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Bei den Krawallen in Stuttgart haben wir es mit einer Vielfalt von jungen Menschen zu tun, die in Corona-Zeiten ihrer üblichen Orte beraubt sind: wie Bars, Clubs und Diskotheken. Der Jugendsoziologe und Mitautor der Shell-Jugend-Studie von 2019 Ingo Leven betont, dass diese Generation geprägt ist von einem Leben mit Fahrt auf Sicht, die nicht wüssten, was insgesamt aus ihrem Leben wird. Das könne dann auch zu Eskalation und Formen von Gruppendynamiken führen, wie wir sie nun erlebt haben, sagt der Experte.

Gerade junge Männer hätten deutlich mehr Probleme, mit den Anforderungen des Bildungssystems Schritt zu halten, sie fielen viel öfter aus dem Raster. Sie kämpften mit problematischen Rollenbildern und -vorstellungen, in denen sie sich fragen: Welche Perspektiven habe ich? Mit mangelnden Perspektiven entstünden da Frustrationen, die sich dann manchmal auch entladen.

Trotzdem sei nicht jede Gewaltäußerung gleich eine politische Äußerung und sollte auch nicht als solche überhöht werden, betont Leven. Aber es sei eben ein Ausdruck und Bild der Gesellschaft, dass junge Männer in unserer Gesellschaft so gewaltbereit in Erscheinung treten, so der Soziologe in SWR2.

Gespräch Gewalt von Stuttgart und Hygiene-Demos: „Unpolitische“ Proteste sehr wohl politisch

Gewalttätige Ausschreitungen wie in Stuttgart wurden von Politik und Experten relativ einhellig als „unpolitisch“ eingeordnet, richteten sich aber gleichwohl gegen die Polizei und damit auch das Gewaltmonopol des Staates. Der Publizist Albrecht von Lucke von den Blättern für deutsche und internationale Politik sieht darin einen Widerspruch. Auf der einen Seite sei ein massiver Angriff gegen den Staat im Gange, so von Lucke in SWR2, der sich so auch schon bei den sogenannten Hygiene-Demos von Gegnern der Ausgangsbeschränkungen in der Coronakrise gezeigt habe. Zugleich aber zeige sich eine Schwierigkeit darin, die Art dieses Widerstands nach klassischen Mustern politisch zu verorten. „Deswegen kommt man zu der Aussage, es sei unpolitisch“, erläutert von Lucke mit Blick auf die Motivation der Proteste. „Im Kern ist es jedoch zutiefst politisch, weil es ein Stück weit das Verhältnis zwischen Staat und Bürger in Frage stellt.“ Es frage sich, warum gerade Menschen mit einer „ideologisch nicht klaren Position“ zu solchem Widerstand gegen Staat und Polizei bereit seien.  mehr...

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Forum Beschimpft, bespuckt, geschlagen – Wird die Polizei zum Prügelknaben?

Es diskutieren:
Prof. Dr. Rafael Behr, Polizeiwissenschaftler, Akademie der Polizei Hamburg
Hans-Jürgen Kirstein, Landesvorsitzender GdP Baden-Württemberg
Ute Vogt, MdB, innenpolitische Sprecherin der SPD
Moderation: Claus Heinrich  mehr...

Gespräch Spontaner und unpolitischer Gewaltrausch: Polizeiwissenschaftler über die Krawallnacht von Stuttgart

Es sei wichtig, die Geschehnisse nicht überzuinterpretieren, sagt Polizeiwissenschaftler Rafael Behr in SWR2. In der Krawallnacht in Stuttgart habe es sich eher um eine Art „adoleszenten Gewaltrausch“ gehandelt, spontan und unpolitisch. In solchen Situationen entstehe eine Gruppendynamik, die sich hinterher oft niemand mehr richtig erklären könne.  mehr...

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