Lebenslange Haftstrafe für Mohammed Al-Ajami

Jan Wagner zur Haftstrafe gegen Lyriker aus Katar: „Gedichte beunruhigen Despoten“

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INTERVIEW
Christian Batzlen

„Es ist ja erstaunlich, dass Gedichte etwas sind, das Despoten unruhig macht, sagt der Der deutsche Lyriker und Büchnerpreisträger Jan Wagner angesichts der jetzt in Katar verhängten lebenslangen Haftstrafe gegen den Dichter Mohammed Al-Ajami. Das liege auch daran, dass Gedichte immer einen Freiraum böten, so Wagner in SWR2.

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Die Lyrik sei eine Gattung, die oft belächelt würde, die oft abseits oder im Schatten stünde, aber immer auch den Mächtigen Angst gemacht habe. Und es wäre auch immer schon so gewesen, dass Lyrik den Machtlosen eine Ausflucht geboten und Trost gespendet, und den Opfern einen Raum gegeben habe. Und das würde von den Mächtigen dann als eine Bedrohung empfunden, erklärt Wagner im Gespräch mit SWR2.

Jan Wagner war Lesepartner von Mohammed al-Ajami

Der deutsche Lyriker und Lyrik-Übersetzer Jan Wagner, vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Büchnerpreis, hatte bereits 2016 als Lesepate auf das Schicksal des damals in Katar inhaftierten Dichters Mohammed al-Ajami aufmerksam gemacht.

Zweite lebenslangen Haftstrafe

Mohammed Al-Ajami stammt aus Katar und er wurde dort am 21. November zum zweiten Mal zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Begründung: Gefährdung der öffentlichen Ordnung und die Sicherheit des Staates. Al-Ajami habe regimekritische Videos über verschiedene soziale Medien verbreitet. 

2011 wegen „Öffentlicher Anstiftung zum Sturz des Regimes“ verurteilt

Bereits 2011 war Mohammed Al-Ajami wegen „Öffentlicher Anstiftung zum Sturz des Regimes“, „öffentlichen Infragestellens der Autorität des Emirs“ und „öffentlicher Beleidigung des Kronprinzen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Urteil wurde später abgemildert in eine fünfzehnjährige Haftstrafe, aus der er jedoch nach vier Jahren entlassen wurde.

Die erneute Verurteilung fällt mitten in einer Zeit, in der die Vorwürfe der Menschenrechts-Missachtung in Katar bei der Fußballweltmeisterschaft weltweit diskutiert werden.

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Fußball-WM in Katar Tote auf Baustellen, Homophobie und Kommerz: Rufe nach WM-Boykott verstummen nicht

Die Fußball-WM in Katar sorgt für reihenweise negative Schlagzeilen: ein WM-Botschafter, der Homosexualität als „geistigen Schaden“ bezeichnet, zahlreiche tote Arbeiter*innen auf Stadionbaustellen und dubiose Umstände der WM-Vergabe. Aufrufe zum Boykott bleiben da nicht aus.

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Buchkritik Jan Wagner – Der glückliche Augenblick. Beiläufige Prosa

Begeistert schreibt Jan Wagner über seine Heldinnen und Helden der Lyrik – von Inger Christensen bis John Keats. Der Band versammelt Portraits, Essays und Skizzen von unterwegs, in denen der Büchner-Preisträger das Wesen der Dichtung erkundet. Elegant geschrieben, beglückend zu lesen.
Rezension von Ulrich Rüdenauer.
Hanser Verlag, 304 Seiten, 25 Euro
ISBN 978-3-446-26943-9

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Buch der Woche am 23.9.2018 Jan Wagner: Die Live Butterfly Show

Vier Jahre nach dem preisgekrönten Lyrikbestseller "Regentonnenvariationen“, ein Jahr nach der Verleihung des Büchnerpreises erscheinen neue Gedichte von Jan Wagner: „Die Live Butterfly Show“ präsentiert nicht nur einen routinierten Dichter, sondern einen neugierig bleibenden Sprachjongleur.| Gedichte, Hanser Berlin Verlag, 104 Seiten, 18 Euro.| Rezension von Ulrich Rüdenauer.

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Gedichte Margaret Atwoods aus zwölf Jahren. Da geht es teils recht plakativ um Feminismus und Klimawandel; in anderen Gedichten gelingt es Atwood, die Flüchtigkeit und Brüchigkeit des Lebens einzufangen. Der zweisprachige Band "Innigst/Dearly" mit den Übersetzungen von Jan Wagner lädt dazu ein, die durch ihre Romane weltberühmte Autorin auch als Lyrikerin zu entdecken.
Rezension von Wolfgang Schneider.
Aus dem Englischen von Jan Wagner
Berlin Verlag, 240 Seiten, 28 Euro
ISBN 978-3-8270-1468-9

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Gedichte und ihre Geschichte Reimen als Überlebensstrategie - Lyrik der Holocaust-Überlebenden Ruth Klüger

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee die Gefangenen aus dem Konzentrationslager Auschwitz. Eine, die das Grauen überlebte, war die jüdische Lyrikerin Ruth Klüger. Wenn man sie fragte, wie sie all das Erlebte verkraften konnte, antwortete sie: „Ich habe den Verstand nicht verloren, ich habe gereimt". Aus Anlass des Internationalen Tages zum Gedenken an die Opfer des Holocaust erinnert Kerstin Bachtler mit zwei Gedichten an die 2020 verstorbene Lyrikerin Ruth Klüger.

