Geschichte, die weg muss?

Das Ehrengrab des Heidelberger NS-Bürgermeisters Carl Neinhaus

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AUTOR/IN
Eberhard Reuß

Die Verbrechen und der Terror der NS-Diktatur sind Teil unserer Geschichte. Und diese Geschichte will nicht vergehen. Immer wieder kommen neue Details ans Tageslicht und führen heute zu heftigen Debatten in Sachen Erinnerungskultur. So ist nun auch der 1965 verstorbene, ehemalige Oberbürgermeister Carl Neinhaus ins Blickfeld geraten. Darf die Stadt Heidelberg die Grabstätte von Neinhaus weiterhin unter dem Status „Ehrengrab“ pflegen?

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Viele Jahre war Neinhaus Heidelbergs Oberbürgermeister – trotz NSDAP Mitgliedschaft

Von 1928 bis 1933 war Carl Neinhaus bereits Oberbürgermeister von Heidelberg. Im Mai 1933 trat der parteilose Neinhaus der NSDAP bei und blieb bis 1945 in Amt und Würden. Dann entfernte ihn die US-Besatzungsmacht.

Carl Neinhaus - NS-Bürgermeister Heidelberg (Foto: R. Riese - Archiv Proske)
Carl Neinhaus R. Riese - Archiv Proske

Aber Neinhaus kam wieder, trat der CDU bei und wurde 1952 erneut zum Oberbürgermeister von Heidelberg gewählt. Was für eine Karriere. Das alles war in Heidelberg lange Zeit kein Problem.

Neinhaus hatte Sinti*zze aus Heidelberg verjagt

Bis Anfang dieses Jahres die Stadt Heidelberg die Grabstätte von Maria Hübner in die Liste der Ehrengräber aufnahm. Die 1991 verstorbene NS-Verfolgte hatte unter Lebensgefahr vier Sinti*zze vor den Nazis versteckt.

Die Anerkennung für Maria Hübner brachte es mit sich, dass bekannt wurde, dass auch der 1965 verstorbene Oberbürgermeister Carl Neinhaus in einem städtischen Ehrengrab ruht. Neinhaus war es, der 1935 die Sinti aus Heidelberg verjagt hat.

Es geht nicht um eine Räumung, sondern um die Pflege der Grabstätte

Der Status des Ehrengrabs von Carl Neinhaus wirft Fragen auf. So Eckart Würzner, heute Oberbürgermeister von Heidelberg. Ein Gutachten soll diese Fragen klären, was noch dauern kann. Aber irgendwann wird wohl der Heidelberger Gemeinderat entscheiden.

Wohlgemerkt: Es geht nicht um die Räumung der Grabstätte von Carl Neinhaus. Der Entzug des Ehrengrabstatus hätte nur zur Folge, dass die Stadt Heidelberg das Grab des Alt-Oberbürgermeisters nicht mehr kostenlos gärtnerisch pflegt.

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Eberhard Reuß