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Gamesbranche und Ukraine-Krieg: Das ist eben kein Spiel mehr

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AUTOR/IN
Tobias Nowak

In der Zeitenwende werden sogar Spiele zu politischen Instrumenten: Der Ukraine-Krieg hat auch im größten Unterhaltungsmedium unserer Zeit, den digitalen Spielen, schnell deutliche Spuren hinterlassen. Krieg ist zwar schon immer Sujet vieler Games gewesen. Aber gegen Putins realen Krieg sprechen sich Games-Szene und -Branche deutlich aus: Das ist eben kein Spiel mehr. Diese Haltung manifestiert sich in großer Spendenbereitschaft einerseits und Embargos gegen Russland andererseits.

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Online-Games sind wichtig in Osteuropa

Das beliebte Online-Panzer-Spiel „World of Tanks“ ist vielleicht auch Nicht-Gamern schon aufgefallen: In spätanbendlichen TV-Werbepausen tauchte schon mal Arnold Schwarzenegger auf und warb für die virtuellen Panzerschlachten.

World of Tanks (Foto: IMAGO, IMAGO / ITAR-TASS)
Gemäß Zahlen des Unternehmens spielten im Jahr 2021 rund 110 Millionen Spieler*innen weltweit „World of Tanks“. IMAGO / ITAR-TASS

Problem: Die Betreiberfirma Wargaming.net stammt aus Belarus und betreibt große Entwicklerstudios mit hunderten von MitarbeiterInnen in Minsk und… Kiew. Während sich die Firma noch bemühte, die Angestellten aus der umkämpften ukrainischen Hauptstadt zu holen, wurde der Creative Director gefeuert, nachdem er sich pro-russisch geäussert hatte.

Unternehmen solidarisieren sich mit der Ukraine

Kurz darauf gab Wargaming.net bekannt: „Unsere Firma hat beschlossen, in Russland und Belarus keine Geschäfte mehr zu betreiben oder zu besitzen. Davon werden wir weder kurz- noch langfristig profitieren, im Gegenteil: Wir gehen von starken Umsatzrückgängen aus.“

Bei – je nach Zählart – zehn- bis hunderttausenden von aktiven Spieler*innen, davon sehr viele in Osteuropa, ist das nicht unwahrscheinlich. Wargaming will auch seine Studios in Belarus und Russland in andere Länder verlegen. Die Firmensitz ist schon seit zehn Jahren auf Zypern. Damit ist die Firma nicht allein: Weltweit operierende Spielfirmen evakuieren ihre Studios in der Ukraine und schließen die in Russland. Und sie ziehen sich teilweise radikal aus dem russischen Markt zurück.

Auch die großen ziehen sich aus dem Russland-Geshcäft zurück

„Die Bilder und Nachrichten, die uns vom Krieg in der Ukraine erreichen, hinterlassen uns so entsetzt, wütend und traurig wie den Rest der Welt. Wir verurteilen diese ungerechtfertigte, nicht provozierte und gesetzteswidrige Invasion durch Russland. […] Wir werden von heute an alle Verkäufe und Dienstleistungen in Russland aussetzen“, heißt es sinngemäß übersetzt in einer Pressemeldung von Microsoft.

Bei Microsoft denken viel erstmal an Office und Windows-Betriebssysteme, aber das Unternehmen wuchs durch eine gigantische Einkaufstour in den letzten Jahren zum absehbar größten Spielverlag der Welt an. Dieses Embargo ist also massiv. Der andere, Gaming-Gigant, Sony, zog nach: „Wir haben alle Lieferungen von Soft- und Hardware nach Russland gestoppt und den PlayStation Store dort abgeschaltet.“

Ukrainischer Minister wendet sich direkt an die Hersteller

Auch weitere große Game-Publisher – etwa Ubisoft und Nintendo – haben den Vertrieb ihrer Titel in Russland und Belarus eingestellt. Offenbar fügt die internationale Spielbranche sich perfekt ein in die ukrainischen Bemühungen, auf allen denkbaren Ebenen Unterstützung gegen die Aggressoren zu aktivieren. Schon eine Woche nach Kriegsbeginn hatte sich der stellvertretende Premierminister der Ukraine, Mychajlo Fedorow, auf Twitter an die Games-Industrie gewandt:

@Xbox @PlayStation You are definitely aware of what is happening in Ukraine right now. Russia declare war not for Ukraine but for all civilized world. If you support human values, you should live the Russian market! https://t.co/tnQr13BsSv

Ob diese Sanktionen helfen, die öffentliche Meinung vor Ort zu drehen? Sicher ist nur, dass Millionen russischer Gamer, selbst die, die sich nicht für Politik interessieren, durch den Wegfall ihre Hobbies – und darauf reagieren leidenschaftliche Gamer… leidenschaftlich – so darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Politik ihres Landes in der Welt für Entsetzen sorgt.

Dossier Der Ukraine-Krieg — Hintergründe, Informationen, Fakten

Am 24. Februar 2022 hat Russland die Ukraine militärisch angegriffen. Millionen Menschen sind seitdem aus der Ukraine geflüchtet, auch nach Deutschland. Unser Dossier zeigt die Hintergründe und Auswirkungen des Kriegs.  mehr...

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