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Gespräch 20 Jahre Kookbooks – it's not easy

Lyrik als Lebensform! Das ist das Motto des kookbooks Verlags, den Daniela Seel vor 20 Jahren gründete. Kookbooks ist eine einmalige Erfolgsgeschichte, verbunden mit vielen preisgekrönten Autorinnen und Autoren. Daniela Seel kämpft weiter für mehr Lyrik im Leben - auch wenn die Zeiten für kleine, unabhängige Verlage gerade nicht rosig sind. Ein Gespräch zum 20. Geburtstag des Verlagswunders kookbooks.

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Es sind Lieblingsgedichte, und zwar zwei für jeden Monat, die in den handgeschriebenen Gedichtekalender von Hubert Klöpfer aufgenommen werden. Seit Jahren gibt der Verleger den Kalender im Kröner Verlag heraus und wählt dafür Lyrik unterschiedlichster Epochen aus, von berühmten und auch von unbekannten Schreibenden. Heraus kommt jedes Jahr aufs neue ein ästhetisch ansprechender Kalender - ganz ohne Bilder, aber mit großer literarischer und grafischer Qualität.

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Diskussion über vier Bücher SWR Bestenliste Januar 2023

Das Gespräch über vier Bücher der SWR Bestenliste im Januar begann mit Dissens. Während Jurymitglied Kirsten Voigt die Gesamtkonstruktion von Alain Claude Sulzers Roman „Doppelleben“ lobte, der von den Gebrüdern Goncourt und ihrer Haushälterin Rose handelt, vermisste Literaturkritiker Klaus Nüchtern den konsistenten Ton in dem Text und bemängelte auch zahlreiche misslungene und kitschige Formulierungen.
Bei der Diskussion zu Emilio Lussus „Marsch auf Rom und Umgebung“ waren die Rollen dann anders verteilt. Voigt sprach dem historischen Werk die literarische Qualität ab, sprach aber von einer bedrückenden, politisch-aktuellen Relevanz. Nüchtern verwies auf den eleganten Spott des Autors, der eine immer stilsichere Schmierenkomödie der Macht geschrieben habe.
Vor allem die Tiergedichte im neuen Lyrikband „Innigst“ der kanadischen Schriftstellerin Margret Atwood überzeugten sowohl Nüchtern als auch Voigt, die zudem auf den biographischen Hintergrund der karg-melancholischen Poesie verwies. Moderator Carsten Otte ließ es sich nicht nehmen, die Harmonie der Jury etwas zu trüben und auf die schwächeren Gedichte des Bandes hinzuweisen.
Einigkeit herrschte zum Abschluss über den vielseitig gelungenen Roman „Die Erweiterung“ von Robert Menasse, in dem nicht vom Wunsch Albaniens, in die EU aufgenommen zu werden, sondern auch die groteske Jagd nach einem goldenen Helm erzählt wird: Nüchtern nannte das Buch einen herrlichen „Bastard“ aus Politthriller, Liebesroman und Studie über die Macht der Symbolpolitik. Voigt gab zu, den Roman zunächst „mit spitzen Fingern“ in die Hand genommen zu haben, um sich dann aber über das gelungene Figurenensemble und die vielen Erzählstränge zu freuen, die in einem furiosen Finale zusammenfinden.

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Der Lyriker und Prosaautor Walle Sayer widmet sich in seinen Gedichten und Prosaminiaturen mit Vorliebe dem "Alltagsgewusel" und dem "Tagesgekritzel", wie zwei Kapitel in seinem neuen Band "Das Zusammenfalten der Zeit" betitelt sind. Zu finden sind hier kleine Meditationen über das Unscheinbare, das einer besonderen Beleuchtung bedarf, um in seiner Essenz erkannt zu werden.
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Mitten im Corona-Lockdown gründete der 28jährige Literaturstudent Fabian Leonhard den Trabanten Verlag. Was wie ein großes Risiko aussah, entpuppt sich nun als Erfolgsgeschichte: mit Lyrikbänden und einem Schwerpunkt auf spanisch-sprachiger Literatur.
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Durch die Gesänge der Mutter und einer Magd hat Christoph Ransmayr seine ersten Geschichten gehört. Jetzt folgt er ihrem Beispiel und erzählt in Balladen und Gedichten von abenteuerlichen reisen: ins Hochgebirge, ins Blau des Himmels, an den Meereshorizont und durch die Zeit. Begleitet werden seine Texte von Aquarellen des Malers Anselm Kiefer - ein Prachtband!
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Gespräch und Lesung Dinçer Güçyeter – Unser Deutschlandmärchen

In seinem autobiographisch grundierten Roman erzählt Dinçer Güçyeter die Geschichte seiner Eltern, die in den 1960er Jahren als türkische Gastarbeiter nach Nordrhein-Westfalen kamen, wo Arbeitskräfte gebraucht wurden: in den Bergwerken und in den Schuh- und Teppichfabriken. Die Eltern arbeiteten viel, und sie siedelten sich dauerhaft in Nettetal an, einem Städtchen an der niederländischen Grenze. Dort lebt der gelernte Werkzeugmechaniker Dinçer Güçyeter auch heute noch, und er führt dort seinen Elif-Verlag.

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