Gesellschaft

Gegen Belästigung: Mainzer Aktivistinnen kreiden „Catcalling“ an

STAND
AUTOR/IN

Kaum ein Mädchen oder eine Frau hat es noch nicht erlebt: Hinterherpfeifen oder abwertende Sprüche von Männern auf der Straße. „Catcalls“ werden diese verbalen Übergriffe genannt. Eine Gruppe junger Frauen in Mainz wehrt sich dagegen und kreidet die Belästigungen auf die Straße und stellt Bilder der Aktionen auf Social Media.

Audio herunterladen (2 MB | MP3)

Erfahrungsberichte aus ganz Mainz

Die Erfahrungsberichte von „Catcalls“ in Mainz erhalten die Aktivist*innen per Direktnachricht auf ihrem Instagramkonto @catcallsofmainz. Einen genauen „Belästigungskatalog“, was unter den Begriff „Catcalls“ fällt, haben sie nicht – vielmehr wird die beschriebene Situation ausgewertet und berücksichtigt, wie die betroffene Person sie empfunden hat.

Cat Calls of Mainz❗CN: Sexismus, sexuelle Belästigung ❗

„Catcalls“ nennt man sexuelle Belästigung in der Öffentlichkeit. Nachpfeifen, anzügliche und übergriffige Sprüche oder Anmachen sind für viele Frauen Alltag. Mainzer Studentinnen kreiden solche Sprüche in der Stadt auf den Boden - an dem Ort, an dem sich der Vorfall ereignet hat. #CatCallsOfMainz #CatCallsOfGermanyPosted by SWR2 on Friday, September 4, 2020

Eine Belästigung ist kein Kompliment!

„Hinterherpfeifen ist eine Belästigung, denn es wird ja schon mit dem Wort 'hinterherpfeifen' klar, dass die betroffene Person keine Chance hat zu reagieren“, erklärt die Studierende Hannah Fiehn.

In der Mehrzahl der Fälle, so die Aktivistinnen, seien es weiblich gelesene Personen, die von männlich gelesenen Personen belästigt worden seien – allerdings hätten sie auch bereits einige wenige Erfahrungsberichte von Situationen erhalten, in denen es umgekehrt gewesen sei.

Weltweite Bewegung gegen „Catcalls“

Die jungen Frauen, Studierende der Politikwissenschaft und vertraut mit den Thematiken der Gender Studies, werden immer wieder zum Ziel von Angriffen, vor allem im Netz. Manchmal werden sie auch auf der Straße bei ihren Kreide-Aktionen angesprochen. Dann bietet sich über die anschließende Diskussion oft die Gelegenheit zur Aufklärung der Passant*innen über den Hintergrund der Bewegung. Ursprünglich stammt die Idee mit den Kreide-Berichten von einer Frau aus New York, von dort aus ging die Idee um die Welt. Petitionen fordern „Catcalls“ zu verbieten. In Frankreich ist seit knapp zwei Jahren ein Gesetz in Kraft das „Belästigungen auf der Straße“ unter Strafe stellt.

Häufig wird eingewandt, ihre Aktionen „bringen nichts“ – dies sehen die Aktivistinnen jedoch anders: es gehe vor allem darum eine Diskussion über „Catcalling“ und einen gesellschaftlichen Wandel anzustoßen. Ihre Hoffnung: Dass ihre Aktionen irgendwann überflüssig werden, weil „Catcalling“ der Vergangenheit angehört.

Buch der Woche | Corona-Bibliothek Soraya Chemaly - Speak out! Die Kraft weiblicher Wut

Wut gilt als unweibliches Gefühl. Mädchen sollen vor allem „lieb“ sein. Ein falscher Weg. Die US-amerikanische Journalistin und Aktivistin Soraya Chemaly will die Wut nun für Frauen produktiv machen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Gespräch Wo Männer ihren Frauenhass ausleben: Die Soziologin Veronika Kracher über „Incels“ im Internet

„Es wird eine Atmosphäre geschaffen, die Gewalt rechtfertigt und glorifiziert und in der die Menschen weniger Hemmungen haben, Gewalttaten zu begehen“, berichtet die Mainzer Soziologin Veronika Kracher über ihre verdeckte Recherche in Online-Foren sogenannter Incels. Der Begriff Incel kommt vom Englischen „involuntary celibate“ – ungewollt enthaltsam, per Eigendefinition sind Incels also Männer, die ungewollt keine sexuellen oder Liebesbeziehungen haben.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

STAND
AUTOR/IN