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Trotz der Corona-Pandemie: Die Fußball-Bundesliga und auch die 2. Liga dürfen bald wieder spielen, so haben es Länder und die Regierung beschlossen. SWR-Sportredakteur Holger Kühner erinnert dies an das alte Prinzip „Brot und Spiele“, denn Fußballspiele nur für die Profis kämen zu früh.

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Die Fußballer dürfen zurück auf die Bühne - die Künstler müssen warten

Vielleicht dachte man, unter den Fußballspielern gibt es genügend Schauspieler. Nur so ist es zu erklären, dass die Fußballspieler zurück auf ihre Bühne dürfen, die Künstler aber noch warten müssen. Immerhin dürfen nun Konzepte erarbeitet werden, wie Theater wieder geöffnet werden könnten.

Der Profifußball ist da schon viel weiter, hat mit lautem Getöse früh darauf gedrängt, wieder spielen zu dürfen. Großmütig wäre gewesen, wenn sich die Bundesliga mal einsortiert hätte und sich mal ausnahmsweise nicht in den Vordergrund gespielt hätte. Die gesellschaftliche Vorbildfunktion hat der Profifußball längst abgegeben, Hassplakate gegen Fußballinvestor Hopp, rassistische Anfeindungen gegen Spieler, die nicht deutsch genug aussehen und dann noch dieser Spieler von Hertha BSC Berlin, Salomon Kalou, der nicht nur Hygieneregeln missachtet, sondern sich auch noch lustig darüber macht.

Ball desinfizieren nach jedem Einwurf und Kopfball?

Man kann nun nicht eine ganze Sportart in Sippenhaft nehmen, aber nach Denkzettel hört sich das nicht an, wenn die Bundesliga und die 2. Liga Mitte Mai schon wieder spielen dürfen. Fragwürdig bleibt die Rückkehr von König Fußball auch deshalb, weil in den neuen Beschlüssen die Mahnung ganz oben steht:

„Mit jedem zusätzlichen Grad der Öffnung wird es umso wichtiger, dass Abstands- und Hygieneregeln weiter konsequent eingehalten werden.“

Das werden ja lustige Fußballspiele. Fouls kann es gar nicht mehr geben, wenn die Spieler zwei Meter Abstand halten müssen. Und vor jedem Einwurf muss der Ball desinfiziert werden, nach jedem Kopfball übrigens auch…

Erinnerung an das alte Prinzip „Brot und Spiele“

Das geht natürlich nicht, und deshalb wird es beim ach so wichtigen Kontaktverbot Ausnahmen geben. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass man sich in der Politik an das alte Prinzip „Brot und Spiele“ erinnert hat. Kann man ja alles nachlesen. Gibt dem aufmüpfigen Volk Brot und unterhalte es mit Spielen. Es heißt, das Volk habe sich so bestechen lassen und Fouls der Machthaber hingenommen.

Und das, obwohl der Spaßbetrieb lahmt. Über manch einem Verein zog in den letzten Wochen nicht das Abstiegsgespenst seine Kreise, sondern der Pleitegeier. Schalke 04 hat offenbar schon TV-Gelder ausgegeben, die noch gar nicht geflossen sind.

Geister essen keine Bratwurst

In Kindertagesstätten und in Schulen arbeiten gut ausgebildete Fachkräfte. Profis in dem, was sie tun. Bei manchem Bundesligaverein habe ich den Eindruck, sitzen immer noch Amateure.

Eine Extrawurst bleibt dem Fußball aber verwehrt. Zuschauer müssen draußen bleiben. Geisterspiele. Gruselig. Auch die Verpflegungsstände bleiben deshalb geschlossen. Geister essen keine Bratwurst.

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