiert hat, findet Sapper bedauerlich, denn: „Niemand kann sich mehr in die Tasche lügen, was Sache ist“. Deshalb sei es nur vernünftig, dass sich der Europarat nun eingeschaltet habe.

Manfred Sapper hat in Frankfurt, Siena und Moskau Politikwissenschaft, Geschichte und Sinologie studiert. Er leitet seit 2002 als Chefredakteur die Zeitschrift "Osteuropa", die die Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e.V. herausgibt.

Aktuell Tausende Festnahmen bei Nawalny-Protesten in Russland

Bettina Kozana  mehr...

SWR2 Aktuell SWR2

Tagesgespräch Jürgen Hardt (CDU): Vorgehen gegen Anti-Putin-Demonstranten kein Grund für EU-Sanktionen

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt (CDU) hält neue EU-Sanktionen gegen Russland aufgrund des Vorgehens gegen Nawalny und seine Anhänger für unverhältnismäßig und wenig Erfolg versprechend. "Ich finde, das Pulver muss man schon trocken halten", sagte Hardt im SWR. Polizeigewalt und Festnahmen seien zwar ohne Zweifel unrechtmäßig, aber kein Verstoß gegen Völkerrecht, wie bei der Einmischung in den Ukraine-Konflikt. Ein Wandel zu mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit könne nur von den Bürgern ausgehen. Dieser Prozess müsse von außen begleitet werden, so Hardt.  mehr...

SWR2 Tagesgespräch SWR2

Forum Showdown mit Putin — Kann Nawalny Russland verändern?

Michael Risel diskutiert mit
Dr. Jan C. Behrends, Historiker, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam
Gesine Dornblüth, freie Journalistin
Rüdiger von Fritsch, bis 2019 Botschafter in Moskau  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Forum Vergiftete Beziehung - Europa, Russland und der Fall Nawalny

Es diskutieren:
Dr. Falk Bomsdorf, ehemaliger Leiter der Naumann-Stiftung in Moskau
Katja Gloger, Slawistin und Journalistin, Hamburg
Prof. Hon. Alexander Rahr, Osteuropahistoriker
Moderation: Thomas Ihm  mehr...

SWR2 Forum SWR2

STAND
INTERVIEW